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„W6“: Wehrdienst auf Kernaufgaben reduziert

Im Eiltempo hat Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg die Reform der Bundeswehr vorangetrieben. Vor allem die Reduzierung der Wehrpflicht auf sechs Monate (Bundeswehr-Jargon: „W6“) war schneller Realität, als die meisten ahnten.

Zwar wird bereits über die Aussetzung diskutiert, doch die Streitkräfte müssen sich als Auftragnehmer der Politik zunächst mit der rechtlichen Realität auseinandersetzen. Und die lautet: Eindampfen – ist der Wehrdienst doch nur noch ein Drittel so lang wie zu seiner Maximalzeit. Doch was steckt überhaupt noch drin nach dem Wechsel von „W9“ zu „W6“?

Während Marine und Luftwaffe die Grundausbildung offenbar von drei auf zwei Monate verkürzen, will das Heer, das das Gros der Wehrpflichtigen übernimmt, daran festhalten und damit künftig die Hälfte der gesamten Dienstzeit für die Grundausbildung verwenden. In den 480 Stunden Unterricht enthalten: Schießen (90 Stunden), Gefechtsdienst wie Tarnen und Bewegen im Gelände (100), Sanitätsausbildung (30), Sport (75) – aber letztlich nur 16 Stunden „Formaldienst“, wohinter sich Antreten, Marschieren und Ausrichten verbergen. Hinzu kommen knapp 45 Stunden, die sich mit Theorie wie Wehrrecht, politischer Bildung oder Militärseelsorge befassen. Das Anrecht auf Urlaub ist auf sechs Tage gestutzt.

Bislang folgten auf diese drei Monate sechs Monate in den sogenannten Stammeinheiten, meist als Kraftfahrer oder Bürokraft. Nur die wenigsten unterstützten die Kampfeinheiten, indem sie den Betrieb aufrechterhielten, wenn die Einheit im Einsatz ist. Folge: Das Gros fühlte sich unterfordert, schlug die Zeit tot (siehe auch „Dienstziel Gammeln“). Denn auch die einheitsspezifische Fachfortbildung nach der Grundausbildung war höchst unterschiedlich: Während beispielsweise ein Ladeschütze bei der Panzertruppe binnen drei Wochen ausgelernt hatte, konnte die Ausbildung eines Logistikers mit Lkw-Führerschein samt Gefahrentransportzulassung auch mehr als drei Monate in Anspruch nehmen. Paradox: Bei „W6“ würde die Bundeswehr einen Rekruten die ganze Dienstzeit ausbilden – ohne dass die Stammeinheit am Ende überhaupt etwas von dem Soldaten hat. Deshalb wäre es unsinnig, die letzten drei Monate einfach abzuschneiden.

Die Lösung: Künftig werden teure Zusatzausbildungen die Ausnahme und auf Längerdiener begrenzt sein. Die Masse der Wehrpflichtigen soll dafür grundsätzlich als Sicherungs- und Objektschutzsoldat ausgebildet werden. Also eine Besinnung auf die Infanterie-Kernaufgaben, die Kosten spart und zugleich einheitliche Standards schafft. Warum das bisher nicht so gemacht wurde? „Die Streitkräfte sind seit Jahren in einem sehr raschen Lernprozess“, heißt es. Die Lehrpläne sind bereits umgestellt, die nötigen Strukturen sollen bis April 2011 folgen (pln)

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