Archivierter Artikel vom 21.02.2014, 11:00 Uhr

Skicrosserin Wörner mit gebrochenem Schienbeinkopf

Krasnaja Poljana (dpa) – Als auch Skicrosserin Anna Wörner im roten Akja zur Untersuchung gebracht wurde, redete sich DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier so richtig in Rage.

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Schock
Anna Wörner wird nach langer Behandlung auf der Piste abtransportiert.
Foto: Jens Buettner – DPA

Angesichts möglicher Förderungskürzungen stellte er die Olympia-Zukunft von Ski-Freestyle in Deutschland infrage und schimpfte über die Organisatoren. «Ich bin ehrlich total angepisst, dass sich da Sportler so heftig verletzen, weil man glaubt, bei Olympia muss man etwas Besonderes machen», klagte der Spitzen-Funktionär des deutschen Skiverbands am Rand der herausfordernden Piste von Krasnaja Poljana.

Nach dem Ende mit bitterem Beigeschmack musste Maier den erneuten Winterspiele-Auftritt seiner Ski-Artisten ohne Edelmetall kommentieren, sorgte sich aber zunächst um das Wohl seiner Athleten. «Wenn die Verantwortlichen auf die Karte setzen, nur mit besonderen Stürzen oder extremen Überlastungen der Sportler Zuschauer zu cashen, dann geht es Sicht des Verbandes komplett in die falsche Richtung.»

Vor dem Olympiasieg der Kanadierin Marielle Thompson prallte Wörner im Viertelfinale auf die Piste, schleuderte durch die Luft und verletzte sich schwer. Schienbeinkopfbruch im rechten Knie und Kreuzbandriss lautete die bittere Diagnose. Im Training war Daniel Bohnacker bereits auf den Kopf geknallt, zudem gab es zahlreiche schwere Stürze in anderem Teams. «Das ist das Frustrierendste, wenn du von Olympia heimkommst und ein Lazarett mitschleifst», zürnte Maier über Sprünge von mehr als 50 Metern.

Einmal in Rage hinterfragte der Alpin-Verantwortliche gleich die jungen Olympia-Sportarten in Deutschland in Gänze, sollte die Förderung angesichts verpasster Medaillenziele gekürzt werden. «Wenn der DOSB es weiter möchte, soll er es fördern. Wenn er es nicht möchte, dann stellen wir es ein», sagte Maier in Richtung des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Laut Zielvereinbarung mit dem DOSB sollten die Ski-Freestyler bei den Winterspielen von Sotschi ein bis zwei Medaillen holen – wie schon in Vancouver gab es jedoch in Buckelpiste und Skicross kein Edelmetall. Auch in den neuen Disziplin Slopestyle und Halfpipe gab es nichts zu holen, im Sprung starteten keine deutschen Athleten.

«Schade und schlichtweg Ziel nicht erreicht», resümierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Ergebnis. «Es obliegt am Ende dem Fachverband, das machen wir oder nicht», sagte er bezüglich der Drohung Maiers. Allerdings zeigte sich der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes als Anhänger des Trendsports. «Ich würde in Anbetracht dessen, was hier in den neuen Disziplinen gezeigt wurde und in der Frage der Zukunftsorientierung, es für schade halten, wenn man sich diesen Themen nicht stellt.»

Die Gesamtförderung in Höhe von 700 000 Euro für neue Olympia-Sportarten im Deutschen Skiverband, wozu auch Frauen- Skispringen gehört, sei allerdings nicht ausreichend um schnell konkurrenzfähig zu sein, betonte Maier. «Die Beträge sind lächerlich im Vergleich, was international geboten wird», sagte er. «Da muss das (DOSB-)Präsidium die Entscheidung treffen, ob sie in 15 Disziplinen dabei sein wollen und überall nur zweitklassig oder ob sie vorne drinbleiben wollen und nur in weniger Disziplinen.» Es sei angesichts dieser Situation nicht richtig, nun die «Pistole auf die Brust zu setzen».

Hörmann wies diese Kritik zurück. Mit diesen Attributen sollte man vorsichtig sein», betonte der DOSB-Chef. «Ich denke, dass in den letzten Jahren vernünftige Voraussetzungen geschaffen wurden.»

Allerdings gibt es in Deutschland weiterhin keine Halfpipe. Dies beklagen auch die Snowboarder, die bei den Winterspielen von Sotschi vor den abschließenden Parallel-Slaloms ebenfalls keine Medaille gewonnen haben. Der Verband erhalte von DOSB, das seine Gelder vom Bundesinnenministerium bekommt, zwar Unterstützung beim Bau, aber nicht beim Unterhalt. Dies koste 140 000 bis 160 000 Euro pro Jahr. «Die Verbände können das nicht stemmen», betonte Maier.

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