Archivierter Artikel vom 01.12.2011, 15:25 Uhr
Bremen

Im Netz für den Traum vom eigenen Laden sammeln

Bremer Jungunternehmer haben sich mit Internet-Spenden den Traum vom eigenen Cupcake-Laden erfüllt. Diese Art der Finanzierung wird Crowdfunding genannt. Sie bietet Unterstützern die Möglichkeit, Einfluss auf das Projekt zu nehmen – und liegt im Trend.

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Cupcake-Laden
Nadine Windhorst präsentiert eine Auswahl ihrer selbst gebackenen Cupcakes. (Bild: Ingo Wagner/dpa)
Foto: DPA

Um zwölf Uhr mittags dreht Nadine Windhorst das Türschild auf «Open» um. Schon eine halbe Stunde später geht der letzte «Schoko-Oreo»-Cupcake über die Theke. Die kleinen Kuchen sind überall angesagt, seitdem der Trend aus den USA auch Deutschland erreicht hat. Und anderthalb Stunden nach Öffnung schauen die Kunden dann auch bei anderen Cupcake-Sorten nur noch auf leere Teller.

Aus der Schnapsidee, wie Windhorst sagt, ist ein gut gehendes Geschäft im Bremer Schnoorviertel geworden – und aus der Erzieherin eine Vollzeit-Backfee. Noch vor einem Jahr hätte die 27-Jährige sich das nicht träumen lassen.

Doch dann waren da plötzlich eine Idee, eine Internetseite und hunderte Unterstützer, die online für den Laden «Jake loves Cake» spendeten. Die erreichten die Frau und ihr Mann Kevin Windhorst über ihren Blog, Facebook, Twitter, Flickr und Mundpropaganda.

Im Internet Spenden für ein Projekt sammeln: Diese Art der Finanzierung heißt Crowdfunding oder Schwarmfinanzierung. Auf verschiedenen Plattformen im Internet oder auf der eigenen Webseite können Künstler und Kreative ihr Projekt oder ihre Geschäftsidee vorstellen.

Dabei geben sie an, welchen Betrag sie durch Online-Spenden zusammenbekommen wollen. «Die meisten Projekte funktionieren nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip», sagt Stefan Klix, Masterstudent im Fach Medienkommunikation an der Technischen Universität Chemnitz, und Teil eines Forschungsteams zum Thema Crowdfunding.

Das heißt: Wird der avisierte Betrag erreicht, wird das Projekt umgesetzt – andernfalls bekommen die Spender ihr Geld zurück oder es kommt einem gemeinnützigen Zweck zugute.

Nadine und Kevin Windhorst verdanken dem Crowdfunding 3000 Euro. «Es haben so viele Leute gespendet, obwohl sie weder uns kennen noch einen Cupcake je probiert haben», erzählt die junge Frau. Bis zum Sommer kam das nötige Geld zusammen, im Oktober konnten die Windhorsts ihren Laden eröffnen.

Eine Besonderheit des Crowdfunding ist, dass die Unterstützer etwas für ihre Spende bekommen. Die Fans von «Jake loves Cake» haben für eine Spende von fünf Euro einen Anstecker erhalten – für 40 Euro ein T-Shirt und eine namentliche Erwähnung auf der Crowdfunder-Wand, die wie eine große Menütafel das Bild des Ladens bestimmt.

«Das ist ein wichtiger Vorteil des Crowdfunding», sagt Klix. «Ich habe eine Beziehung zu dem Projekt und kann Einfluss nehmen.» Wenn Nadine Windhorst neue Cupcakes kreiert, fragt sie in ihrem Blog nach der Meinung der Unterstützer. Auch bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie hätten zahlreiche Fans Vorschläge gemacht.

Der Laden im Schnoor ist jedoch mehr eine Übergangslösung. In der sechs Quadratmeter kleinen Küche kann Nadine Windhorst bis zu 200 Cupcakes am Tag backen. Aber um aus «Jake loves Cake» ein richtiges Café zu machen, ist das Platzangebot zu gering. Doch bevor sie sich vergrößern, wollen Nadine und Kevin Windhorst erst einmal abwarten, ob die Cupcakes auch weiterhin weggehen wie warme Semmeln oder ob es sich nur um eine anfängliche Euphorie handelt.

Ob Crowdfunding eine Finanzierungsstrategie mit Zukunft ist, kann auch Klix nicht sagen. Für viele sei die Technik, wie etwa eine Online-Überweisung, eine Hemmschwelle. «Ich glaube, dass da noch jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.»

«Jake loves Cake»

Blog der TU Chemnitz zum Thema