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    BerlinStuttgart 21: Volkszorn organisiert sich im Netz

    Der Zorn über Stuttgart 21 bricht sich auch im Netz Bahn. Auf Twitter, Facebook und in diversen Blogs wird seit Tagen kommentiert und informiert. Dort machen die Menschen ihrem Unmut über das Milliarden-Bahnprojekt Luft, verlinken Videos vom harten Einsatz der Polizei und rufen zu weiteren Protesten in vielen deutschen Städten auf. Manche suchen im Netz sogar nach Mitfahrgelegenheiten zu den Demonstrationen.

    «Wir wollen, dass Bilder unzensiert ins Netz kommen und für jeden zu sehen sind», sagt Tilo Emmert. Der 39-Jährige betreibt seit einer Woche die Website CamS21.de. Gegner des Bauprojekts schicken ihm ihre Videos von den Demos, die er dann auf seine Seite stellt. Am Mittwoch zählte er knapp 20 000 Besucher. «Sie waren live dabei, als die Wasserwerfer der Polizei sich ihren Weg durch die Menge bahnten.»

    Hinter CamS21 stehen acht Privatleute, die sich untereinander nicht einmal alle kennen. «Die Berichterstattung der letzten Wochen über Stuttgart 21 war gefühlt zensiert», so begründet Emmert ihr Engagement. Auf Twitter hatte er seine Idee bekanntgemacht. Emmert filmt auch selbst mit der Webcam seines Laptops, gehüllt in eine Plastiktüte. «Resonanz? Ist gut», sagt er. Die Kommentare im Netz zeigen: «Die Menschen fühlen Trauer, Wut, Hilfslosigkeit und Ohnmacht.» Es gehe schon lange nicht mehr nur um das Projekt. «Den Menschen wird nicht zugehört, dass macht sie furchtbar wütend.»

    «Bilder wie aus dem Iran», schreibt ein Nutzer namens okflo auf Twitter. Diesen Vergleich findet Emmert unpassend. «Das hier ist etwas ganz anderes. Bei uns geht es nicht um Leben und Tod, uns geht es um Demokratie», sagt er. «Vielleicht erinnern die Bilder aus Stuttgart an die aus dem Iran, aber sie sind ganz anders motiviert.»

    Das Internet dient den Protestierenden auch als Organisationsplattform. «Kommt in den schlosspark - jetzt oder nie!», schreibt zum Beispiel ein Nutzer namens aleks_be auf Twitter. «Aber nicht alle sind aktivierbar. Bei den Aktionen kann man nur mit einem Bruchteil von ihnen rechnen», warnt Fritz Milert vom Blog bei-abriss- aufstand.de, an dem rund 20 Autoren beteiligt sind. «Ohne das Netz wären wir aber längst nicht so schnell», sagt der 31-Jährige. Auf seinem Blog werden Infos über geplante Aktionen verbreitet. Schon Gerüchte landen auf der Seite, werden aber auch als solche markiert.

    Die Protestseite www.parkschuetzer.de zählte allein im September 250 000 Besucher, sagte Webmaster Manuel Haeckel (26). 28 000 von ihnen haben sich als dort als «Parkschützer» registriert. In brenzligen Situationen, wie etwa am Donnerstag im Schlosspark, wird ein Teil von ihnen auch per Kurznachricht benachrichtigt. «Wenn wir sie über SMS informieren, reagieren die Leute ziemlich schnell», sagt Haeckel. Rund 6000 Menschen stehen in seinem SMS-Verteiler.

    Die Solidarität im Netz scheint groß zu sein. Unter dem Stichwort «#S21» finden sich auf Twitter zahllose Kommentare. So schreibt etwa JohnnyThan: «Wir stehen mit dem Herzen hinter euch ... Dank Live Cam und #Twitter folgen wir euch.» Einige wenige Twitterer sehen das allerdings anders, etwa Salzig2010: «Ich kann das Mitleidsgetue der s21-Gegner nicht mehr hören!!!!», schreibt er. «Ihr seid so arm dran.... ja, aber ihr seid selbst dran Schuld!!!!»

    Protest-Website

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    Livecams

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