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    Berlin

    Porträt: Norbert Lammert – ein anerkannter Querkopf

    Als souveräner und mitunter auch widerborstiger Bundestagspräsident hat sich Norbert Lammert (61) Anerkennung über die Parteigrenzen hinaus verschafft.

    Mehr als einmal fuhr der CDU- Politiker aus dem einflussreichen Landesverband Nordrhein-Westfalen Kanzlerin Angela Merkel in die Parade. So stimmte der zweite Mann im Staate Ende 2009 gegen die umstrittene Hotel-Steuerentlastung. Sollte er Bundespräsident werden, dürfte er für die Kanzlerin unbequem bleiben.

    Wiederholt hat der gebürtige Bochumer durchblicken lassen, dass er dem Parlament mehr Selbstbewusstsein geben und es vom Druck angeblicher Sachzwänge befreien will. Auch deshalb meldete Lammert zuletzt Vorbehalte gegen den Euro-Rettungsschirm an und votierte in einer Probeabstimmung gegen das Griechenlandhilfe-Gesetz. Im Plenum stimmte er den Gesetzen letztlich doch zu, um den Bogen nicht ganz zu überspannen.

    Den Unmut des eigenen Anhangs zog sich der Ende Oktober 2009 mit einem deutlichen Vertrauensbeweis im Amt bestätigte Parlamentschef noch bei anderen Gelegenheiten zu. So ließ er im Frühjahr kein gutes Haar an der schwarz-gelben Koalition und deren Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Beide Seiten verbinde bestenfalls der Ehrgeiz, «ihre jeweiligen Steckenpferde in Stellung zu bringen», brachte er seine Negativ-Eindrücke auf den Punkt.

    Der promovierte Sozialwissenschaftler ist bekannt für seinen guten Humor und seine Fähigkeiten als Strippenzieher. Lammert gilt als ausgewiesener Kulturexperte.

    Seine parteiinterne Karriere bestritt er über die klassische Ochsentour. Schon als Schüler trat Lammert der CDU bei, nachdem er zuvor in der Jungen Union aktiv war. 1975 wurde er Ratsherr in Bochum, bis ihm fünf Jahre später der Wechsel in den Bundestag gelang. Lammert ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Fußballfan liebt nach eigenen Angaben schöne Bücher und gute Argumente.

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