Archivierter Artikel vom 18.10.2020, 17:11 Uhr
Frankfurt/Main

«Schoßhündchen des IOC»

Kritik an Welt-Anti-Doping-Agentur wächst

Die Kritik an der Welt-Anti-Doping-Agentur nimmt zu. Besonders hart ins Gericht mit der Wada geht der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur.

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Travis Tygart
Der Leiter der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart.
Foto: Valentin Flauraud/Keystone/dpa

„Die Wada ist leider zum Schoßhündchen des Internationalen Olympischen Komitees geworden“, sagte Travis Tygart der ZDF-„Sportreportage“ in einem Beitrag über die Agentur mit Sitz in Montreal. „Wir alle wissen doch, dass das IOC und viele Sportfunktionäre keine schlechten Nachrichten über Doping hören wollen.“

Die Wada als Kontrollorgan sei nur ein Dienstleister für das IOC und kümmere sich nicht um das, was die sauberen Athleten erwarten würden, so Tygart. Auch Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der deutschen Nada, sieht Reformbedarf. „Das Leute in Gremien arbeiten, die in anderer Funktion noch im Sport tätig sind, das muss man hinterfragen“, meinte sie. „Wir würden uns wünschen, dass auch die nationalen Anti-Doping-Organisationen, die immerhin 70 Prozent der gesamten Anti-Doping-Arbeit weltweit machen, entsprechend mit ihrer Expertise berücksichtig werden.“

Wada-Präsident Witold Banka betonte, „intensiv an Transparenz und an Reformen“ arbeiten zu wollen, wies aber Forderungen, Repräsentanten das Sports und die IOC-Mitglieder aus den Gremien zu entfernen, als „absolut unrealistisch“ zurück. Dies würde die Wada-Struktur untergraben.

Tygart glaubt ohnehin nicht an eine Erneuerung der Wada, da es schon so viele Arbeitskreise gegeben habe, die von der Wada ausgewählt worden seien. „Ein schwer kranker Patient operiert sich doch auch nicht selbst, sondern es kommt ein Experte, ein Facharzt“, sagte er.

Besonders das Zaudern im russischen Staatsdoping-Skandal habe bei den Athleten auf der ganzen Welt zu massiven Vertrauensverlusten in die Wada geführt, sagte Maximilian Klein, Mitglied von der Vereinigung Athleten Deutschland, in der ZDF-Sendung. „Der Sport muss von einer unabhängigen Instanz reguliert werden.“ Und die Wada sollte diese unabhängige Kontrollinstanz sein. „Wenn sie das nicht wahrnehmen kann, zum Beispiel durch die Interessenkonflikte im Aufbau ihrer Struktur, dann versagt sie“, meinte Klein.

© dpa-infocom, dpa:201018-99-989656/2

Beitrag zur Wada-Reform auf wada-ama.org