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    Berlin

    Große Mehrheit hält Gauck für glaubwürdig

    Joachim Gauck geht mit großem Vertrauensvorschuss der Bürger und Parteien in die Wahl zum Bundespräsidenten. Das voraussichtliche neue Staatsoberhaupt halten 80 Prozent der Deutschen für glaubwürdig, wie eine Umfrage für die ARD-Sendung «Günther Jauch» ergab.

    Fraktionssitzung CDU/CSU
    Vor der Wahl des Bundespräsidenten unterhält sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Kandidaten für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck (r).
    Foto: Rainer Jensen - DPA

    Gut ein Drittel (37 Prozent) weiß aber noch nicht, wofür der 72-Jährige steht. Neben dem großen Thema der Freiheit wird von Gauck erwartet, zu anderen Fragen wie dem Euro oder dem Rechtsextremismus Position zu beziehen. Die Wahl des von Union, FDP, SPD und Grünen gestützten Kandidaten an diesem Sonntag in der Bundesversammlung gilt als sicher. Für die Linke kandidiert die Nazijägerin Beate Klarsfeld.

    Die Bundesversammlung tritt um 12.00 Uhr im Reichstagsgebäude in Berlin zusammen. Zuvor gibt es einen ökumenischen Gottesdienst. Von seinem Leben als normaler Bürger nimmt Gauck nach eigenen Worten mit «sehr gemischten Gefühlen» Abschied. «Ich kann Ihnen die nicht beschreiben», sagte er am Samstag auf Journalistenfragen vor kurzen Besuchen bei Fraktionen der Bundesversammlung.

    In die Sitzung der Union wurde Gauck von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) begleitet. Vor den Delegierten sprach der Theologe nach Teilnehmerangaben über Freiheit, aber auch über Europa. Hier dürfe in der Politik «nicht der Rechenstift der letzte Kompass sein», habe Gauck gesagt und in diesem Sinne an Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) erinnert. Außerdem meinte Gauck: «Unsere verspätete Nähe hat ja doch zu einem tollen Ergebnis geführt.» Bei der Wahl 2010 hatte die Union gegen Gauck und für den im Februar zurückgetretenen Christian Wulff gestimmt.

    SPD-Fraktionschef Fran-Walter Steinmeier sagte, er freue sich über die große Zustimmung für den von Rot-Grün vorgeschlagenen Kandidaten. Gauck werde ein Bundespräsident sein, «an dem sich viele reiben werden», manchmal auch die SPD. «Aber gerade deshalb ist es der richtige Präsident.»

    Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte, er sei zuversichtlich, dass Gauck eine breite Mehrheit bekomme. «Das ist eine große Ermunterung, diese nicht leichte Aufgabe zu übernehmen». FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, Gauck werde «unserem Land gut tun». Er sei integer, überzeugend und glaubwürdig. Die Liberalen hatten Gauck gegen Widerstand der Union in der Koalition durchgesetzt.

    Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, rechnet mit einem Eintreten Gaucks für Toleranz und gegen Rechtsextremismus. «Ich bin zuversichtlich, dass sich der künftige Bundespräsident klar für die freiheitliche Demokratie, gegen Diskriminierung und Antisemitismus positionieren sowie ein Engagement des Herzens für das Existenzrecht und die Sicherheit Israels zeigen wird», sagte er «Handelsblatt Online».

    In Reden solle sich Gauck vordringlich mit den Themen Freiheit und Familie beschäftigen, wünschen sich laut einer Umfrage für das Magazin «Focus» je 76 Prozent der Befragten. 65 Prozent erwarten ein Worte zur Bekämpfung der EU-Finanzkrise, 51 Prozent zur Vollendung der Einheit. 49 Prozent hoffen, dass Gauck sich zum Thema Afghanistan positioniert. Befragt wurden vom Institut Emnid 1005 Menschen.

    Zur Linke-Kandidatin Klarsfeld sagte Brüderle, sie verdiene als Person vom Lebensweg her auch eine Reputation. Sie sei aber nicht die Kandidatin der FDP. Kauder sagte: «Ich halte es für ausgesprochen peinlich, was die Linke da aufgeboten hat.»

    Altbundespräsident Roman Herzog sprach sich unterdessen dafür aus, die Amtszeit des Staatsoberhaupts neu zu regeln. «Eine Begrenzung auf eine siebenjährige Amtszeit, also keine Möglichkeit der Wiederwahl, wäre besser», sagte er der Zeitung «Die Welt» (Samstag). Derzeit kann ein Präsident nach fünf Jahren einmal wiedergewählt werden. «Wenn die ersten fünf Jahre gut laufen, erwartet das Volk von den zweiten fünf Jahren Wunderdinge. Sie können aber keine Wunder produzieren.»

    Voraussichtlich an diesem Montag soll Gauck als Nachfolger des vor vier Wochen zurückgetretenen Wulff in sein Amt eingeführt werden. Die Vereidigung ist für kommenden Freitag vorgesehen.

    Informationen zum Amt

    Bundesversammlung

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    Aufgaben des Bundespräsidenten

    Biografie Joachim Gauck

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