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    Berlin/Dresden

    Terrorpaket bedrohte auch Deutschland

    Eine der Luftpost-Bomben aus dem Jemen hätte auch in Deutschland explodieren können: Das in Großbritannien gefundene Sprengstoffpaket wurde über Köln transportiert, richtete sich nach Einschätzung von Bundesinnenminister de Maizière aber nicht direkt gegen Deutschland.

    Thomas De Maiziere
    Bundesinnenminister Thomas De Maizière (Archivbild).

    Rückschlüsse auf die Gefährdungslage könne man daraus nicht ziehen, sagte der CDU-Politiker am Sonntag in Dresden. «Deutschland ist genauso im Fokus wie andere auch.»

    Der Innenminister räumte Sicherheitslücken im Luftfrachtverkehr ein und kündigte Konsequenzen an. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass das Bundeskriminalamt den entscheidenden Hinweis für den Bombenfund auf dem britischen Flughafen East Midlands gegeben habe. De Maizière sagte eine für Sonntag geplante Nahost-Reise ab, um sich der Terrorgefahr zu widmen.

    Auch in Dubai war ein Sprengstoffpaket aus dem Jemen gefunden worden. De Maizière sprach von «einem größeren abgestimmten Vorgehen». Das in Großbritannien gefundene Paket war in die USA unterwegs. Die Transportroute führte aber über den Flughafen Köln/Bonn.

    Der deutschen Öffentlichkeit wurde das erst am Samstagabend bekannt gegeben. De Maizière begründete das damit, dass erst relativ spät festgestanden habe, dass es sich tatsächlich um Sprengstoff handelte. «Die ersten Meldungen über den Inhalt dieses Pakets waren eine Entwarnung.»

    Der Innenminister geht davon aus, dass die Terroristen die Route des Bombenpakets nicht vorhersehen konnten. Bei Luftfracht sei der Transportweg nicht immer von vornherein klar. De Maizière räumte aber ein, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei der Luftfracht unzureichend seien. «Die Luftfracht wurde bisher relativ wenig kontrolliert.» Es habe wenig Hinweise darauf gegeben, dass es Anschläge über die Luftfracht geben könnte. «Dies ist ein neuer Vorgang.»

    International habe es eine sehr starke Konzentration auf die Kontrolle des Personenverkehrs gegeben. «Das ist offenbar jetzt erkannt und ausgenutzt worden, und das muss Konsequenzen haben für den Frachtflugverkehr.» Er werde sich die möglichen Schwachstellen sehr genau anschauen und sich auf einem der großen Frachtflughäfen in den nächsten Tagen selbst ein Bild von der Lage machen, sagte der Minister.

    Als erste Konsequenz wurde in Abstimmung mit der USA, Großbritannien und Frankreich der Frachtverkehr aus dem Jemen gestoppt. Die noch in Deutschland lagernden Pakete aus dem südarabischen Land wurden verstärkt überprüft.

    Obwohl das Paket erst nach der Zwischenlandung in Köln entdeckt wurde, verbuchte de Maizière den Bombenfund in England als deutschen Ermittlungserfolg. Der entscheidende Hinweis kam nach seiner Darstellung vom Bundeskriminalamt. Die deutschen Sicherheitsbehörden hätten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag «von einem befreundeten Dienst» den Hinweis bekommen, dass in an die USA gerichteten Paketen Sprengstoff sei. Das Bundeskriminalamt habe dann sofort die Ermittlungen aufgenommen, die Nummer des Pakets ermittelt und an die britischen Behörden weitergegeben. «Durch diese schnelle Ermittlungsarbeit konnte Großbritannien diese Pakete aufklären, ermitteln, sicherstellen.»

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