Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 11:52 Uhr

Weinkrampf bei Esser nach Hammerwurf-Finale

Berlin (dpa). Routinier Markus Esser wurde nach seinem sechsten Platz von einem Weinkrampf geschüttelt, WM-Neuling Sergej Litvinov konnte sich hingegen über seinen fünften Rang richtig freuen. Ausgelassen nach dem Hammerwurf-Finale bei der Leichtathletik-WM jubelte jedoch nur Primoz Kozmus.

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Schock
Markus Esser kann nach dem Finale die Tränen nicht zurückhalten.

Ein Jahr, nachdem der 29-Jährige das erste olympische Leichtathletik-Gold für Slowenien geholt hat, eroberte er in Berlin auch den ersten WM-Titel für sein Land. «Es war der schlechteste Wettkampf meines Lebens. Für mich ist die Saison beendet, ich fasse keinen Hammer mehr an», meinte hingegen der bitter enttäuschte Esser, der bei seiner dritten WM-Teilnahme so gern auf dem Treppchen gestanden wäre und den Heimvorteil nicht nutzen konnte.

Kozmus ließ an seiner Überlegenheit keinen Zweifel. Im letzten Versuch verbesserte er sich noch auf 80,84 Meter, hätte aber auch mit seiner zweit- und drittbesten Weite triumphiert. «Es war ein seltsamer Wettkampf, keiner hat über 80 Meter geworfen. Ich habe viel mehr erwartet. Aber Weltmeister – das ist das wichtigste», sagte der Sieger, der eine Prämie von 60 000 US-Dollar erhielt. Vize- Weltmeister wurde Szymon Ziolkowski aus Polen mit 79,30 vor dem Russen Alexej Sagornji (78,09). Der mitfavorisierte Olympia-Zweite Krisztian Pars aus Ungarn ging leer aus.

Esser kam überhaupt nicht in den Wettkampf, hatte drei ungültige Versuche und konnte das 7,26 Kilo schwere Wurfgerät nur auf 76,27 Meter hinausschleudern. «Ich wollte einen ganz tollen Wettkampf hinlegen. Das Enttäuschendste für mich war, dass meine Familie oben auf der Tribüne saß», sagte der 29 Jahre alte WM-Vierte von Helsinki 2005. «Das fuchst mich total an, wenn ich heute keine Medaille hole, wann dann. Ich bin total sauer.»

Die Zukunft im Wurfkäfig gehört möglicherweise einem anderen Sportler des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: Der 23-jährige Sergej Litvinov, dessen gleichnamiger Vater für Russland 1983 und '87 Weltmeister, 1988 Olympiasieger und einst auch Weltrekordler war, konnte hoch erhobenen Hauptes das Olympiastadion verlassen. Mit 76,58 hielt er in dem Weltklassefeld mit. «Ich bin ehrlich gesagt etwas verwirrt, mit 76 Metern ein fünfter Platz, eigentlich muss ich glücklich sein.»

Geboren zu Sowjetzeiten in Rostow am Don wuchs der kleine Sergej in Weißrussland auf und besitzt noch heute neben der deutschen auch die russische Staatsbürgerschaft. Erst seit Juli 2008 ist der Sportsoldat für Deutschland startberechtigt. Im Sommer trainiert er bei Bundestrainer Michael Deyle gemeinsam mit Ex-Weltmeisterin Betty Heidler, im Winter in Weißrussland bei seinem berühmten Vater.