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    Berlin

    Gewitter verursachen Schäden im Westen und Norden

    Schwere Gewitter haben im Westen und Norden Deutschlands am Montag schwere Schäden verursacht. Der Bahnverkehr auf wichtigen Strecken in Nordrhein-Westfalen wurde fast vollständig zum Erliegen gebracht.

    Mehrere Menschen wurden verletzt. Über die Helgoländer Düne, eine vorgelagerte Badeinsel von Helgoland, wirbelte ein Tornado. Auch hier wurden sechs Menschen leicht und zwei schwer verletzt, wie Tourismusdirektor Klaus Furtmeier der dpa mitteilte.

    Von «massiven Störungen» wegen Blitzeinschlägen und Bäumen auf der Strecke berichtete ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Betroffen seien der Fern- und Nahverkehr sowie alle S-Bahnlinien im Bereich Rhein- Ruhr. Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen die Reisenden am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge. «Zur Dauer der Störungen können wir noch keine Angaben machen», teilte die Bahn mit.

    Sturmtief «Norina» fegte mit teils orkanartigen Sturmböen über Nordrhein-Westfalen hinweg. Dachziegel flogen durch die Luft, Bäume knickten um, Starkregen setzte Straßen unter Wasser. Allein in Aachen wurden acht Menschen leicht verletzt. In Mönchengladbach wurde eine Schulklasse während eines Ausflugs in einem Park von dem Unwetter überrascht. Vier Kinder wurden durch herabfallende Äste leicht verletzt.

    Auf der Helgoländer Düne wurde der Campingplatz von dem Tornado völlig verwüstet. Augenzeugen berichteten von umgestürzten Flugzeugen auf dem kleinen Flugplatz. «Wir müssen jetzt erstmal alle Menschen von der Düne runterholen», sagte Tourismusdirektor Furtmeier. Augenzeugen hatten eine aufziehende «schwarze Wand» gesehen, bevor das Unwetter losbrach. Die Hauptinsel blieb verschont.

    Auch in Baden-Württemberg kam es zu heftigen Gewittern. In Waldkirch in Südbaden wurde die längste Röhrenrutschbahn Europas von umstürzenden Bäumen zerstört.

    Dem Sturmtief «Norina», das sich in Richtung Nordosten bewegte, folgt ab Mittwoch wieder ein Anstieg der Tagestemperaturen auf 29 Grad im äußersten Norden und 36 Grad im Süden. Ein Ende der Hitzewelle sei nicht in Sicht, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold am Montag in Offenbach - «im Gegenteil, am kommenden Wochenende gibt es wieder ein Maximum». Sobald die Sonne weg ist, beginnen Tropennächte mit Temperaturen von mehr als 20 Grad. Es wird zunehmend schwül.

    Die Durchschnittstemperatur der ersten elf Julitage lag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bei 22,1 Grad und damit gut fünf Grad über dem langjährigen Mittel. «Vermutlich wird der gesamte Juli deutlich zu warm ausfallen», sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Die bisher höchste Durchschnittstemperatur in einem Juli wurde vor vier Jahren mit 22,0 Grad gemessen. Die Naturschutzorganisation WWF wies auf neue Daten der NASA hin, wonach bereits die ersten sechs Monate die wärmste erste Jahreshälfte seit 130 Jahren waren.

    Unterdessen nahmen Bundespolizei und Eisenbahn-Bundesamt nach dem massiven Ausfall von Klimaanlagen in Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn Untersuchungen auf. Unter die Lupe kommt auch ein ICE, in dem neun Schüler einen Hitzekollaps erlitten. Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelte das Krisenmanagement des Unternehmens. Eine Generalüberholung der 15 Jahre alten Züge vom Typ ICE 2 sei dringend erforderlich.

    Auf den Straßen gibt es ebenfalls Probleme. So bildeten sich auf der A20 bei Rostock Blasen im Asphalt. Betonplatten verschoben sich auf der A7 bei Seesen in Niedersachsen. Bei einem Tempolimit von 40 Stundenkilometern musste der Verkehr an diesen Stellen mehrere Tage auf den Standstreifen umgeleitet werden.

    Die Hitze macht auch der Landwirtschaft zu schaffen. Der Deutsche Bauernverband wies am Montag darauf hin, dass es auf den Getreidefeldern bundesweit Anzeichen für eine sogenannte Notreife gebe - die Körner in den Ähren bleiben dann wesentlich kleiner. Mit durchschnittlich zwölf Litern Regen pro Quadratmeter war das erste Juli-Drittel in ganz Deutschland auch viel zu trocken. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte, auch in der EU werde die Ernte geringer ausfallen als im Vorjahr.

    Auf der Elbe haben die Schiffe immer weniger Wasser unterm Kiel: Statt der üblichen zwei Meter wurde in Dresden ein Pegelstand von 85 Zentimetern gemessen.

    Mit Trockenheit und Hitze nimmt die Waldbrandgefahr zu. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Teltow-Fläming) standen die Bäume auf einer Fläche von rund 100 Hektar teilweise bis zu den Wipfeln in Flammen, wie der Leiter der Oberförsterei Jüterbog, Norbert Schurk, mitteilte. Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen alter Munition äußerst schwierig.

    Bei Temperaturen von 35 bis 38 Grad herrschte in Berlin ein Klima wie sonst nur in den Hauptstädten südeuropäischer Länder. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit rief die Berliner auf, besonders auf alte Menschen und Kinder zu achten und sie vor zu viel Hitze und Anstrengung zu schützen.

    Unwetterzentrale

    Mitteilung Bahn

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