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Washington

Analyse: Druck auf NSA wächst

dpa

Während Edward Snowden in Russland Unterschlupf gefunden hat, kämpft NSA-Chef Keith Alexander um den Ruf seinera Behörde. Selbst bei Hackern sucht er nun Unterstützung. Doch der innenpolitische Druck steigt.

NSA-Direktor Alexander trat gewiss vor kein leichtes Publikum. Mehr als 3000 Hacker, IT-Fachleute und Computerkenner hatten sich am Mittwoch (Ortszeit) auf der Sicherheitskonferenz «Black Hat» in Las Vegas versammelt. Mehr als 3000 Menschen also, die ziemlich genau verstehen, was beim Thema Cybersicherheit technisch möglich ist, und was nicht. Und der Saal, in dem der NSA-Chef sprechen sollte, war brechend voll.

«Wir stehen für Freiheit», versuchte Alexander den Ruf seiner Behörde zu begradigen, die in den vergangenen Wochen durch immer neue Enthüllungen nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch ins Kreuzfeuer politischer Auseinandersetzungen geraten war. Was dann kam, war ein unerwarteter Zug: Alexander bat die Gemeinde – unter ihnen einige der weltweit besten und bekanntesten Hacker – um Unterstützung. «Helft uns, unser Land zu verteidigen und eine bessere Lösung zu finden.»

Alexanders Hilferuf kommt nicht von ungefähr. Denn mit jedem Tag wächst der Druck auf den NSA-Chef, die genauen Arbeitsweisen seiner Behörde und der ihm unterstellten Mitarbeiter ans Licht zu bringen. Längst hagelt es auch aus Deutschland Kritik an den Spionageprogrammen, die zwar kleckerweise enthüllt, aber bisher nicht umfassend aufgeklärt wurden. Noch gefährlicher ist allerdings der innenpolitische Druck.

Im US-Abgeordnetenhaus hatte der wachsende Widerstand gegen die undurchsichtige Überwachung von Telefondaten vergangene Woche ein ziemlich ungewöhnliches Bündnis von Republikanern und Demokraten auf den Plan gerufen, die nur knapp mit dem Versuch scheiterten, die NSA ein Stück weit in die Schranken zu weisen. Schon bei dieser Abstimmung hatte Alexander versucht, strengere NSA-Regeln durch eilige Treffen mit Abgeordneten in letzter Minute zu verhindern.

Auch in der Bevölkerung regt sich Protest. 56 Prozent der Amerikaner meinen einer Umfrage zufolge, dass der Telefon- und Internetüberwachung nicht die nötigen Grenzen gesetzt wurden. Und mehr als zwei Drittel glauben, dass die Daten nicht dem Anti-Terror-Kampf dienen, wie oft behauptet wird, sondern anderen Zwecken. Doch immerhin: 52 Prozent sind der Meinung, dass es sich um notwendige Werkzeuge handelt, um Terroristen aufzuspüren.

Dass Alexander nun vor diejenigen tritt, die in technischen Fragen am besten Bescheid wissen, und um Hilfe bittet, werten US-Medien als eine Art PR-Offensive. Eine ähnliche Rede wie die in Las Vegas habe er diesen Monat bereits bei einer Sicherheitskonferenz in Aspen im US-Staat Colorado gegeben, schreibt die «Washington Post».

Die Hacker in Las Vegas blieben allerdings skeptisch: «Ich vertraue Ihnen nicht», rief jemand bei Alexanders Ansprache dazwischen. «Alle sind sich einig. Du hast gesagt, Du seist gut, bist es aber nicht»», sagte der ehemalige NSA-Mitarbeiter und Hacker Charlie Miller.

Als Reaktion auf die Forderung nach Aufklärung waren am Mittwoch bereits drei Dokumente veröffentlicht worden. «Größerer Transparenz» im «öffentlichen Interesse» hatte der Nationale Geheimdienstkoordinator (DNI) James Clapper dabei versprochen. Kurz darauf setzte bei vielen Enttäuschung ein: Nur wenige Details waren neu, der Ton war sehr allgemein gehalten, etliche Passagen waren geschwärzt. Umfassende Transparenz sieht anders aus.

Alexander konnte bei den Hackern punkten, aber nicht alle überzeugen. Allein die Tatsache, dass er in der Casino-Hauptstadt vor die Hacker trat, wurde ihm vom Publikum hoch angerechnet. Der Hacker Miller aber hat der NSA den Rücken gekehrt. Er arbeitet jetzt bei Twitter.

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