Kreativ und folgsam – Test: Hyundai Kona EV

Von Elfriede Munsch, SP-X
Der neue Hyundai Kona ist 4,36 Meter lang und wird auch wieder als Stromer angeboten
Der neue Hyundai Kona ist 4,36 Meter lang und wird auch wieder als Stromer angeboten Foto: Hyundai

Der neue Hyundai Kona EV kann viel, allerdings sind seine Lesefähigkeiten noch sehr ausbaufähig und der Verbrauch hängt nicht nur vom Fahrer ab.

Lesezeit: 4 Minuten
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SP-X/Köln. Hyundai hat seinen Kona einer Streckkur unterzogen und die zweite Generation um fast 20 Zentimeter auf eine Länge von 4,36 Meter gebracht. Wie gehabt gibt es ihn als Verbrenner und Stromer. Und wie zuvor, bietet Hyundai die elektrische Variante mit zwei Akku-Größen an: mit einer 48,4 kWh großen Batterie in Kombination mit einem 115 kW/156 PS starken Motor (ab 42.000 Euro) oder mit einem 65,4-kWh-Akku und 160 kW/218 PS. Zum Alltagstest gab sich die stärkere Version des kompakten Crossovers die Ehre, die ab rund 45.000 Euro zu haben ist.

Der neue Hyundai Kona ist 4,36 Meter lang und wird auch wieder als Stromer angeboten
Der neue Hyundai Kona ist 4,36 Meter lang und wird auch wieder als Stromer angeboten
Foto: Hyundai

War die ersten Generation eher unauffällig gezeichnet, zeigt die Neue Selbstbewusstsein. Wie auch der Hyundai Ioniq5 stellt der Kona Sicken und Kanten en masse auf seinem Blechkleid zur Schau. Nachts gibt es dann großes Leuchtkino; die durchgehenden Leuchtenbänder vorne und hinten kommen im Dunkeln richtig zur Geltung. Innen geht es etwas nüchterner zu, es gibt viel Platz für die Insassen und Gepäck (Kofferraumvolumen: 466 bis 1.300 Liter) und eine gelungene Mischung aus digitalen und analogen Bedienelementen. Das digitale Cockpit und das Infotainmentsystem lassen sich vergleichsweise einfach bedienen, Tasten unterhalb des Displays ermöglichen haptischen Zugriff auf wichtige Dinge wie Lautstärkenregler, Radio oder Navigation. Auch die Klimaanlage und Sitz- und Lenkradheizung sind über Tasten steuerbar. Sehr schön.

Wie auch der Hyundai Ioniq5 stellt der Kona Sicken und Kanten en masse auf seinem Blechkleid zur Schau
Wie auch der Hyundai Ioniq5 stellt der Kona Sicken und Kanten en masse auf seinem Blechkleid zur Schau
Foto: Hyundai

Auch das Head-up-Display gefiel, da etwa die Navigationsangaben gut lesbar auf die Windschutzscheibe projiziert werden. Die ins Fahrerdisplay gespielten Videobilder, die beim Setzen des Blinkers auftauchen und die seitliche Umgebung vom Fahrzeug zeigen, sind grundsätzlich eine gute Idee, aber nicht immer gut zu erkennen. Schwächen zeigte der Kona jedoch – wie so viele andere Fahrzeuge auch – beim Erkennen der Verkehrszeichen. Eine gewisse Kreativität mit der Interpretation von Verkehrsschildern kann man entsprechenden Assistenten nicht absprechen. Tempo 70 in geschlossenen Ortschaften wurden angezeigt, genauso wie Tempo 30 auf der Landstraße. Schilder, die Limitierungen aufheben, dagegen regelmäßig ignoriert. Das schult zumindest die Aufmerksamkeit des Fahrers. Die Sprachsteuerung reagierte dagegen einwandfrei und hörte aufs Wort, egal ob es ums Anrufen ging oder ein Navigationsziel eingeben wurde oder der Wunsch nach einer Regulierung der Sitzheizung geäußert wurde.

Das digitale Cockpit und das Infotainmentsystem lassen sich vergleichsweise einfach bedienen, Tasten unterhalb des Displ
Das digitale Cockpit und das Infotainmentsystem lassen sich vergleichsweise einfach bedienen, Tasten unterhalb des Displays ermöglichen haptischen Zugriff auf wichtige Dinge wie Lautstärkenregler, Radio oder Navigation
Foto: Hyundai

Und wie fährt sich der 218 PS starke Kona? Unspektakulär im besten Sinne. Die Leistung reicht, um locker und souverän unterwegs zu sein. Das Fahrwerk ist weder zu weich noch zu hart abgestimmt; Bodenunebenheiten werden klaglos weggebügelt und die Lenkung ist hinreichend direkt. Vier Fahrmodi (Eco, Normal, Sport und Schnee) stehen zur Wahl, außerdem kann die Rekuperationsstärke unterschiedlich stark justiert werden. So kann der Fahrer seine Vorlieben ausleben. Allrad gibt es übrigens nicht.

Nachts gibt es dann großes Leuchtkino; die durchgehenden Leuchtenbänder vorne und hinten kommen im Dunkeln richtig zur G
Nachts gibt es dann großes Leuchtkino; die durchgehenden Leuchtenbänder vorne und hinten kommen im Dunkeln richtig zur Geltung
Foto: Hyundai

Da die große Batterie eine WLTP-Reichweite von gut 500 Kilometern verspricht, sollte Reichweite eigentlich kein Thema sein. Allerdings hängt die Reichweite zum einen an der gewählten Reifengröße, zum anderen an den Außentemperaturen ab. 514 Kilometer gibt Hyundai in Verbindung mit 17 Zoll großen Reifen an, sind wie bei unserem Testwagen 19-Zöller aufgezogen, sinkt der Normwert auf 454 Kilometer. Und bei kalten Temperaturen um die 0 Grad, Laden draußen, reduziert sich die Reichweite weiter: 390 Kilometer zeigte der Bordcomputer morgens beim Losfahrern an. Der Verbrauch variierte je nach Fahrstil zwischen 18 und 24 kWh. Der untere Wert liegt nahe an den offiziellen Angaben von 16,6 kWh, die Hyundai in Kombination mit den 19-Zöllern errechnet hat. Apropos Laden: An der Schnellladesäule kann der Kona maximal mit 103 kW Leistung Strom ziehen, an der Wallbox mit bis zu 11 kW. Damit gehört der Stromer nicht zu den schnellsten im Segment, anders als der Ioniq5 setzt Hyundai beim Kona nur auf 400 Volt-Technik. Praktisch fanden wir die Ladebuchse, die vorne sitzt. Sie ist beleuchtet, was das Einstöpseln des Ladesteckers im Dunkeln erleichtert.

Das Platzangebot überzeugt
Das Platzangebot überzeugt
Foto: Hyundai

Kommen wir noch zu den Preisen: Die Preisliste für die 65,4-kWh-Version startet bei 44.990 Euro. In der Basisversion sind viele Komfortmerkmale wie das Navigationssystem an Bord. Eine Wärmepumpe, die schicken LED-Leuchtbänder, Sitzheizung für die vorderen Sitze und eine Ladeschale fürs Smartphone sind aber erst Bestandteil des 2.200 teuren Trend-Pakets. Der Testwagen hatte das Prime-Paket für 5.700 Euro an Bord. Es umfasst die Annehmlichkeiten des Trend-Pakets und bietet außerdem eine elektrische Heckklappe, Head-up-Display, ein umfangreicheres Assistentenangebot und einen Adapter fürs bidirektionales Laden. Denn der Kona kann auch Strom abgeben, etwa um ein E-Bike aufzuladen. Kunden können noch mehr Geld ausgeben etwa für die Lackfarbe, ein Soundsystem oder Ledersitze und den Preis über 50.000 Euro treiben. Vermutlich werden die meisten aber mit weniger Ausstattung glücklich sein und auf 17-Zöllern weiterkommen.

Das Fahrwerk ist weder zu weich noch zu hart abgestimmt; Bodenunebenheiten werden klaglos weggebügelt und die Lenkung is
Das Fahrwerk ist weder zu weich noch zu hart abgestimmt; Bodenunebenheiten werden klaglos weggebügelt und die Lenkung ist hinreichend direkt
Foto: Hyundai

Hyundai Kona Elektro – Technische Daten:

514 Kilometer Reichweite gibt Hyundai in Verbindung mit 17 Zoll großen Reifen an, sind 19-Zöller aufgezogen, sinkt der N
514 Kilometer Reichweite gibt Hyundai in Verbindung mit 17 Zoll großen Reifen an, sind 19-Zöller aufgezogen, sinkt der Normwert auf 454 Kilometer
Foto: Hyundai

Fünftüriger Elektro-Crossover der Kompaktklasse; Länge: 4,36 Meter, Breite: 1,82 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,58 Meter, Radstand: 2,6 Meter. Kofferraumvolumen: 466 – 1.300 Liter, Frunk: 27 Liter

Praktisch fanden wir die Ladebuchse, die vorne sitzt. Sie ist beleuchtet, was das Einstöpseln des Ladesteckers im Dunkel
Praktisch fanden wir die Ladebuchse, die vorne sitzt. Sie ist beleuchtet, was das Einstöpseln des Ladesteckers im Dunkeln erleichtert
Foto: Hyundai

Elektroantrieb: Leistung 160 kW/218 PS, maximales Drehmoment 255 Nm, 1 Gang-Automatikgetriebe, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 65,4 kWh, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 172 km/h, Stromverbrauch: 14,7 – 16,6 kWh (WLTP), max. Reichweite: 514 Kilometer (WLTP) mit 17 Zöllern, 454 Kilometer mit 19 Zöllern, Testverbrauch: 20,5 kWh

Preis: ab 44.990 Euro

Hyundai Kona Elektro – Kurzcharakteristik:

Warum: schickes E-Auto, gutes Fahrwerk

Warum nicht: Verkehrszeichenerkennung irritiert mehr als sie nutzt

Was sonst: Opel Mokka Electric, VW ID.3, Volvo EX30

Elfriede Munsch/SP-X