Archivierter Artikel vom 03.01.2020, 05:30 Uhr

Acht Stunden auch mit 80

So gelingt guter Schlaf im Alter

Wälzen statt Schlummern: Schlafstörungen sind eine Volkskrankheit, auch viele Ältere sind betroffen. Für sie wird es Zeit für einen Wechsel der Gewohnheiten – und ein Ende der Siesta.

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Schlafstörungen
Auch chronische Schmerzen oder Erkrankungen können Ursache für eine geringe Schlafqualität im Alter sein.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Bad Feilnbach/Dortmund (dpa/tmn) – Na, gut geschlafen diese Nacht? „Nein“, antworten da viele ältere Menschen – und halten das für ganz normal. Schließlich schläft man im Alter halt schlechter, oder?

Prof. Peter Young
Der Neurologe Prof. Peter Young ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).
Foto: Medical Park Holding SE/dpa-tmn

„Das ist ein weit verbreiteter Irrtum„, sagt der Neurologe Prof. Peter Young. Er ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell verschieden und genetisch festgelegt. Die einen brauchen fünf, andere zehn Stunden. „Dieser Bedarf verändert sich im Alter nicht zwangsläufig“, betont Young.

Tag-Nacht-Rythmus
Gegen Schlafstörungen: Tageslicht ist einer der wichtigsten Faktoren, um den Tag-Nacht-Rhythmus zu erhalten.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Schlafmittel sind keine Lösung

Hans-Christian Blum
Hans-Christian Blum ist leitender Arzt der Somnolab-Privatklinik für Schlafmedizin.
Foto: Dr. Hans-Christian Blum/dpa-tmn

Eine mögliche Ursache für geringe Schlafqualität sind zum Beispiel Erkrankungen. „Wer häufig nachts aufstehen und Wasser lassen muss, empfindet nur selten seinen Schlaf als erholsam“, sagt Hans-Christian Blum. Er ist leitender Arzt der Somnolab-Privatklinik für Schlafmedizin.

Das verleitet Betroffene häufig dazu, ein Schlafmittel zu nehmen. „Damit ist aber die Ursache der Schlafstörung nicht aus der Welt“, betont Young. Nach seinen Angaben gibt es 80 verschiedene Schlafstörungen, die alle gut therapierbar sind.

Mit dem Arzt über Gewohnheiten sprechen

Wer länger als vier Wochen schlecht schläft und sich morgens nicht erholt fühlt, sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Er überweist den Patienten gegebenenfalls an einen Schlafmediziner. Um zu einer genauen Diagnose zu kommen, lässt der Arzt den Patienten von seinen Gewohnheiten erzählen.

So können etwa psychosoziale Faktoren die Nachtruhe beeinträchtigen. „Vielen Älteren fehlt nach dem Eintritt in die Rentenphase eine Tagesstruktur“, erklärt Roland Popp. Er ist Wissenschaftler am Universitären Schlafmedizinischen Zentrum des Bezirksklinikums Regensburg.

Guter Schlaf dank Tageslicht

Hinzu kommen geringere soziale und körperliche Aktivitäten. Das kann den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigen. Zudem neigen viele Ältere dazu, sich weniger im Freien aufzuhalten. „Das Tageslicht ist aber einer der wichtigsten Faktoren, um den Tag-Nacht-Rhythmus zu erhalten“, so Popp.

Wer sich weniger im Freien aufhält, kann eine Lichttherapie bei einem Facharzt in Erwägung ziehen. „Diejenigen, die nachts nicht ausreichend zur Ruhe kommen, sollten in jedem Fall den Mittagsschlaf weglassen“, so Blum weiter. Hält jemand die Siesta für unverzichtbar, aus welchen Gründen auch immer, dann sollte sie nicht länger als etwa 20 bis 30 Minuten dauern.

Ruhe und Rhythmus sind wichtig

Ein weiteres Problem: Viele ältere Menschen gehen tendenziell früh am Abend ins Bett, mitunter sogar gegen 20 Uhr. „Dann müssen sie sich aber auch nicht wundern, wenn sie morgens um drei oder vier Uhr wach werden und nicht mehr einschlafen können“, erklärt Young. Denn zu dem Zeitpunkt sei das Schlafpensum oft schon erfüllt. In einem solchen Fall kann es helfen, wenn Ältere ihre Gewohnheiten ändern und später ins Bett gehen – „und zwar dann, wenn sie auch wirklich müde sind“, sagt Blum.

Damit das Einschlafen gelingt, sollte das Schlafzimmer dunkel und die Umgebung ruhig sein. „Wer schnell durch Lärm etwa von der Straße oder durch andere akustische Reize wach wird, sollte nachts Ohrstöpsel tragen“, rät Popp. Auch regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten fördern einen gesunden Schlaf – selbst dann, wenn man nicht mehr jeden Tag zur Arbeit geht.

Generell gilt aber: „Bitte etwas mehr Gelassenheit“, sagt Blum. Es sei völlig normal, dass man mal besser und mal schlechter schläft. Immer schlecht zu schlafen, ist aber auch im Alter nicht normal.