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    Berlin

    Motivationstrainer zu FDP: «Soll man ein totes Pferd reiten?»

    Historische Schlappe mit 1,2 Prozent bei der Saarland-Wahl, bei fünf Prozent dümpelnde Umfragewerte und schlechte Prognosen für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen: Die FDP hat schon bessere Zeiten gesehen.

    Trotzdem stehen derzeit in vielen Städten die Wahlkämpfer der Freidemokraten auf den Straßen. Doch wie wirbt man für eine Partei, an die keiner mehr zu glauben scheint? Der Diplompsychologe und Motivationsexperte Rolf Schmiel (38) erklärt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, wie man selbst bei düsteren Aussichten noch motiviert sein kann - und wann man sich besser zurückziehen sollte.

    Die FDP verliert eine Wahl nach der anderen und steckt seit Monaten im Umfragetief - Wie können sich Wahlhelfer da motivieren?

    Schmiel: «Motivation ist immer dann möglich, wenn Menschen für eine Sache kämpfen, hinter der sie stehen. Dann machen Rückschläge nicht viel aus. Schwierig wird es aber, wenn man für etwas kämpfen soll, für das man nicht einsteht. Und viele FDP-Mitglieder und Anhänger waren von manchen Entwicklungen in der Partei hochgradig enttäuscht, etwa dem Verhalten der Führungsspitze. Wenn man das Gefühl hat, manchen in der Partei geht es weniger um die Gestaltung von Inhalten als darum, sich selber zu profilieren oder seine Position zu festigen, führt das auch bei den Wählern zu Abneigung. Das macht es den Leuten an der Basis schwer, die Partei zu verkaufen. Daraus entsteht ein Motivationskonflikt.»

    Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

    Schmiel: «Da muss man sich eine ganz klare Frage stellen: Soll man ein totes Pferd reiten? Es gibt Situationen, wo man besser absteigt. Und wenn ein FDP-Mitglied sich selber in der Partei nicht mehr wiederfindet, ist es wichtiger, klar Position zu beziehen, als einen gequälten Wahlkampf zu machen und im Nachhinein doppelt frustriert zu sein. Wenn man aber von der eigenen Partei überzeugt ist, dann sollte einen nicht die Prozentzahl interessieren, die man gewinnt, sondern einfach nur das Vermitteln der Botschaft. Menschen, die topmotiviert sind, geht es nicht um den kurzfristigen Erfolg, sondern um das Einstehen für eine Sache.»

    Wie können die Wahlhelfer, die fest an die FDP glauben, andere Menschen von einer im Umfragetief steckenden Partei überzeugen?

    Schmiel: «Wichtig ist, sich vom Tagesgeschehen nicht so sehr beeinflussen zu lassen und notfalls mit Scheuklappen in diese Zeit zu gehen. Ein FDP-Mitglied, das andere begeistern möchte, sollte die Idee des Liberalismus vermitteln und zeigen, dass diese Vision ihn antreibt. Wenn man andere begeistern will, muss man selbst begeistert sein. Die Wahlkämpfer können zwar eingestehen, dass die Partei Fehler gemacht hat, aber sie sollten sich nicht auf eine Diskussion dieser negativen Aspekte beschränken, da können sie nur verlieren.»

    Können unmotivierte Parteien und Politiker überhaupt Wahlen gewinnen?

    Schmiel: «Ein Problem in der deutschen Politik ist, dass die wenigsten die Arbeit aus einer tiefgehenden Begeisterung heraus machen, sondern von anderen Motiven, etwa finanziellen, getrieben werden. Sobald nicht die Idee Triebkraft ist, gibt es keine Ausstrahlung. Und ohne Ausstrahlung gibt es keine Anziehung. Wähler gehen auf Distanz, wenn sie spüren, dass die Motive des Handelns nicht dem entsprechen, was man nach außen vorgibt.

    Homepage Rolf Schmiel

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