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Berlin

Huck siegt für Hertha: «Berliner haben es drauf»

dpa

Die schlimme Niederlage der Hertha-Fußballer stachelte Box-Weltmeister Marco Huck mehr an als der hilflose Herausforderer. Der Wahl-Berliner verteidigte mit seinem schnellen Sieg über den Amerikaner Adam Richards den Cruisergewichts-Titel des Verbandes WBO.

WM-Fight
Marco Huck (l) wird nach dem Kampf zum Sieger erklärt.

«Weil Hertha leider verloren hat, war der Druck noch größer. Ich wollte beweisen, dass wir Berliner es trotzdem drauf haben und gewinnen können», sagte Huck nach dem Fight in der Max-Schmeling-Halle.

Nach 2:30 Minuten der dritten Runde half Ringrichter Mark Nelson aus den USA noch kräftig mit, dass Außenseiter Richards endgültig im Ring landete, wo zuvor schon viel Blut geflossen war. Als der Unparteiische heftig mit den Armen fuchtelte, um den Herausforderer vor weiteren Schlägen von Huck zu schützen, stolperte Nelson über Richards und fiel direkt auf ihn. Auszählen musste er den 29-Jährigen nicht mehr, der technische K.o. war schon besiegelt. Huck feierte seinen 21. vorzeitigen Erfolg und hat außer der Niederlage in seinem ersten WM-Duell alle anderen 28 Kämpfe für sich entschieden.

«Ich musste unsere Berliner Ehre herstellen und gewinnen», verkündete der 25-Jährige noch im Ring der Max-Schmeling-Halle, während Richards konsterniert auf einem Hocker kauerte und eine Platzwunde am Hinterkopf abgewischt bekam. Der bisher nur in den USA bekannte Richards konnte dem Gerangel mit Huck beim Wiegen trotz guten Willens keine weiteren Taten folgen lassen und gab sich als fairer Verlierer: «Ich habe schon in der ersten Runde mehrere Kopftreffer bekommen. Huck ist einfach ein toller Fighter, ich kann gar nichts Böses gegen ihn sagen», meinte Richards.

Trainer-Routinier Ulli Wegner zeigte sich beeindruckt von der Explosivität seines Schützlings, räumte aber ein: «Um seine Aggressivität in die richtige Bahnen zu lenken, werde ich wohl noch zehn Jahre brauchen.» Auch Wegner äußerte Mitgefühl für Hertha und seinen dortigen Kollegen: «Ich bin sehr traurig, dass mein Freund Friedhelm Funkel verloren hat. Es wäre traurig, wenn wir absteigen.»

Während Hertha BSC der 2. Bundesliga entgegen taumelt, soll Hucks Weg in die Weltspitze der zweitschwersten Gewichtsklasse weitergehen. Im Herbst steht zunächst die Pflichtverteidigung gegen den Russen Denis Lebedjew an, danach würde Promoter Wilfried Sauerland gern einen Titelvereinigungskampf um die Gürtel von WBO und WBC organisieren. Einen Aufstieg von Huck in das Schwergewicht hält Sauerland indes für verfrüht. «Ich höre natürlich auf meinen Boss», gelobte Huck, der nun Stallkollege Arthur Abraham, der ebenfalls am Ring saß, zu dessen nächstem Kampf in die USA begleiten möchte.

Sauerlands russischer Schützling Alexander Powetkin unterstrich seine WM-Ambitionen mit dem technischen K.o.-Sieg in der fünften Runde über den ebenfalls blutig geprügelten Mexikaner Javier Mora. Der Olympiasieger von 2004 ist seit zwei Jahren Pflichtherausforderer des Verbandes IBF für Wladimir Klitschko, der am 20. März in Düsseldorf aber zunächst gegen Eddie Chambers boxt. Im Dezember 2008 musste Powetkin den Kampf gegen Klitschko verletzt absagen. «Wir hoffen, dass Herr Klitschko uns endlich eine Chance gibt», sagte Wilfrieds Sauerland Sohn Kalle. Der Ukrainer habe vier bis sechs Wochen Zeit, sich zu erklären, der Kampf könnte dann bis Oktober stattfinden. Allerdings könnte Klitschko auch eine freiwillige Titelverteidigung beantragen – dann müsste Powetkin weiter warten.

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