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    Tiflis

    Wahlsieger: Georgien soll wie Deutschland werden

    Mit seiner neuen Bewegung Georgischer Traum hat der Milliardär und Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili (56) die Politik der Schwarzmeer-Republik auf den Kopf gestellt.

    Der reichste Mann des Landes hat das Machtmonopol des wegen seines Führungsstils umstrittenen Präsidenten Michail Saakaschwili (44) gebrochen. «Die EU und die Nato - das ist unser Weg», sagte Iwanischwili kurz vor der Abstimmung im Interview der Deutschen Presse-Agentur in seiner Glasvilla in Tiflis.

    Ihre Bewegung heißt Georgischer Traum - wovon träumen Sie?

    Iwanischwili: «Ich träume, dass mein Land so wird wie Europa, wie Ihr Deutschland, dass wir uns einer zivilisierten Welt annähern, wo alles echt ist und nicht nur Fassade. Die Menschen hier sollen die Chance haben, hier ihr Brot zu verdienen. Ein Drittel der Bevölkerung lebt im Ausland. Kaum jemand hat hier Arbeit. Das Geld kommt nur Staatsdienern zugute und den kleinen Monopolen, die Saakaschwili geschaffen hat und steuert.»

    Wie wollen Sie das ändern?

    Iwanischwili: «Mit dem Aufbau einer Agrarwirtschaft ist den Menschen am leichtesten zu helfen. Die Bauern sind am Boden. Mit bezahlbaren Krediten helfen wir ihnen auf die Beine. Damit sie Dünger, gutes Saatgut, Maschinen und andere Technik kaufen können. Saakaschwili hat das alles zerstört. Das Land hat mit seiner Sonne, der alten Weinkultur und dem Reichtum an Obst und Früchten eine Zukunft.»

    Russland wäre da ein wichtiger Markt, aber die Beziehungen liegen seit dem Südkaukasuskrieg 2008 zwischen Ihren beiden Ländern auf Eis - wie wollen Sie das Eis brechen?

    Iwanischwili: «Wir müssen uns die baltischen Länder zum Vorbild nehmen, die durch eine vernünftige Politik als Ex-Sowjetrepubliken auch den Weg in die EU und die Nato geschafft haben. Die Balten haben eine saubere Demokratie aufgebaut. Mit Russland muss man sich akkurat verhalten und nicht ständig auf die Waffen schauen. Wir sind ein kleines Land und können nicht in der Geopolitik mitmischen, wie Saakaschwili das mit seiner aggressiven Rhetorik versucht hat.»

    Ihre Gegner werfen Ihnen vor, ein «russisches Projekt» zu sein und das Land vom prowestlichen Kurs abbringen zu wollen...

    Iwanischwili (lacht): «Die EU und die Nato - das ist unser Weg. Das ist unser Schicksal. Darüber hat das Volk abgestimmt. Das hat sich nicht Saakaschwili ausgedacht. Es gibt im Moment nichts Besseres als Europa und die Nato. Man wäre ein Dummkopf, anderes zu planen.»

    Sie sind extrem reich. Werden Sie diese Erwartungen der Menschen auf schnellen Wohlstand nicht enttäuschen müssen?

    Iwanischwili: «Ich denke, dass alles gut laufen wird. Zuletzt war die Opposition sehr schwach. Aber wir werden das Einparteienparlament in diesem Land brechen. Wir konzentrieren uns mit den internationalen Beobachtern darauf, dass die Wahl ohne Fälschungen abläuft.»

    Und was machen Sie mit Saakaschwili, wenn Sie siegen?

    Iwanischwili: «Er kann im Land bleiben. Es wird keine politischen Verfolgungen geben. Im Gegenteil. Alle, die jetzt im Apparat arbeiten, behalten ihre Arbeit. Wenn es aber natürlich kriminelle Vergehen gibt, wird ein Gericht darüber urteilen müssen.»

    Iwanischwilis Seite

    Georgischer Traum, Georgisch

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