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    Paris

    Toulouse zittert vor kaltblütigem Motorroller-Killer

    Die tödlichen Anschläge der vergangenen Tage auf mehrere Soldaten sowie eine jüdische Schule in Südwest-Frankreich erhärten Spekulationen über einen Serientäter. Die zuständige Staatsanwaltschaft Toulouse sieht «beängstigende Parallelen» bei den Taten.

    Spurensicherung
    Spurensicherung vor der Ozar Hatorah-Schule in Toulouse.
    Foto: Xavier de Fenoyl - DPA

    Auch Präsident Nicolas Sarkozy sprach von Ähnlichkeiten. In allen drei Fällen handelte es sich bei dem Täter um einen Motorrollerfahrer, der einen Helm mit getöntem Visier trug, am helllichten Tag auf offener Straße zuschlug und schnell verschwand. Nach Medienberichten verfügt er über gute Ortskenntnisse, geht äußerst kaltblütig und berechnend vor und weiß mit Waffen umzugehen.

    Die Todesschüsse auf die insgesamt vier Soldaten in Toulouse und Montauban wurden mit derselben großkalibrigen Waffe abgefeuert. Auch beim Anschlag auf die jüdische Schule nutzte der Unbekannte eine Waffe des gleichen Kalibers. Die gefundenen Patronenhülsen weisen die benutzte Waffe nach Medienberichten als einen Colt aus, wie ihn die US-Armee im Zweiten Weltkrieg benutzte. Der Waffentyp galt in den 1980er Jahren als verbreitete Waffe im Untergrund-Milieu der Region.

    Ein leeres Magazin, das der Täter beim Anschlag in Montauban zurückgelassen hat, wies nach diesen Angaben keine Spuren auf - der Schütze trug offenbar Handschuhe. Die methodische Vorgehensweise des Mannes ließ Spekulationen aufkommen, es handele sich um einen ehemaligen Soldaten. Nach Medienberichten hatte er sein erstes Opfer vor einer Woche mit einem einzigen Kopfschuss getötet. Die drei in Montauban und Toulouse Getöteten sollen nordafrikanischer Abstammung sein - das noch in Lebensgefahr schwebende vierte Opfer ist ein Franzose schwarzer Hautfarbe aus dem Überseegebiet Guadeloupe.

    Das Motiv ist bislang völlig unklar. Die Polizei verfolgt daher mehrere Hypothesen. Sie reichen von der Wahnsinnstat eines traumatisiert aus Afghanistan zurückgekehrten Militärs bis zu möglichen Racheakten zum Jahrestag des Abkommens von Evian, das sich am Sonntag zum 50. Mal jährte. Es hatte 1962 einen blutigen Kolonialkrieg beendet und dem damaligen Französisch-Algerien den Weg in die Unabhängigkeit geebnet.

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