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    Frankfurt/Main

    Report: Nur die Geduld ist nicht annulliert

    Am zweiten Tag des Flugverbots über Deutschland ist am Frankfurter Flughafen das Chaos der Ruhe gewichen: «Wir sitzen das aus», sagt Vera Frank. Sie ist mit ihrer Familie auf dem Weg in den Bali-Urlaub in Frankfurt gestrandet.

    Warten
    Von Kopf bis Fuß in Decken gewickelt warten gestrandete Passagiere auf eine mögliche Wiederaufnahme des Flugverkehrs.

    Die Nacht zum Samstag hat sie wie 850 andere Passagiere auf einem jener Feldbetten verbracht, die der Flughafenbetreiber Fraport aufstellen ließ. Vera Frank und alle anderen Passagiere vertreiben sich nun, was auf dem hektischen Frankfurter Flughafen sonst niemand hat: Zeit.

    Vera Frank spielt mit ihrer Familie eine Würfelspiel-Runde nach der anderen. Ebenso geduldig stehen am Samstag wieder Hunderte Reisende an den Schaltern. Drängeln ist sinnlos. «Es geht nichts bis 14 Uhr und danach wissen wir auch nichts», sagt eine Mitarbeiterin. Noch hängt die Vulkanasche über Deutschland. Um neun Uhr erklärt die Lufthansa, bis 20 Uhr hebe keine ihrer Maschinen ab. Da wird der Andrang am Bahnhof noch größer: Über 50 Meter misst hier die Schlange. Bei den Mietwagenfirmen gibt es weiter kaum ein Auto.

    Neben Fernreisenden ohne Alternative zum Flugzeug sind über Nacht jene am Flughafen geblieben, die hier nur umsteigen wollten. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport warten am Samstagmorgen etwa 1200 Menschen in der Transitzone. Viele von ihnen haben kein Visum für Deutschland. Fraport-Mitarbeiter bringen Trinken, Essen, Decken und Waschzeug.

    Die gestrandete Vera Frank und ihre Familie wollten dagegen in ein Hotel. Doch als sie freie Betten gefunden hatten, vervierfachte der Hotelier wegen der großen Nachfrage seine Preise. «Frankfurt ist eine Weltstadt ohne Herz», sagt Frank. Sie zog das kostenlose Feldbett vor - und will warten. Die Familie von Nadine Mayer aus der Nähe von Darmstadt hat ihren Traumurlaub dagegen aufgegeben. «Wir verpassen unsere Karibik-Kreuzfahrt», sagt sie müde. «Wir fahren jetzt nach Hause, das war es mit unserem Urlaub.»

    Wer trotz allem ausharrt, der entdeckt an Deutschlands größtem Flughafen eine neue Langsamkeit: Nicht eine Durchsage mahnt verspätete Passagiere, draußen dröhnen keine Triebwerke. In den Cafés unterhalten sich Geschäftsleute, als hätten sie alle Zeit der Welt. «So ruhig war es hier noch nie», sagt einer, bevor er sich noch einen Kaffee ordert.

    Manuela und Michael Schoop aus dem nordrhein-westfälischen Ahlen überlegen dagegen am Samstag, ob sie ihre Reise nach Asien abbrechen, bevor sie richtig begonnen hat. Noch immer zeigen alle Anzeigetafeln nur eines: annulliert. Michaela Schopp zeigt dennoch Verständnis für das Flugverbot: «Wir wollen in den Urlaub, aber abstürzen wollen wir auch nicht.»

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