Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 11:52 Uhr

Jamaika – die neue Supermacht im Sprint

Berlin (dpa). Jamaika hat die USA als Supermacht im Sprint abgelöst. Bei der Leichtathletik-WM in Berlin gewannen die Athleten von der Karibik-Insel vor dem letzten Wettkampf-Tag siebenmal Gold auf den 14 Strecken von 100 bis 400 Meter – die Hürden- und Staffelläufe eingerechnet.

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Dominant
Die Jamaikanerinnen Bailey, Facey, Stewart und Fraser (v.l.) siegen über 4 x 100 Meter.

Dazu kommen drei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Allein Usain Bolt trug drei Siege zu dieser Bilanz bei. Er ist nach Maurice Greene (1999) und Tyson Gay (2007/beide USA) erst der dritte Sprinter, der bei einer WM drei Titel gewann.

Schon bei den Olympischen Spielen 2008 hatte Jamaika sechs Gold- und vier weitere Medaillen im Sprint geholt. Vor einem Jahr liefen die Insulaner den USA auf den Kurzstrecken erstmals davon. Noch 2007 bei den Weltmeisterschaften in Osaka hatte Jamaika nur einen Titel durch Veronica Campbell über 100 Meter geholt.

Die ehemalige britische Kolonie hat nur rund 2,8 Millionen Einwohner. Für die gemessen daran sehr hohe Dichte an Weltklasse-Athleten gibt es mehrere Gründe. Sprint ist Volkssport auf Jamaika. Er hat dort eine weitaus größere Bedeutung als in den USA. Der nationale Leichtathletik-Verband JAAA hat ein Sichtungssystem aufgebaut, das Talente frühzeitig in ihren Schulen entdeckt. Allerdings gilt das Dopingkontrollsystem auf Jamaika als lückenhaft. Die nationale Anti-Doping-Kommission JADCO hat erst 2008 ihre Arbeit aufgenommen. Es gibt Zweifel, dass sie bereits funktionsfähig ist.

Die Erfolge in Berlin überdecken, dass es auch innerhalb des jamaikanischen Teams Differenzen gibt. Drei Tage vor der WM wollte der Verband JAAA sechs Sprinter nach Hause schicken, weil sie mit ihrem Coach nicht ins Trainingslager der Nationalmannschaft gereist waren. Jetzt hat die Gruppe um Shelly-Ann Fraser, Melanie Walker und Asafa Powell schon fünf Einzel-Medaillen gewonnen.