40.000
  • Startseite
  • » Berliner Büro
  • » Down-Syndrom: Test auf Rezept?
  • Aus unserem Archiv
    Berlin

    Down-Syndrom: Test auf Rezept?

    Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Vorsorge für Schwangere soll voraussichtlich um einen Bluttest erweitert werden, der erhebliche ethische Fragen aufwirft. Seit etwa vier Jahren gibt es einen Bluttest für werdende Mütter, der das ungeborene Kind auf einen Gendefekt prüft, den Mediziner Trisomie 13, 18 oder 21 nennen. Bei 21 spricht man auch vom Down-Syndrom.

    Seit etwa vier Jahren gibt es einen Bluttest für werdende Mütter, der das ungeborene Kind auf einen Gendefekt prüft.
    Seit etwa vier Jahren gibt es einen Bluttest für werdende Mütter, der das ungeborene Kind auf einen Gendefekt prüft.
    Foto: Patrick Seeger/dpa

    Von unserer Berliner Korrespondentin Eva Quadbeck

    Bislang müssen die werdenden Mütter, die einen solchen Test wünschen, diesen selbst bezahlen. Kostenpunkt: 400 bis 650 Euro. Am Donnerstag beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss, das Selbstverwaltungsgremium im Gesundheitswesen, in dem Ärzte, Kliniken, Patientenvertreter und Krankenkassen sitzen, ein Verfahren einzuleiten, an dessen Ende voraussichtlich die Kassenzulassung für den Test steht. Bis es dazu kommt, kann es aber bis zu drei Jahre dauern.

    Bislang wird das Risiko des Down-Syndroms durch eine Ultraschalluntersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche und bei Verdacht auf Trisomie 21 durch eine weitere invasive Untersuchung bestimmt. Diese zweite Untersuchung ist für den Fötus gefährlich. In einem von 200 Fällen kommt es zu einer Schädigung des ungeborenen Kindes - es folgt ein Abort. Der Bluttest ist weder für die Mutter noch für das Kind gefährlich.

    "Bei einer Entdeckung des Down-Syndroms entscheiden sich 90 Prozent der Eltern dafür, dass sie das Kind nicht austragen wollen. Daher sehe ich im nun geplanten zweiten Schritt keinen Kulturverfall per se", sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, unserer Zeitung. "Ich gehe aber davon aus, dass sich das Überwachungsregime für Schwangere so weiter ausweiten wird." Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, der auch lange Mitglied des Ethikrats war, bewertet dies gänzlich anders: "Wenn diese Linie überschritten wird und die pränatalen Bluttests Kassenleistung werden, wird sich die Gesellschaft ändern", sagte Losinger unserer Redaktion.

    Aktuell leben in Deutschland etwa 50 000 Menschen mit einem Down-Syndrom. Ab einem Alter von 35 Jahren der Mutter steigt das Risiko, ein Down-Kind zur Welt zu bringen, deutlich an, da die Qualität der Eizellen nachlässt.

    Nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses sollen voraussichtlich Risikoschwangere das Angebot des Tests erhalten. Diese Gruppe ist recht groß. Ab 35 Jahren werden Frauen bereits als Risikoschwangere eingestuft. Das sind etwa 20 Prozent der Mütter. Als Risiko gelten zudem anstehende Mehrlingsgeburten und Schwangere mit Vorerkrankungen. Angesichts dieser ohnehin großen Gruppe, der dann routinemäßig der Bluttest auf ein Down-Syndrom des Ungeborenen zur Verfügung stünde, fürchtet der Behindertenverband Lebenshilfe, dass es zu Reihenuntersuchungen bei Schwangeren kommen könnte. Die Vorsitzende der Lebenshilfe und frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kritisierte, der Test vermittle den Eindruck, ein perfektes Kind sei möglich.

    Behindertenverbände und eine Reihe von Bundestagsabgeordneten hatten den Gemeinsamen Bundesausschuss im Vorfeld vor diesem Schritt gewarnt. Der Bundesausschussvorsitzende Josef Hecken versprach, im weiteren Verfahren wissenschaftliche Fachgesellschaften und weitere gesellschaftliche Organisationen einzubeziehen wie etwa den Deutschen Ethikrat.

    Trisomie

    Menschen mit Trisomie haben ein Chromosom mehr als andere Menschen. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreifach anstatt zweifach vorhanden – daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. Bei Menschen mit Edward-Sydrom ist das Chromosom 18 oder ein Teil davon dreifach in jeder Zelle vorhanden. Bei Menschen mit Pätau-Syndrom ist es das Chromosom 13. Das überzählige Chromosom stört das genetische Gleichgewicht. Alle drei Trisomien rufen Entwicklungsstörungen hervor, bei Trisomie 18 und 13 sind sie häufig schwerwiegender als bei Trisomie 21. 

    Berliner Büro
    Meistgelesene Artikel