Archivierter Artikel vom 11.05.2012, 14:25 Uhr
Berlin

Vorläufiger Stopp der Solarkürzung ist Chance für Verbraucher

Die Pläne zur Kürzung der Solarförderung sind vorerst gestoppt – das kann eine Chance für Verbraucher sein, die bereits die Installation einer Anlage planen.

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Stopp der Solarkürzung
Der vorläufige Stopp der Solarkürzung ist auch eine Chance für Verbraucher.
Foto: Julian Stratenschulte – DPA

Verbraucher sollten ihre Pläne zur Installation einer Solaranlage weiter verfolgen, rät Frauke Rogalla, Referentin für Energiewirtschaft vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Denn in den anstehenden Verhandlungen im Vermittlungsausschuss könnten folgende Abmilderung der Kürzungen herausspringen:

Neue Übergangsfristen: «Es gelten nun vorläufig weiterhin die alten Fördersätze», sagt Frauke Rogalla. Wer somit derzeit mit seiner Anlage in Betrieb geht, erhält 24,43 Cent je Kilowattstunde garantiert für 20 Jahre. Wie lange dies noch der Fall ist, muss im Ausschuss geklärt werden. Auch längere Übergangsfristen stehen zur Debatte, erläutert Rogalla. Schon die nun vorläufig gestoppten Pläne sahen eine Übergangsfrist für Dachanlagen vor, für die ein Netzanschlussvertrag vor dem 24. Februar 2012 gestellt worden war und die bis zum 30. Juni in Betrieb gehen. Sie sollten den aktuellen Fördersatz erhalten.

Geringere Kürzung: Selbst wer es erst schafft, nach einer Übergangsfrist in Betrieb zu gehen, muss eventuell eine geringere Kürzung hinnehmen, erklärt Rogalla. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung sahen Kürzungen der Einspeisevergütung um bis zu 30 Prozent vor. Für Strom aus kleinen Dachanlagen bis zu 10 Kilowatt gäbe es dann zunächst 19,5 Cent je Kilowattstunde. Weitere Kürzungen sollten in den Folgemonaten anstehen. Besonders die ostdeutschen Länder streben aber eine geringere Kürzung der Förderung an.

Hausbesitzer, die sich zwar für eine Solaranlage interessieren, aber noch nicht mit der Planung begonnen haben, müssen dabei aber nichts überstürzen. Sie haben ohnehin wenig Chancen, noch von möglicherweise verlängerten Übergangsfristen zu profitieren. Denn laut der Expertin muss man von der Planung bis zur Installation einer Solaranlage zwei bis drei Monate Zeit einplanen. Auch nach der Kürzung dürften Prognosen zufolge die zuletzt schon stark gesunkenen Anlagenpreise aber weiter deutlich fallen und Solaranlagen für den normalen Hausbesitzer somit weiterhin wirtschaftlich sein.

Hinweise über den Gesetzesentwurf zur Solarkürzung und zur neuen Solarförderung, finden Verbraucher im Internet.

Gesetzentwurf zu Solarkürzung

Neue Solarförderung

Verbraucherzentrale zu Photovoltaik als PDF

Regelungen zu Eigenverbrauch Solarstrom

Wann sich eine Solaranlage lohnt

Ob sich eine Anlage zur Erzeugung von Solarstrom auf dem Dach lohnt, hängt vor allem von den örtlichen Bedingungen ab. Denn diese bestimmen, wie viel Strom am Standort produziert werden kann und wie viel Vergütung somit möglich ist.

Der Standort: Die Sonneneinstrahlung auf die Anlage variiert von Standort zu Standort. Dabei gibt es nicht grundsätzlich ein Nord-Südgefälle. Bremen und Hamburg, aber auch Orte im südlicheren Rheinland-Pfalz erreichen im Jahr nur bis zu 950 Kilowattstunden pro Quadratmeter, ermittelte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in Berlin. Hingegen können Anlagen in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns über 1050 erzielen, in Bayern sind stellenweise bis zu 1200 möglich. Die vom BSW ermittelten Werte für ganz Deutschland findet man im Internet.

Das Dach: Das optimale Dach ist nach Süden ausgerichtet, wie Georg Kruhl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erläutert. Bis einer Abweichung von 45 Grad von der Südrichtung habe man nur geringe Einbußen. Zeigt hingegen die Fläche nach Osten oder Westen, müsse mit Leistungseinbußen von bis zu 20 Prozent gerechnet werden. Der Neigungswinkel des Daches betrage optimalerweise 30 bis 50 Grad. Auf Flachdächern kommen die Anlagen auf entsprechend ausgerichtete Ständer.

Die Umgebung: Satellitenschüsseln und Schornsteine schränken den Sonnenschein auf die Dachanlage stark ein. Auch Bäume und Baulücken auf Nachbargrundstücken sollte man laut Kruhl beachten: Werden diese geschlossen oder wachsen die Bäume heran, kann ihr Schatten die Leistung der Anlage mindern.

Die Rendite: Wie viel man erwarten kann für seine Anlage, berechnet der BSW-Vergütungsrechner. Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage zu bestimmten Finanzierungskonditionen gibt ein Rechner des Umweltinstituts München.