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    München

    Analyse: Merkel mahnt Ägypter zur Geduld

    Den Schlenker in ihre DDR-Vergangenheit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihren Reden schon oft gemacht. Gerade bei internationalem Publikum kommt sie mit ihren Erinnerungen aus der Wendezeit immer an - so auch am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

    Münchner Sicherheitskonferenz
    Angela Merkel spricht bei der 47. Sicherheitskonferenz in München.

    Zwar sei die Situation in Ägypten mit der in der DDR vor zwei Jahrzehnten «nicht direkt vergleichbar», leitet sie ihren historischen Exkurs ein. Aber zumindest könne man daraus lernen, dass jeder Umbruch auch Geduld brauche.

    «Wir haben damals auch keinen Tag warten wollen», erzählt Merkel. Die Währungsunion, die Einheit, all das sei vielen damals nicht schnell genug gegangen. Am 3. Oktober 1990 sei man dann allerdings ganz froh gewesen, «dass es ein paar Leute gab, die das ordentlich vorbereitet haben».

    Die Ereignisse in Ägypten sind bei dem Treffen von 350 Spitzenpolitikern, Diplomaten und Experten im Münchner Luxushotel Bayerischer Hof am Freitag und Samstag allgegenwärtig. Sei es beim Tagesordnungspunkt Finanzkrise oder transatlantische Partnerschaft - kein Redner kommt daran vorbei, auf die Unruhen zumindest am Rande einzugehen.

    Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vergleicht die Ereignisse in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel mit einer «tektonischen Plattenverschiebung», US-Außenministerin Hillary Clinton spricht in einer noch etwas schrägeren Metapher von einem «perfekten Sturm mächtiger Entwicklungen».

    Die Politiker und Experten sind sich einig, dass etwas ganz Großes im Gange ist. Vielen ist es aber noch zu früh, über die Folgen für die Region und die globale Stabilität zu reden. Stattdessen werden die Diskussionen in München von Mahnungen zu Gewaltverzicht und von Aufrufen zu Reformen geprägt. Aber es gibt auch Warnungen, dass Freiheitsbewegungen statt in eine Demokratie auch in Chaos und neue Unterdrückung münden können. «Der Wandel kann auch zu einem Rückfall auf ein neues autoritäres Regime führen», mahnt Clinton.

    Den Namen des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak will niemand in den Mund nehmen. «Es ist an den Ägyptern zu entscheiden, wie es weiter gehen soll», sagt der russische Außenminister Sergej Lawrow. Das meint auch Merkel und spricht wieder aus Erfahrung, diesmal aus der Nach-Wende-Zeit: «Wenn zu uns manchmal westdeutsche Berater kamen, und der Ton war nicht richtig getroffen, dann haben wir uns einfach auf den Hacken umgedreht», sagt sie. «Dass Ägypten jetzt da sitzt und nur darauf wartet, was wir ihnen raten, das kann ich mir nicht vorstellen.»

    Etwas gespenstisch mutet in München an, dass viel über Ägypten gesprochen wurde, aber keine Ägypter zu Wort kommen. Unter den Delegationen aus 50 Ländern ist keine ägyptische. Dabei gehörte Oppositionsführer Mohammed el Baradei in den vergangenen Jahren als Chef der Internationale Atomenergiebehörde zu den Stammgästen. Aber auch Konferenzleiter Wolfgang Ischinger ist der Meinung, dass Parteinahme in der derzeitigen Situation fehl am Platze sei. Zu einer Diskussion am Samstagabend waren immerhin Vertreter aus den Nachbarländern Ägyptens eingeladen: Saudi-Arabien und Israel.

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