Archivierter Artikel vom 20.07.2010, 11:18 Uhr

Warentest: Anlageberatung bei Banken verschlechtert

Berlin (dpa). Die Anlageberatung bei Geldinstituten hat sich weiter verschlechtert. Wenige Monate nach Einführung der neuen Regeln für die Beratung von Bankkunden testete die Stiftung Warentest in 146 Beratungsgesprächen 21 Geldhäuser – mit erschreckendem Ergebnis.

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Anlageberatung
Schlechte Noten für Banken: Die Anlageberatung hat sich nach Angaben der Stiftung Warentest weiter verschlechtert. (Bild: dpa)

Sechs Institute bekamen die Note «mangelhaft». Die Note «gut» wurde gar nicht vergeben, wie die Stiftung am Dienstag (20. Juli) in Berlin mitteilte. Das «jämmerliche» Ergebnis sei noch schlechter als in einer ersten Studie im vergangenen Jahr. Verbraucherschützer forderten mehr Kontrollen.

«Verantwortlich für die schlechten Noten sind flächendeckende Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz», sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift «Finanztest». Geldinstitute müssen seit Jahresbeginn ein Beratungsprotokoll erstellen, wenn die Rede auf Wertpapiere kommt. In der Untersuchung, für die im März und April 146 Beratungsgespräche in Filialen geführt wurden, sei dies 126 mal der Fall gewesen. Doch bei mehr als der Hälfte der Termine (65 mal) habe es kein Protokoll gegeben, obwohl ausdrücklich danach gefragt worden sei.

Weitere Fragen an die Kunden, die gesetzlich vorgeschrieben sind, hätten die Berater nun häufiger gestellt als bei der vorigen Studie. «Trotzdem sind die Banken noch weit von einem guten Ergebnis entfernt», sagte Tenhagen. Rund ein Drittel der Testkunden seien etwa nicht nach Einkommen, Vermögensverhältnissen oder Ausbildung gefragt worden, was für eine Beratung aber nötig sei. In den meisten Fällen hätten die Berater zudem ein zu riskantes Anlagekonzept empfohlen. Im Test wurde danach gefragt, 35 000 Euro für zehn Jahre anzulegen. Am Ende sollte die Summe auf jeden Fall wieder da sein, auch bei möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.

Insgesamt schnitten die untersuchten Geldhäuser schlechter ab als bei einer vergleichbaren Studie im Sommer 2009. Damals bekamen zwei das Urteil «mangelhaft». Nun bekamen sechs Institute diese schlechteste Bewertung, zwölf die Note «ausreichend», drei Sparkassen ein «befriedigend». Ein Testsieger wurde nicht gekürt.

Die Stiftung Warentest forderte mehr Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen. Dafür sei etwa die Aufsichtsbehörde BaFin gefragt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband verlangte: «Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern.» Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen getrieben sein.

Warentest-Ergebnis Anlageberatung: http://dpaq.de/4x1Lt

Checkliste zum Beratungsprotokoll: http://dpaq.de/UQgTc

Liste mit den getesteten Banken: http://dpaq.de/coEgp

Expertenchat (28. Juli, 12.45 bis 14.00 Uhr): www.t88198792.de/chat/index.php?cid=332&id=stiwa2

So sollte ein Beratungsgespräch bei der Bank ablaufen

Was das Beratungsprotokoll bewirken soll

«Das Protokoll könnte der Bank zur Selbstkontrolle dienen und dem Kunden als Gedächtnisstütze darüber, was besprochen wurde», sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift «Finanztest». «Es könnte dem Kunden auch beim Vergleichen helfen und im Streitfall Beleg für Gesagtes und Nichtgesagtes sein.» Vorgeschrieben sei die schriftliche Zusammenfassung, wenn es im Beratungsgespräch auch um Wertpapiere gehe – also zum Beispiel Aktien, Fonds und Anleihen und nicht nur um Festgeld oder Sparbücher.