Archivierter Artikel vom 20.05.2019, 04:20 Uhr

Technik und Theorie

Wie werde ich Lokführer/in?

Sie bewegen rund 1300 PS starke Lokomotiven. Zum Beruf gehört aber weit mehr, als nur Schalthebel zu drücken. Wer Lokführer werden will, muss erstmal die Richtlinien pauken.

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Lokführer dirigieren Tonnen von Gütern
Faszinationsberuf Lokführerin: Die angehende Eisenbahnerin im Betriebsdienst Concetta Schmied vor einer Rangierlokomotive – auf und mit ihr findet die Ausbildung statt.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Maschen (dpa/tmn) – Es gibt Berufe, die viele Kinderaugen zum Leuchten bringen – etwa Polizist oder Fußballprofi. Und dann ist da noch der Lokführer – der Traum vom Dauerplatz im 1360-PS-Gefährt.

Lokführer dirigieren Tonnen von Gütern
Alles im Blick: Fabian Kynast und Concetta Schmied machen auf dem Rangierbahnhof Maschen eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst. Sie lernen, wie sie die vielen Züge, die hier jeden Tag bewe
Foto: dpa

Auch Fabian Kynast und Concetta Schmied gehören zu jenen, die sich schon früh für Züge, Loks und Bahnhöfe begeisterten. Und nun den Beruf erlernen. Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport heißt die dreijährige Ausbildung.

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Eisenbahner im Betriebsdienst sind verantwortlich dafür, dass Ladung oder Fahrgäste sicher ankommen. Fabian Kynast lernt, worauf es dabei im Detail ankommt.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

„Es ist nicht nur so, dass ich eine Faszination für die Maschinen habe. Das Bewegen von Fahrzeugen, mit den Kollegen und Kunden zusammenzuarbeiten, das sind schöne Herausforderungen“, erzählt Concetta Schmied, die seit einem halben Jahr dabei ist.

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PS-starke Rangierlokomotiven sind ihr Arbeitsplatz im Betriebsdienst bei der Deutschen Bahn.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Die theoretische Ausbildung ist umfangreich

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Wer Eisenbahner im Betriebsdienst werden möchte, darf keine Angst haben, sich die Hände dreckig zu machen. Concetta Schmied kuppelt einen Güterwagen an eine Rangierlokomotive an.
Foto: Markus Scholz/d – dpa

Herausforderungen – genau die reizen die 18-Jährige am Beruf. „Bei schlimmstem Wetter, bei größtem Gefälle oder auf verschiedenen Loks zu fahren.“

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Wer Eisenbahner im Betriebsdienst werden will, muss bereit sein, viel zu lernen. Ausbilder Daniel Krause (r) erklärt Fabian Kynast die Beschriftung an einem Güterwagen.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Um auf Eventualitäten wie diese vorbereitet zu sein, müssen die Auszubildenden Regelwerke mit rund zweitausend Seiten lernen und in fast 20 internen Prüfungen sowie der Handelskammerprüfung ihr Wissen unter Beweis stellen.

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Schichtdienst auf Schienen: Fabian Kynast ist inzwischen in seinem dritten Lehrjahr und kennt sich mit den Rangierlokomotiven bestens aus.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Fabian Kynast hat die meisten dieser Hürden schon genommen. Der 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr und steht kurz vor Abschluss seiner Ausbildung. „Die schweren Züge zu fahren, frei zu sein und die Technik dahinter“, machen den Beruf des Lokführers für ihn aus.

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Mithilfe seines Funkgeräts dirigiert Fabian Kynast eine schiebende Rangierlokomotive.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Ein Eignungstest ist Pflicht

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Ohne Angst, aber mit dem nötigen Respekt – so sollten angehende Eisenbahner im Betriebsdienst ihre Aufgaben angehen. Denn sie bewegen tonnenschwere Fahrzeuge und Güter. Fabian Kynast prüft mit einem F
Foto: dpa

Die Eisenbahner arbeiten direkt mit und an den Zügen. Sie sind dafür verantwortlich, die Rangierloks zu fahren, die Wagen und Bremsanlagen zu prüfen, Zugeinheiten an- und abzukuppeln und mit Hilfe von Handsignalen oder Funkkontakt zu rangieren. Ausgebildete Lokführer können aber auch auf der Strecke eingesetzt werden.

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Eisenbahner im Betriebsdienst arbeiten viel unter freiem Himmel. Concetta Schmied übt hier, wie sie die schwere Schiebetür an einem Güterwagen richtig bewegt.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Ob bei Rangier- oder Passagierfahrten – damit die Sicherheit der Mitarbeiter und Mitfahrer gewährleistet werden kann, müssen sich Lokführer bei ihrer Einstellung einem Eignungstest unterziehen. Dabei werden Seh- und Hörvermögen getestet und ein allgemeiner körperlicher sowie ein psychologischer Check durchgeführt.

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Damit der Güterverkehr in geregelten Bahnen laufen kann: Fabian Kynast dirigiert eine schiebende Rangierlokomotive durch Handzeichen.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Laut Informationen der Deutschen Bahn verdienen Auszubildende je nach Lehrjahr zwischen 904 und 1109 Euro monatlich, dazu kommen Weihnachtsgeld und Zulagen. Nachwuchs-Lokführer sind gesucht, es gibt viele unbesetzte Stellen.

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Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein sind in ihrem Beruf entscheidend: Concetta Schmied vergleicht Waggon-Informationen mit dem Datensatz in ihrem digitalen Eingabegerät.
Foto: Markus Scholz – dpa

Die Bahn erwartet Pünktlichkeit

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Sie sind die Dirigenten der Züge: Concetta Schmied lernt zum Beispiel, wie sie Rangierlokomotiven per Funk dirigiert.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Das hängt auch mit den Arbeitsbedingungen zusammen: Die Lokführer arbeiten im Schichtdienst, der Beruf ist körperlich und psychisch fordernd.

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Ohne Technikverständnis geht es nicht: An der Rangierlokomotive ist Fabian Kynast in seinem Element. Hier kuppelt er einen Güterwagen an.
Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

„Wir sind ein Betrieb, der auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit achtet“, sagt Gerda Groß, Leiterin für berufliche Erstausbildung bei DB Cargo. Als angehender Lokführer sollte man außerdem keine Angst davor haben, sich dreckig zu machen. „Für einen Eisenbahner gibt es kein schlechtes Wetter“, sagt Groß.

Technisches Grundverständnis, Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein gehören für sie ebenso wie die Bereitschaft zum Schichtdienst zu den entscheidenden Voraussetzungen für den Beruf.

Respekt vor der Technik

„Wichtig ist, dass man keine Angst, aber den nötigen Respekt hat. Wir bewegen ja viele Tonnen an Fahrzeugen und Gütern. Ein bisschen Geduld gehört auch dazu, für extreme Hektiker ist das hier nichts“, ergänzt Daniel Krause, Ausbildungslokführer.

Mit ihm an ihrer Seite darf Concetta Schmied heute das erste Mal eine Lok bewegen. Unter Anleitung und mit großer Vorsicht legt sie die Hebel um. Die Konzentration steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Erst später wird sie trocken sagen: „Es war ganz gut“. Das Funkeln ihrer Augen wird verraten, dass hier und heute ein kleiner Kindheitstraum wahr geworden ist.

Deutsche Bahn zur Eignungsuntersuchung

Berufsbild bei der Bundesagentur für Arbeit