Von vorn nach hinten – Test: Volvo C40 Recharge Pure Electric

Es fällt speziell im Kompaktsegment der E-Autos nicht leicht, den Überblick zu bewahren. Der Volvo C40 ragt aus der Masse mit hoher Praxisreichweite, kompletter Sicherheitsausstattung und penibler Verarbeitung raus. Zu einem allerdings auch ziemlich ambitionierten Preis.

Von Peter Eck, SP-X
Lesezeit: 4 Minuten
Den vollelektrischen C40 bietet Volvo in Deutschland seit über zwei Jahren an. Mit dem jüngsten Facelift ist es den Schw
Den vollelektrischen C40 bietet Volvo in Deutschland seit über zwei Jahren an. Mit dem jüngsten Facelift ist es den Schweden gelungen, den Charakter des Fahrzeugs zu verändern
Foto: Volvo

SP-X/Köln. Den vollelektrischen C40 bietet Volvo in Deutschland seit über zwei Jahren an. Mit dem jüngsten Facelift ist es den Schweden gelungen, den Charakter des Fahrzeugs zu verändern. Zumindest bei dem von uns getesteten Modell mit einem einzelnen Synchronmotor, der von der Front- an die Hinterachse wanderte und dort für den Vortrieb sorgt. Als Alternative gibt es weiterhin einen Allradantrieb (ab 61.400 Euro), hier wird der Heckmotor durch einen neuen Asynchronmotor ergänzt, der die Vorderräder antreibt. Zusammen leisten die beiden Antriebe 408 PS. Für die meisten Käufer wird allerdings schon die Version mit Single Motor ausreichen.

Weitere Pluspunkte sammeln die Schweden für die makellose Verarbeitung und die Güte der Materialien im Innenraum. Das In
Weitere Pluspunkte sammeln die Schweden für die makellose Verarbeitung und die Güte der Materialien im Innenraum. Das Infotainment wirkt allerdings schon leicht angestaubt
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Immerhin kommt der C40 damit auch schon auf 252 PS (ab 54.450 Euro), zumindest in der von uns gefahrenen Version mit der größeren Batterie (79 kWh netto). Wer zur Basisverison mit kleinerem Akku (66 kWh) greifen, spart rund 7.000 Euro, muss jedoch nicht nur mit weniger Reichweite, sondern auch mit weniger Motor- (238 PS) und Lade-Leistung auskommen.

Zumindest bei dem von uns getesteten Modell mit einem einzelnen Synchronmotor, der von der Front- an die Hinterachse wan
Zumindest bei dem von uns getesteten Modell mit einem einzelnen Synchronmotor, der von der Front- an die Hinterachse wanderte und dort für den Vortrieb sorgt
Foto: Volvo

Für Vielfahrer kann sich die Investition in die stärkere Version lohnen, denn etwa 100 Kilometer mehr Reichweite sind schon was wert. Theoretisch wären mit dem großen Akku 582 Kilometer möglich. Wir benötigten trotz zurückhaltendem E-Fuß statt des Normverbrauchs von 16,3 knapp 20 kWh, was eine Reichweite von etwa 400 Kilometern ermöglicht. Aber auch das ist nur ein theoretischer Wert, denn kein Elektroautofahrer fährt seinen Akku auf nahe Null herunter. Wir fuhren im Durchschnitt nach 320 bis 350 Kilometern an einen Lader, was im Vergleich zu vielen anderen Testwagen sogar noch ein ziemlicher akzeptabler Realwert ist, aber eben auch keine unterbrechungsfreien Langstreckenetappen á la Diesel möglich macht.

Volvo C40 Recharge Pure Electric ist 4,44 Meter lang
Volvo C40 Recharge Pure Electric ist 4,44 Meter lang
Foto: Volvo

Der Umstieg von Front- auf Heckantrieb bringt im C40 als Hauptvorteil eine Minimierung der Antriebseinflüsse auf die Lenkung mit sich. Allerdings gibt diese dem Fahrer viel zu wenig Rückmeldung. Wirklich enttäuscht waren wir vom Fahrwerk. Der Volvo poltert mit seiner antriebsfreien Vorderachse recht unkomfortabel in jede Unebenheit auf der Straße. Zudem ist die Abstimmung insgesamt zu hart geraten, so dass das Fahrvergnügen in der Stadt ziemlich eingeschränkt wird. Vielleicht lag es an den aufgezogenen, optionalen 20-Zöllern (660 Euro). Besser geht mit diesen auf einer gepflegten Landstraße, wo sich dank des antriebsstarken E-Motors etwa landwirtschaftliche Fahrzeuge schnell und sicher überholen lassen. Dazu passt der 0-100 km/h-Standardwert von flotten 7,3 Sekunden.

Der Umstieg von Front- auf Heckantrieb bringt im C40 als Hauptvorteil eine Minimierung der Antriebseinflüsse auf die Len
Der Umstieg von Front- auf Heckantrieb bringt im C40 als Hauptvorteil eine Minimierung der Antriebseinflüsse auf die Lenkung mit sich
Foto: Volvo

Auf der Autobahn muss man sich zügeln, damit der Energievorrat im Akku nicht allzu schnell dahinschmilzt. Immerhin gönnt Volvo seinem kompakten Stromer eine Vmax von 180 km/h – wie bei den Verbrennern. Da sind andere Hersteller vorsichtiger rund regeln je nach Philosophie schon bei 130 oder 160 km/h ab.

Optisch weiß der C40 zu überzeugen
Optisch weiß der C40 zu überzeugen
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Optisch weiß der C40 zu überzeugen, auch wenn der Ideenvorrat der Designer bei den immer gleichen Vorgaben (SUV, geschlossener Grill, schmale Scheinwerfer, steile Frontscheibe, abfallende Dachlinie) natürlich auch mal zu Neige geht. Die sportliche Form mit der – erraten – abfallenden Dachlinie sorgt für wenig Kopffreiheit im ohnehin nicht gerade üppigen Fond.

Dass Volvo zu den teuersten Anbietern auf dem Markt gehört, ist kein Geheimnis
Dass Volvo zu den teuersten Anbietern auf dem Markt gehört, ist kein Geheimnis
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Volvo nutzt die Möglichkeiten in der Disziplin „Raum“ ohnehin zugunsten der Optik nicht komplett aus. Man sieht es dem Fahrzeug auf Anhieb nicht an, aber es misst 4,44 Meter in der Länge und reicht damit eigentlich schon an die untere Mittelklasse heran. Dafür sind 413 Liter Kofferraumvolumen gerade noch okay, immerhin gibt es vorne noch den „Frunk“, ein Kofferräumchen unter der „Motorhaube“ mit 31 Litern Volumen, in dem sich wunderbar die Ladekabel unterbringen lassen.

Keine Schwächen erlaubt sich Volvo in seiner Paradedisziplin „Sicherheit“. An Bord ist ein komplettes Sicherheitspaket, die Einzelheiten aufzulisten, würde hier den Rahmen sprengen. Anders als bei anderen Herstellern gibt es hier auch nichts mehr zuzubuchen. Mit Ausnahme der Matrix-LEDs, für die Volvo 1.100 Euro verlangt. Weitere Pluspunkte sammeln die Schweden für die makellose Verarbeitung und die Güte der Materialien im Innenraum. Das Infotainment wirkt allerdings schon leicht angestaubt. Hier gibt es gerade im Premiumbereich besseres.

Apropos Premium: Dass Volvo zu den teuersten Anbietern auf dem Markt gehört, ist kein Geheimnis. Unser Testwagen mit Single Motor und großem Akku kostet 59.600 Euro, mit der Zusatzausstattung (Pixel-LED, 20 Zöller, Metalliclackierung etc.) stehen am Ende 65.750 Euro in der Preisliste. Ziemlich selbstbewusst und für viele Menschen dann wohl auch zu viel Geld für ein nur mittelgroßes Elektroauto. Aber Premium ist halt auch nichts für jeden – sonst wäre es ja nicht Premium.

Volvo C40 Recharge Pure Electric Ultimate – Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges Elektroauto der Kompaktklasse; Länge: 4,44 Meter, Breite: 1,87 Meter (mit Außenspiegeln: 2,03 Meter), Höhe: 1,59 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 413 Liter + 31 Liter (Front)

Permanent-Synchron-Elektromotor im Heck; 185 kW/252 PS, Drehmoment: 420 Nm bei 0-4.288 U/min, Heckantrieb, 0-100 km/h: 7,3 s, Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: 16,3 kWh/100 km, WLTP-Reichweite: 582 km, Testverbrauch: 19,8 kWh/100 km, Akku-Kapazität: 79 kWh (netto), Ladezeiten: DC: 10-80 % bei 150 kW in 29 Minuten, AC: 0-100 % bei 10 A in 15 Stunden, maximale Betriebsspannung: 400 Volt

Preis: ab 59.600 Euro

Testwagenpreis: 65.750 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: viel Sicherheitsausstattung, exzellente Verarbeitung, gute Reichweite

Warum nicht: poltriges Fahrwerk, unpräzise Lenkung, recht enger Fond

Was sonst: VW ID.4, Lexus UX 300e, Mercedes EQA, Audi Q4 e-tron

Peter Eck/SP-X