Archivierter Artikel vom 26.11.2021, 17:07 Uhr

Nackte Schönheiten, elektrisierende Momente – 5x: Motorrad-Neuheiten der EICMA 2021

Aktuell zeigen Zweiradhersteller aus aller Welt ihre Neuheiten auf der EICMA in Mailand. Fünf neue Motorräder stehen stellvertretend für gleich mehrere der großen Trends der Show.

Von Mario Hommen/SP-X
Zum 100sten Geburtstag hat sich Moto Guzzi und seine Fans mit der schicken V100 Mandello belohnt
Zum 100sten Geburtstag hat sich Moto Guzzi und seine Fans mit der schicken V100 Mandello belohnt

SP-X/Mailand. Die 78ste Auflage der Zweiradmesse EICMA in Mailand ist mit über 800 Marken aus 36 Ländern zwar deutlich bescheidener als in den Vorjahren besetzt, doch die Zahl der Premieren ist nichtsdestotrotz groß. Wir haben exemplarisch fünf Neuheiten aus diesem Pool herausgegriffen, die zugleich das Flair und einige Trends der italienischen Traditionsmesse wie auch die seit Jahren erlebbare Spannung zwischen Tradition und Aufbruch in eine neue Zukunft des Motorradbaus repräsentieren.

Moto Guzzi V100 Mandello

KB 4 heißt die neueste Kreation aus dem Hause Bimota. Hier die unverkleidete Version RC
KB 4 heißt die neueste Kreation aus dem Hause Bimota. Hier die unverkleidete Version RC

Wie keine andere Marke steht Moto Guzzi für die Tradition und Innovationskraft der italienischen Motorradindustrie. Dieses Jahr feiert Moto Guzzi stolz seinen 100sten Geburtstag, den zum Jahresende mit der Präsentation der neuen V100 Mandello auf der EICMA krönt wird. Die V100 verkörpert technisch viele historische Werte der Marke und steht zugleich für ein zukunftsfähiges Fundament. Wie seit Jahrzehnten wird auch die V100 von einem quer liegenden V2 angetrieben, der jedoch völlig neu konstruiert wurde und erstmalig eine Flüssigkühlung sowie 85 kW/115 PS bietet. Moderne Regelelektronik, digitales Cockpit und feine Fahrwerkskomponenten gehören selbstverständlich auch dazu. Voraussichtlich im Sommer 2022 soll die einerseits klassische wie anderseits topmoderne Guzzi in Deutschland aufschlagen.

Über 100 Kilometer soll die Niu RQi mit einer Akkuladung weit kommen
Über 100 Kilometer soll die Niu RQi mit einer Akkuladung weit kommen

Kawasaki Z650RS

Derzeit testet Verge sein in einigen Punkten überarbeitetes Elektromotorrad TS
Derzeit testet Verge sein in einigen Punkten überarbeitetes Elektromotorrad TS

Bereits einige Monate früher wird die neue Z650RS von Kawasaki zu den Händlern rollen. Bei dem neuen Naked Bike handelt es sich um ein schlichtes und zugleich doch schönes Retro-Modell, das zeitgemäße Technik mit viel 70er-Jahre-Flair in Einklang bringt. Keine Hightech-Superlative, keine Aggro-Allüren, kein Auto-Komfort. Motorradfahren in seiner klassischsten Form verspricht die 50 kW/68 PS starke und vermutlich um 8.000 Euro teure 650er. Und das in einer Zeit, wo Kawasaki wie kein anderer Motorradhersteller den Aufbruch in das elektrische Antriebszeitalter propagiert. Die Japaner wollen allein bis 2025 zehn elektrische oder hybridisierte Modelle auf den Markt bringen. Drei sind bereits für nächstes Jahr geplant.

Verge TS

Den Aufbruch in das Elektro-Zeitalter haben in den vergangenen Jahren vornehmlich Start-ups gewagt. Allerdings sind viele der hoffnungsvoll gestarteten Projekte jäh gescheitert. Umso erfreulicher ist es, wenn, wie im Fall der finnischen Zweiradschmiede Verge, einer dieser Newcomer einen längeren Atem beweist und auf der EICMA die finale Serienversion seiner TS zeigt. Und wie kaum ein anderes Elektromotorrad weckt dieses Modell Lust auf E-Mobilität. Dafür sorgt unter anderem das extravagante Design, das vor allem der ringförmig im speichen- und nabenlosen Hinterrad integrierte E-Antrieb mit 80 kW/107 PS sowie 1.000 Newtonmeter Drehmoment prägt. Der Sprint auf 100 km/h gelingt so in weniger als vier Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 160 bis 180 km/h reicht für ein Naked Bike. Im Autobahnbetrieb erlaubt die immerhin 20 kWh große Batterie 200 Kilometer Reichweite. Dank Schnellladetechnik soll das Aufladen in 40 Minuten möglich sein. Die 2022 verfügbare TS kostet vor Steuern 25.000 Euro, für deutsche Kunden kommen also noch rund 5.000 Euro Mehrwertsteuer obendrauf.

Niu RQi

In mehrfacher Hinsicht den Aufbruch in das neue Zweiradzeitalter repräsentiert das Elektro-Leichtkraftrad Niu RQi. Es steht stellvertretend für die mittlerweile massive Präsenz chinesischer Hersteller, die mit schicken wie technisch anspruchsvollen Motorrädern die EICMA auch dieses Jahr regelrecht fluten. Und dann steht Niu für einen Hersteller, der bereits seit Jahren mit bezahlbaren elektrischen Zweirädern erfolgreich ist. Bislang wurden von Niu jedoch nur Roller angeboten. Mit der RQi wagt sich das Unternehmen erstmals auch in die Welt der Motorräder. Zwar bietet das erste Niu-Bike mit 7,5 kW/10 PS, 100 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu 120 Kilometer Reichweite keine Superlative, doch ist es dafür mit einem Preis von rund 7.000 Euro durchaus massentauglich.

Bimota KB 4

Das Gegenteil von massentauglich ist die neue Bimota KB 4, die auf der EICMA in einer verkleideten sowie der nackten Version RC Premiere feiert. Seit Jahrzehnten steht die immer mal wieder strauchelnde Marke für diese besonderen italienischen Momente und eine ganz besondere Faszination im Motorradbau. Fast jeder Biker mit Herz wird sich irgendwann einmal im Leben auch in ein Modell von Bimota verguckt haben. Doch nur sehr wenige haben sich eine dieser exklusiven Diven gegönnt. Das wird auch im Fall der neuen KB 4 so bleiben, die mit 104 kW/142 PS starkem Kawasaki-Motor, faszinierender Optik und vielen hochwertigen und exklusiven Komponenten einen großen Will-haben-Faktor bietet, doch mit einem Preis von deutlich über 30.000 Euro den Kreis potenzieller Käufer ganz nach Bimota-Tradition klein halten wird.

Mario Hommen/SP-X