Archivierter Artikel vom 19.09.2011, 07:40 Uhr

NFL: Vollmer-Verletzung dämpft Patriots-Party

Boston (dpa). Die Partie wurde zur Party und die Stimmung auf den Rängen und in der Kabine der New England Patriots hätte nicht besser sein können. Nur Sebastian Vollmer war nach dem 35:21-Heimsieg gegen die San Diego Chargers nicht zum Feiern zumute.

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Erfolgreich
Die Spieler der New England Patriots feiern ihren Sieg gegen die San Diego Chargers.
Foto: DPA

Als einer der letzten ging der einzige deutsche NFL-Profi in die Umkleide. Der Kopf war gesenkt, der Blick gedankenverloren. Der Rücken machte dem 27-jährigen Right Tackle erneut Probleme. «Ich habe durchgespielt, mehr will ich dazu nicht sagen», betonte Vollmer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Seine Stimme sowie Mimik und Gestik sprachen indes für sich. Vollmer hat Schmerzen. Zum Saisonauftakt hatte der 2,03 Meter Modellathlet aus Kaarst bereits wegen Rückenproblemen gefehlt, wurde beim 38:24-Sieg bei den Miami Dolphins von Neuling Nate Solder vertreten. Vergangene Woche konnte er nur eingeschränkt trainieren. Vor der Partie habe er sich jedoch gut gefühlt, so Vollmer. Und die Nummer 76 spielte stark, ließ keinen Gegner zu Quarterback Tom Brady durchkommen und ermöglichte mit seinen Nebenleuten in der Offensive-Line Brady somit abermals eine Gala-Vorstellung.

Der Patriots-Star warf nach seinem Karriere-Bestwert von 517 Yards in Miami diesmal Pässe über hervorragende 423 Yards – drei davon führten zu Touchdowns. «Er ist einer der besten Spieler, wenn nicht der Beste», meinte Vollmer. «Jeder in unserer Offensive hat gut gespielt. Einer alleine kann gar nichts machen», kommentierte Trainer Bill Belichick. «Wir haben zum richtigen Zeitpunkt unsere Punkte gemacht», lobte Vollmer, «endlich hat die Saison für mich jetzt auch begonnen, und ein Heimsieg ist immer gut.»

Am Sonntag spielen die Patriots bei den Buffalo Bills, die ebenfalls mit zwei Siegen gestartet sind. Vollmer will natürlich dabei sein. Rückenschmerzen sind für ihn nichts Neues. Im zweiten Jahr an der Universität von Houston, wo Vollmer vor seiner Karriere in der National Football League (NFL) spielte, musste er gar operiert werden und verpasste so die gesamte Saison 2006. Reden will er darüber nicht, betonte stattdessen, dass er nur nach vorne schaue.

Der ehemalige Düsseldorfer lebt von seiner Größe, Reichweite und Kraft. Auf seiner Position muss der 143-Kilo-Koloss die oftmals ebenso schweren Gegenspieler blocken oder sie im Pass-Spiel «irgendwie aus dem Weg räumen», wie er selbst sagt. Doch wenn der Rücken schmerzt, ist all das nur eingeschränkt möglich. Die Patriots haben über Vollmer immer als «Tackle der Zukunft» gesprochen. Bislang hat er alle Erwartungen erfüllt. Doch die Konkurrenz im eigenen Team ist stark und für Gefühle im knallharten NFL-Business kein Platz. Vollmer ist in seiner dritten Saison und die durchschnittliche Karriere in der Liga der kräftigen Kerle dauert nach Angaben der Spielergewerkschaft NFLPA nur 3,3 Jahre.