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    Kairo

    Report: Mubarak-Gegner weichen nicht

    An kleinen Feuern sitzen in den frühen Morgenstunden die müden Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Die Hitze reicht kaum aus, um die Hände zu wärmen. Einst bildeten Grünflächen und Springbrunnen den Mittelpunkt des «Befreiungsplatzes» im Herzen Kairos.

    Proteste in Kairo
    Demonstranten protestieren auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Tausende Demonstranten übernachteten auf dem Platz. Es kam zu keinen größeren Auseinandersetzungen.

    Mit den Protesten gegen das Mubarak-Regime entstand auf der Fläche nahe des ägyptischen Museums eine kleine Zeltstadt, in der sich ein harter Kern von Dauerdemonstranten eingerichtet hat - nur wenige Meter entfernt von selbstgebauten Barrikaden und Stacheldraht-Barrieren der Armee.

    Die meisten Protestierenden kommen und gehen, wie es ihnen am besten passt. Viele bringen Trinkwasser und Lebensmittel mit. Aber auch Kleinhändler mischen sich unter das Volk der Mubarak-Gegner. Von der Plattform seines dreirädrigen Mopeds werden Datteln verkauft, Zeitungsausträger bieten die Morgenausgaben der regierungskritischen Blätter «Al-Masri Al-Youm» und «Al-Shourouk» an. Die Nachwuchs-Schauspielerin Mona Halal verteilt Brotfladen und Orangen. Vielen Demonstranten ist sie wegen ihrer Darstellung kämpferischer Frauencharaktere in ägyptischen Fernsehserien bekannt.

    «Wir kämpfen hier für die Freiheit, für eine bessere Zukunft dieses Landes», erklärt die in Wien aufgewachsene Halb-Österreicherin in akzentfreiem Deutsch. Einige Umstehende werfen ein, dass sie doch sehr reich sei und ein gutes Leben in der Nobel-Vorstadt Heliopolis habe. «So reich bin ich nun auch wieder nicht», entgegnet die Schauspielerin. «Und ich leide genauso unter der schrecklichen Bürokratie, unter dem ärmlichen Gesundheitswesen wie ihr. In dieser Hinsicht sind wir alle gleich.»

    In der Zeltstadt unweit von dieser Szene lebt seit Beginn der Proteste der 24-jährige Ahmed Sami. Mit sechs anderen Demonstranten teilt er sich ein blaues, anderthalb Quadratmeter großes Zelt. Er und seine neuen Freunde sind guter Dinge. «Mubarak ist töricht, wenn er glaubt, dass wir hier weggehen, bevor unsere Forderungen erfüllt sind», gibt er sich entschlossen. «Das ganze Land steht hinter uns.»

    Sami hat sein Studium gerade beendet, kann aber keinen Job finden. Auch das trägt zum Beharrungsvermögen vieler Dauerdemonstranten bei. Oder wie es Sami formuliert: «So gesehen habe ich alle Zeit der Welt.»

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