Schöne Schuhe für Takumi-Meister – Lexus auf der Design Week

Lexus Installation Design Week - in der Mitte steht das Concept-Car Lexus LF-ZC
Lexus Installation Design Week - in der Mitte steht das Concept-Car Lexus LF-ZC Foto: SP-X/Peter Weißenberg

In Mailand treffen sich in diesen Tagen Top-Designer und Besucher aus aller Welt, um nach Gestaltungs-Ideen zu stöbern, dazuzulernen und sich auszutauschen. Dabei geht es nicht selten um Philosophie und Tradition – aber manchmal auch um Impulse aus ganz ungewöhnlichen Ecken.

Lesezeit: 4 Minuten
Anzeige

SP-X/Mailand. Die Schuhe haben es Koichi Suga angetan – und auch das Futter der Sakkos. „Mutig, was die Menschen hier in Mailand so anziehen, gerade auch die Männer. Das ist schon eine Inspiration“, sagt der Chef der Designabteilung von Lexus nach seinen ersten Erlebnissen auf der Mailänder Design Week. Bei diesem Gipfeltreffen der Branche – und aller, die an Design und Kunst interessiert sind – spielt die Toyota-Luxusmarke schon lange eine tragende Rolle. Aber Suga lockt weit mehr als der eigene Markenauftritt in die Lombardei.

Lexus Installation Design Week – in der Mitte steht das Concept-Car Lexus LF-ZC
Lexus Installation Design Week – in der Mitte steht das Concept-Car Lexus LF-ZC
Foto: SP-X/Peter Weißenberg

Beim Lustwandeln durch die kleinen und größeren Stände, Pop-up-Stores, Industriehallen oder Palazzi rund um die Via Tortona in der Innenstadt gibt es einen Überblick über Trends und Innovation in der schönen und zweckmäßigen Gestaltung wie nirgends sonst. Und Trendsetter wie Suga interessieren dabei denn auch nicht in erster Linie Konkurrenten aus der eigenen Branche wie Kia, Range Rover oder Mazda, die mit ihren Design-Ideen Besucher anlocken. „Ich schaue mir auch gern an, was etwa Möbelhersteller oder Lampenfirmen Neues zu bieten haben.“ Denn Licht und Wohnlichkeit sind ja Anforderungen, die auch im Automobilbau immer wichtiger werden.

Design-Künstler Yoshimoto erklärt seine Installation – Mensch und Maschine sollen sich zeitlos ergänzen
Design-Künstler Yoshimoto erklärt seine Installation – Mensch und Maschine sollen sich zeitlos ergänzen
Foto: Lexus

Bestimmt geht der Japaner darum beispielsweise in die Halle, die der Sanitärhersteller Geberit belegt hat. Denn dort sind zwar auch die Spülkästen oder Toiletten der Schweizer Firma zu sehen, die in 50 Ländern Marktführer sind. Ein Künstler hat aber vor allem auch eine handballfeldgroße Wasserinstallation aufgebaut, bei der Menschen den Strudel eines projizierten Meeres durch die eigene Position darauf in Bewegung bringen; unbewusst und spontan. Die Designer aus aller Welt drängeln sich, um das auszuprobieren.

Für Kunstfreunde gibt es auf der Mailänder Design Week viel zu entdecken
Für Kunstfreunde gibt es auf der Mailänder Design Week viel zu entdecken
Foto: SP-X/Peter Weißenberg

Solche immersiven Veränderungen, die digitale und wirkliche Welt verschmelzen, sind ein großer Trend auch in der mobilen Welt. Handbewegungen, die ohne Berührung das Panoramadach öffnen, sind nur ein erster Beleg dafür, was noch alles kommen mag. Ein koreanischer Farbenhersteller zeigt etwa auch, wie der Mensch beim Gang durch einen Tunnel die Farbenspiele rund um sich auf allen Wänden wie in einem Kaleidoskop verändert.

Auf der Design Week in Mailand dreht sich längst nicht alles nur um Autos
Auf der Design Week in Mailand dreht sich längst nicht alles nur um Autos
Foto: SP-X/Peter Weißenberg

„Licht, Geräusche oder Gerüche gehören ebenfalls zum Designerlebnis im Auto“, sagt darum Hideki Yoshimoto. Der 39-Jährige ist Gründer und Inhaber der Londoner Designagentur Tangent, die auch für Autohersteller arbeitet. In Mailand ist er mit einer Installation namens „Beyond the horizon“ zu sehen. In einem 30 Meter langen dunklen Raum stehen dabei eine Reihe von zwei Meter hohen schlanken Säulen, die sich so auch in einem Raumschiff Enterprise gut machen würden. Nähert sich der Besucher aber den schwarzen Skulpturen, erscheinen im Inneren verschiedene zarte und beleuchtete Papier-Oberflächen. Das traditionelle Washi-Papier haben japanische Takumi-Handwerksmeister vor mehr als 1500 Jahren erfunden. In diesem Kontext steht es als Symbol für Innovation und die Mobilität der Zukunft. Das Concept-Car Lexus LF-ZC ist zudem im Zentrum des Werks zu sehen – „auch das ist ein Stück Zukunft, aber trotz der futuristischen Gestalt durchaus mit Washi-Elementen oder traditioneller Glaskunst im Inneren vorstellbar“, so Yoshimoto inmitten seiner Installation.

Geberit immersive Installation auf der Design Week
Geberit immersive Installation auf der Design Week
Foto: Lexus

Hinter dem Künstler geht dabei gerade in einer meterhohen Projektion die Sonne auf, untermalt von abstrakten Klängen des Musikers und Komponisten Keiichiro Shibuya. „Auch das zeigt meine Vorstellung vom Design der Zukunft“, sagt der Tangent-Chef und legt dabei die Hände langsam aufeinander. „Die digitale Welt und die des Menschen im Auto sollen sich wie meine Handflächen annähern – aber nicht gegenseitig abdecken.“ Yoshimoto kritisiert etwa bei den neuesten Entwicklungen im Infotainment oder bei der Bedienung digital-vernetzter Funktionen, dass sie den Reisenden im Auto nicht selten nach der Pfeife der IT tanzen lassen. Nur wer sich an die Befehls- oder Bedienlogik seines Touchscreens oder der Tasten im Lenkrad anpasst, kommt zum Erfolg. Das Autodesign der Zukunft müsse aber individueller und anpassungsfähiger werden – nicht der Mensch, dem es dienen soll.

Trotz der futuristischen Gestalt ist der LF-ZC laut Yoshimoto durchaus mit Washi-Elementen oder traditioneller Glaskunst
Trotz der futuristischen Gestalt ist der LF-ZC laut Yoshimoto durchaus mit Washi-Elementen oder traditioneller Glaskunst im Inneren vorstellbar
Foto: Lexus

Solche Design-Philosophien könnten Yoshimoto oder Suga in Mailand auch bei ganz anderen Firmen bereits umgesetzt sehen. Im Hof einer ehrwürdigen Manufaktur aus dem 19.Jahrhundert zeigt etwa der Lift-Hersteller Schindler Aufzüge, die beim Betreten schon das Ziel des Menschen durch digital vernetzte Hotelschlüssel erkennen und ihn persönlich begrüßen. Ähnliches ermöglichen im Auto immer mehr Hersteller durch digitale Autoschlüssel.

Die Kunst dabei ist trotz aller Vernetzung und Anpassung an den Menschen hinterm Steuer, dennoch den unverwechselbaren Charakter einer Marke aufscheinen zu lassen. Auch deswegen schauen sich die Designer in Mailand gern bei den Ständen bekannter Marken aus ganz anderen Branchen um. Bei Lexus setzt Design-Experte Suga darum gerade im Wandel der Mobilität auf traditionelle Elemente wie das japanische Kunsthandwerk und die elegante Klarheit vieler Produkte aus dem Land der aufgehenden Sonne: „Das ist auch unser Ansatz bei den Elektrofahrzeugen, die bald kommen.“

Und Designer Yoshimoto kann sich gut Licht- und Klangatmosphären vorstellen, die sich einfach nach der Stimmung des Menschen am Steuer richten. Sensoren, das Fahrverhalten oder die Innenraum-Kamera könnten da die passenden Informationen bieten. Ein ganz immersives Erlebnis eben im Wohnraum Auto. In Mailand gibt es da noch eine Menge Ideen zu entdecken.

Peter Weißenberg/SP-X