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Bridgetown

Frauen-Boxen auf dem Weg: Olympia 2012 lockt

dpa

Als Regina Halmich 1995 bei den Box-Weltmeisterschaften in Berlin versuchte, Werbung in eigener Sache zu machen, wurde sie belächelt. Aber die zierliche Blondine, die viele Jahre Weltmeisterin war, belehrte ihre Kritiker und machte das Frauen-Boxen in Deutschland hoffähig.

Jedenfalls im Profi-Ring. Bei den Amateuren dauerte es etwas länger. Es bedurfte erst der Aufnahme ins olympische Programm für London 2012, um den boxenden Frauen hierzulande Beachtung zu verschaffen. «Das war längst überfällig», sagte Halmich, nachdem 2009 der Entscheid pro Olympia gefallen war.

Der IOC-Beschluss nahm auch den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) in die Pflicht, seinen Boxerinnen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Und zu können. «Damit war das Frauen-Boxen endlich förderfähig», sagte DBV-Präsident Jürgen Kyas aus gutem Grund. Die finanziellen Engpässe, die ein größeres Engagement bis dato verhindert hatten, sind zwar nicht verschwunden. Die Nöte sind aber erträglicher geworden und lassen Handlungsspielraum zu.

Binnen eines guten Jahres wurde eine WM-taugliche Staffel auf die Beine gestellt, die mittelfristig zu Hoffnungen Anlass gibt. «Die Leistungen sind im vergangenen Jahr regelrecht explodiert», lobte Disziplin-Trainer Roland Kubath. Fast 100 Boxerinnen aus 16 Landesverbänden zeugten bei den nationalen Meisterschaften im Juli in Wismar für die gewachsene Breite.

Und auch für eine gewisse Klasse. Dank konzentrierter Förderung konnten sieben Boxerinnen die sportliche Reife für die WM im Garfield Sobers Sports Complex von Brigdetown auf Barbados nachweisen, die erste offizielle WM-Teilnahme für den DBV. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, wussten alle. Aber immerhin. «Die Weltspitze ist noch nicht soweit weg dass man sie nicht bis London erreichen könnte», sagte Trainingswissenschaftler Jens Busweiler nach seinen ersten Eindrücken bei der größten Frauen-WM seit der Premiere 2001.

Der olympische Traum setzt Kräfte frei. «Das ist das Ziel, für das ich trainiere, lebe und kämpfe», sagt Mittelgewichtlerin Ulrike Brückner. Die 33-Jährige weiß, wie schwer es sein wird, sich den Traum zu erfüllen. Die olympische Box-Premiere der Frauen ist auf drei Gewichtsklassen limitiert. Zum Glück für die Augsburgerin ist die ihre dabei. Ihr Pech: Europa hat pro Gewichtsklasse lediglich vier Startplätze.

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