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    Kabul/Berlin

    Gefallener Soldat gehörte zur Elitetruppe KSK

    Erstmals seit fast zwei Jahren ist wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet worden. Der Elitesoldat kam beim Beschuss durch Aufständische ums Leben.

    Pressekonferenz de Maiziere und Fritz
    Verteidigungsminister de Maiziere und Generalleutnant Hans-Werner Fritz (l), Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, informieren über den Tod eines Soldaten in Afghanistan.
    Foto: Han - DPA

    Ein weiterer deutscher Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) wurde bei dem Angriff am Samstag in Nordafghanistan verwundet, wie die Bundeswehr am Sonntag mitteilte. «Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist», sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Er zeigte sich erschüttert. «Ich bin unendlich traurig.» Kanzlerin Angela Merkel nahm die Nachricht «mit Trauer und Betroffenheit» auf, Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich bestürzt.

    Außer dem Deutschen wurden am Samstag sieben US-Soldaten in Afghanistan getötet. Für die Internationale Schutztruppe Isaf war es der verlustreichste Tag seit Jahresbeginn. De Maizière sagte dazu: «Das war ein bitterer, ein blutiger Tag in Afghanistan. Wir werden ihn nicht vergessen.»

    Die Bundeswehr teilte mit, die KSK-Soldaten hätten einen afghanische Einsatz unterstützt. Die Sicherheitskräfte seien bei einer Operation in der Provinz Baghlan unter Beschuss geraten und hätten Luftunterstützung angefordert. Bei der späteren Erkundung der Schäden durch das Bombardement seien die deutschen Soldaten und afghanische Polizisten erneut beschossen worden. «Dabei wurden ein deutscher Soldat getötet und ein deutscher Soldat verwundet.» Der Verwundete ist nach Angaben de Maizières außer Lebensgefahr.

    Der Afghanistan-Einsatz kostete bislang 53 Bundeswehr-Soldaten das Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Über die Aktivitäten des KSK in Afghanistan ist nur wenig bekannt. Die Operationen der Kommandosoldaten werden geheim gehalten.

    Zu einem weiteren Zwischenfall kam es in der Nacht zum Sonntag. Aufständische beschossen zwei Bundeswehr-Hubschrauber in Afghanistan, niemand sei verletzt worden, teilte die Bundeswehr mit. Aufständische hätten die Hubschrauber, die von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Hauptstadt Kabul unterwegs waren, mit Flugabwehr- und Handfeuerwaffen angegriffen.

    De Maizière sagte zum Tod des Soldaten: «Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht.» Die Bundeswehr und ganz Deutschland trauerten um den Gefallenen. Der Angriff werde an der Strategie der Bundeswehr in Afghanistan aber nichts ändern. «Der Weg bleibt richtig», sagte der Minister. Das gelte auch für die geplante Truppenpräsenz nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014. «Wir lassen das afghanische Volk nicht im Stich.»

    Kanzlerin Merkel war bestürzt über den Tod des deutschen Soldaten und die Verletzung eines Kameraden. «Ihre tiefe Anteilnahme gilt den Angehörigen», teilte das Bundespresseamt am Sonntagnachmittag mit. Dem verletzten Soldaten wünsche die Bundeskanzlerin eine vollständige und rasche Genesung. Den deutschen Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten sei für ihren schweren und oft gefährlichen Einsatz in Afghanistan zu danken. «Sie tragen damit erfolgreich zu unserer Sicherheit und zu einem stabileren Afghanistan bei», heißt es weiter in der Mitteilung.

    Die Gedanken des Bundespräsidenten seien bei der Familie und den Kameraden des Toten, sagte Gaucks Sprecherin am Sonntag in Berlin. Nach Ansicht des Bundespräsidenten zeigt der Angriff, dass der Einsatz in Afghanistan nach wie vor sehr gefährlich sei. Gauck hatte sich im Dezember bei einem Besuch der deutschen Soldaten selbst ein Bild von der Lage in Afghanistan gemacht.

    Außenminister Guido Westerwelle sprach auf dem FDP-Parteitag in Nürnberg von einem «schweren Rückschlag für unseren Einsatz.» Trotzdem bleibe es beim vorgesehenen Zeitplan, die deutschen Kampftruppen bis Ende 2014 abzuziehen und den afghanischen Sicherheitskräften die Verantwortung zu überlassen. «Wir werden dem Terror und den Terroristen nicht nachgeben.» Die Gewalt in Afghanistan hat wieder zugenommen. Am Sonntag vergangener Woche riefen die Taliban den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive aus.

    Die Bundeswehr teilte mit, zu Verlusten unter den afghanischen Polizisten, die bei der Operation von den KSK-Soldaten unterstützt wurden, lägen «keine abschließenden Informationen» vor. «Vermutlich wurden mehrere Aufständische getötet. Zivilpersonen kamen nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden.»

    Bei einem Sprengstoffanschlag in der südafghanischen Provinz Kandahar wurden am Samstag fünf US-Soldaten getötet. Ebenfalls am Samstag erschoss ein afghanischer Soldat in der westafghanischen Provinz Farah zwei seiner amerikanischen Ausbilder. Auch der Attentäter wurde getötet. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe Streit zwischen den Soldaten gegeben. Die Taliban teilten dagegen mit, der Attentäter sei einer ihrer Schläfer gewesen.

    De Maizière dementierte eine Meldung der Taliban, nach der in der Provinz Kundus deutsche Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden sein sollen. Mitteilungen der Taliban sind notorisch unzuverlässig.

    Am vergangenen Donnerstag war erstmals seit längerer Zeit wieder ein Sprengstoffanschlag auf die Bundeswehrtruppen in Nordafghanistan verübt worden. Bei dem Anschlag in der Provinz Kundus war kein Soldat verletzt worden.

    Bundeswehr zu Angriff

    Bundeswehr in Afghanistan

    Fortschrittabericht Afghanistan der Bundesregierung

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