Archivierter Artikel vom 29.03.2021, 04:15 Uhr

Umweltschutz in der Tiefe

Kanalbauer gehen Dingen auf den Grund

Meist nehmen wir die Kanalisation gar nicht wahr. Dabei ist sie essenziell: Sie führt sauberes Regenwasser in Flüsse und Abwasser in die Kläranlage. Für Bau und Instandhaltung sind Experten zuständig.

Umweltschutz in der Tiefe
Shenadi Osmani bespricht mit den angehenden Kanalbauern Issam Bhihi und Steffen Hallermann die Kontrolle der Dichtungen von Betonrohren auf einer Baustelle.
Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Hamm/Düsseldorf (dpa/tmn) – Ob Kunststoff, Keramik oder Beton: Damit Rohre zu Abwasserleitungen und -systemen werden, braucht es Experten. Kanalbauer arbeiten im Tief-, Straßen- und Wasserbau und kümmern sich dabei vom kleinen Hausanschluss bis hin zu großen Abwassersammlern.

Umweltschutz in der Tiefe
Ausbilder Gunther Sibilski (m.) überprüft mit dem Nivelliergerät, ob die angehenden Kanalbauer Einbauhöhe und Gefälle korrekt getroffen haben.
Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Der Bau der Kanalisationen, die das Abwasser in Kläranlagen leiten, ist für die Gesellschaft immens wichtig. „Ohne den Kanalbauer geht es nicht“, sagt Issam Bhihi. Er ist im ersten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Kanalbauer bei der Firma Heckmann in Hamm.

Umweltschutz in der Tiefe
Wie in allen Bau-Berufen lernen angehende Kanalbauer zunächst die Grundlagen: Azubi Issam Bhihi mauert einen Rundschacht aus Kanalklinkersteinen.
Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Kanalbauer konstruieren, sanieren und modernisieren Kanalsysteme und sorgen dafür, dass Abwasser umweltgerecht den Weg in die Reinigung findet – und somit das Grundwasser, das wir als Trinkwasser brauchen, vor Verunreinigung geschützt wird.

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Die angehenden Kanalbauer Issam Bhihi und Steffen Hallermann prüfen gemeinsam mit Ausbilder Gunther Sibilski ein grosses Polyethylenrohr.
Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Arbeit in der Tiefe

Umweltschutz in der Tiefe
Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum können sich die angehenden Kanalbauer ausprobieren: Issam Bhihi arbeitet an einem Sonderschacht.
Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Im Kanalbau führt man vorwiegend Tiefbauarbeiten aus, sagt Sandra Schelonka, Ausbildungsberaterin beim Berufsförderungswerk der Bauindustrie Nordrhein-Westfalen. Gruben und Schächte müssen ausgehoben, trocken gelegt und gesichert werden, bevor die Rohre verlegt werden können. Dies geschieht oft unter Einsatz moderner Technik. Aber auch viel Handarbeit gehört dazu. Körperliche Fitness und Belastbarkeit sind gefragt, der Beruf ist anstrengend. Auch Spaß an der Arbeit im Freien ist eine wichtige Voraussetzung.

Steffen Hallermann hat der Umweltgedanke in der Abwasserwirtschaft schon interessiert. Er absolviert bei der Firma Heckmann ein duales Studium. Neben der Kanalbauer-Ausbildung besucht er die Hochschule und macht einen Bachelor of Engineering. „Nach vier Jahren ist man ausgelernter Geselle, hat gleichzeitig seinen Bachelortitel und es eigens finanziert“, sagt er. Ohne Disziplin geht das nicht. Wenn man aber Interesse für das hat, was man tut, fällt das Lernen leichter.

Präzises Arbeiten auf engem Raum

Im innerstädtischen Kanalbau sei alles auf engem Raum gebaut, sagt Hallermann. Kanalbauer müssen daher sehr präzise arbeiten und sich exakt an den Bauzeichnungen orientieren, damit in den Leitungen alles ordentlich fließen kann. Mit speziellen Vermessungsgeräten wie Nivelliergeräten wird etwa das notwendige Gefälle richtig bestimmt. Ein mathematisches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick sollten Interessierte deshalb mitbringen.

In den ersten zwei Jahren lernen Auszubildende alles, was sie für die Abschlussprüfung zum Tiefbaufacharbeiter mit Schwerpunkt Kanalbauarbeiten wissen müssen. Im dritten Ausbildungsjahr folgt die Spezialisierung für den Abschluss als Kanalbauer: Da geht es etwa um das Herstellen von Schachtbauwerken, den Einbau von Abwasserleitungen und das Sanieren und Instandsetzen von Kanälen.

Im Betrieb erlernen Azubis vor allem die praktischen Tätigkeiten wie Rohre verlegen, Baugruben verbauen oder Schächte mauern, erklärt Shenadi Osmani, Leiter der Berufsausbildung bei Heckmann. Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum und in der Berufsschule dreht sich dagegen alles um Gewerke übergreifende Tätigkeiten, etwa aus dem Straßen-, Rohrleitungs- oder Brunnenbau. „Im Team arbeitet man an Projekten, die eventuell über 100 Jahre Bestand haben“, sagt Osmani.

Gute Berufsaussichten

Die Berufsaussichten für angehende Kanalbauer sind wie fast überall in der Baubranche gut. „Kanäle sind extrem marode. Es ist ein krisensicherer Job“, sagt Gunther Sibilski, der als Ausbilder im Kanalbau beim Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW tätig ist.

Auch die Vergütung für die Nachwuchskräfte ist vergleichsweise hoch. Die Bundesagentur für Arbeit gibt für tarifgebundene Betriebe Orientierungswerte von etwa 805 bis 890 Euro brutto pro Monat im ersten Lehrjahr an. Im dritten Ausbildungsjahr verdienen angehende Kanalbauer je nach Bundesland und Betrieb bis zu 1495 Euro.

© dpa-infocom, dpa:210326-99-987333/2

Berufsbild beim BMWI

Berufsbild bei der Bundesagentur für Arbeit