Archivierter Artikel vom 21.08.2011, 13:32 Uhr
Hamburg

Ullrich hofft auf Schlussstrich und Resozialisierung

Jan Ullrich hofft auf einen Schlussstrich. Am Montag könnte – im günstigsten Fall für ihn – bei der Anhörung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS die vermeintliche Doping-Vergangenheit des Tour-de-France-Siegers von 1997 zu den Akten gelegt werden.

Lesezeit: 2 Minuten
Ex-Radstar
Wird sich Jan Ullrich zu seiner Vergangenheit äußern?
Foto: DPA

Aber auch eine Fortsetzung der unendlichen Geschichte ist möglich. Der Weltverband UCI hat Einspruch gegen die Entscheidung des Schweizer Olympischen Komitees eingelegt, das sich nach fast vierjähriger Prüfung der Akten für «nicht zuständig» erklärte.

Ullrich hatte seine Schweizer Lizenz noch vor seinem Rücktritt 2007 zurückgegeben und bis heute keine klaren Worte gefunden zu seinen juristisch klar belegten Verbindungen zum vermeintlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes. Allerdings kündigte sein neuer PR-Manager Falk Nier in einem Hörfunk-Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) eine baldige Stellungnahme des ehemaligen Radprofis an. Ob es dabei zu einem verspäteten Doping-Geständnis kommen könnte, ist offen. «Jan wird in gegebener Zeit zu seiner Vergangenheit Stellung nehmen. Jetzt können wir das nicht tun, weil möglicherweise noch ein Verfahren auf ihn zukommt», teilte Nier am Sonntag mit.

«Im Optimalfall bestätigt der CAS am Montag die Entscheidung von Swiss Olympic und die Sache ist erledigt. Wenn die Schweizer doch tätig werden sollen, geht alles wieder von vorne los und ein Ende ist nicht abzusehen. Wenn es dann zu einem Urteil kommt, kann das von Freispruch bis lebenslange Sperre für Tätigkeiten im Berufsradsport reichen», erklärte Ullrichs neuer Sprecher von der PR-Agentur des ehemaligen Tennis-Daviscup-Spielers Charly Steeb. Der Anhörung vor dem CAS in Lausanne wird Ullrich nicht beiwohnen. Bisher hat er Doping stets bestritten.

Nach überstandenem Burn-Out-Syndrom ist der 37-Jährige gerade wieder auf dem Weg zurück aus der selbst gewählten Isolation. Eine für ihn günstige CAS-Entscheidung würde ihm den Weg erleichtern. «Raus aus dem Tunnel – das ist sicher gut für ihn», meinte sein früherer Teamkollege Rolf Aldag, der mit seiner eigenen Doping-Vergangenheit anders umging und öffentlich gestand. «Es ist doch schön, ohne Getuschel im Rücken wieder zum Bäcker gehen zu können», sagte der HTC-Teamchef am Sonntag am Rande der Hamburger Cyclassics, bei denen Ullrich im nächsten Jahr im Jedermann-Rennen starten will. Nier: «Wir haben schon Kontakt mit den Veranstaltern aufgenommen.»

Ullrichs nächster größerer Auftritt ist der Ötztal-Marathon für ambitionierte Hobbyfahrer am 28. August an der Seite des ehemaligen Slalom-Weltmeister Frank Wörndl. Im Training für die 240 Kilometer lange Tortour über 5500 Höhenmeter hatte er versucht, als gemeldeter «Max Kraft» in Italien beim Dolomiten-Giro unerkannt zu bleiben. Das Inkognito hielt aber laut Nier nur fünf Minuten. Dann erkannten ihn die Fans und er war umringt von Fotografen – fast wie früher. «Das hat ihm Spaß gemacht. Der Radsport ist sein Leben und damit wird er immer in Verbindung stehen», sagte Nier.

Der Nachfolger des Autohändlers Wolfgang Strohband als Ullrich-Lenker möchte seinem neuen Klienten wieder einen anerkannteren Platz in der Öffentlichkeit verschaffen. Über Charity-Veranstaltungen und Jugend-Förderung sollen interessierte Sponsoren aktiviert werden. «Aber er will nicht zurück in den Profiradsport», sagte Nier. Insofern würde Ullrich eine lebenslange Sperre nicht besonders wehtun – abgesehen von weiterem Imageschaden, der die gerade erst in die Wege geleitete Resozialisierung sicher nicht befördern würde.