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Berlin

Hintergrund: Die türkische Untergrundgruppe Ergenekon

dpa

Die türkische Generalstaatsanwaltschaft stuft die ultranationalistische Untergrundgruppe «Ergenekon» als terroristische Vereinigung ein.

Vor dem Urteil
Türkische Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Silivri bei Istanbul.
Foto: Tolga Bozoglu – DPA

Zu den Mitgliedern des als Staat im Staate bezeichneten Geheimbundes sollen frühere Offiziere, Anwälte und Journalisten gehören. Sie streben den Anschuldigungen zufolge eine Wiedererrichtung des Großtürkischen Reiches an. Der Name «Ergenekon» geht auf ein sagenhaftes Tal zurück, in dem die Turkvölker der Legende nach einst Zuflucht fanden. Seit Jahrzehnten wird der nationale Mythos politisch instrumentalisiert.

Der Gruppe wird vorgeworfen, einen Putsch gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geplant und Anschläge verübt zu haben. Der Geheimbund soll zwölf Spezialeinheiten für die Ausführung von Attentaten zusammengestellt haben. «Ergenekon» steht im Verdacht, sich auch über mafiöse Geschäfte und den Drogenhandel zu finanzieren.

Die Justiz geht seit 2007 gegen «Ergenekon» vor. Insgesamt wurden mehr als 400 Menschen festgenommen. In einem seit fünf Jahren laufenden Prozess sind 275 Verdächtige angeklagt, darunter ranghohe Militärs wie der frühere Generalstabschef Ilker Basbug. 64 der Beschuldigten droht wegen der Vorbereitung eines bewaffneten Umsturzversuchs lebenslange Haft. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) wirft der Regierung vor, den «Ergenekon»-Fall für eine Abrechnung mit ihren Gegnern zu missbrauchen.

Konrad Adenauer Stiftung zu «Ergenekon»

Heinrich Böll Stiftung zu «Ergenekon»

Amnesty International zu «Ergenekon»

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