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    Duisburg

    Analyse: Wer ist Schuld?

    Die Pressestelle der Stadt Duisburg ist praktisch abgetaucht, die Homepage von CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Netz abgestellt.

    Zwei Tage nach der katastrophal gescheiterten Loveparade geht auf die Verantwortlichen ein Trommelfeuer der Kritik mit Rücktrittsforderungen und teils wüsten persönlichen Drohungen nieder. Von der Stadt war dazu den ganzen Montag über kaum ein Lebenszeichen zu hören. Am Nachmittag meldete sich dann der OB mit einer persönlichen Erklärung und äußerte Verständnis für Rücktrittsforderungen. Viele rechnen damit, dass er nicht mehr lange im Amt bleibt.

    Ein verhängnisvolles Zusammenwirken von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, sah der renommierte Konzertveranstalter Marek Lieberberg. Der Veranstalter sei weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage gewesen, auf Notsituationen zu reagieren, so die harsche Kritik. Auch vom Veranstalter Lopavent kam darauf bis zum Abend keine Antwort. Seine Homepage hatte das Unternehmen schon am Vortag abgeschaltet.

    Für die Öffentlichkeit steht praktisch fest: Bei der Planung der Großveranstaltung für Hunderttausende mit nur einem Flucht- und Zugangsweg - obendrein durch einen nur 3,80 Meter hohen Tunnel - sind gravierende Fehler gemacht worden. Und es gab durchaus warnende Stimmen, auf die aber niemand hörte.

    Zu den Skeptikern zählte etwa die frühere Leiterin des Duisburger Bauordnungsamtes. Sie soll sich schon im März dieses Jahres geweigert haben, die Genehmigung für das Riesenfest zu unterschreiben. Danach sei sie versetzt worden, erzählen Insider, die aber nicht zitiert werden möchten.

    Die stark überschuldete Stahlstadt wollte unbedingt den Imageerfolg der Raveparty mit glücklichen jungen Menschen - dafür wurde auch politischer Druck ausgeübt: Als im Herbst 2008 in den Sitzungen der Fachleute ein Polizeivertreter Zweifel anmeldete, ob Duisburg überhaupt ein geeignetes Gelände besitze, schaltete sich der damalige Duisburger CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg ein. Er drängte Anfang Februar in einem Brief an den damaligen FDP- Innenminister Ingo Wolf sogar auf eine Ablösung des Polizeipräsidenten.

    In das Bild passt der von der Stadt nicht dementierte Bericht von «Spiegel Online», dass die Duisburger Bauaufsicht nur wenige Tage vor der Loveparade die Sicherheitsauflagen zu den Fluchtwegen gelockert haben soll. Nach dem Bericht gab es ein eigenes Sicherheitskonzept von Polizei und Feuerwehr - es wurde als zu personalaufwendig verworfen. «Viele Verantwortliche waren gegen die Pläne für die Loveparade - nur nicht der OB», sagt der Insider.

    /infoline/thema/montag/
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