Archivierter Artikel vom 06.06.2013, 07:05 Uhr
Berlin

Hochwasser: Zwischen Untergang und Hoffnung

Das Hochwasser auf Elbe, Donau und Saale hat am Mittwoch Tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Allein in Halle waren bis zu 30 000 Menschen bedroht. Dort stieg die Saale auf den höchsten Stand seit 400 Jahren.

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Nur noch die Dächer einer Siedlung ragen bei Deggendorf aus dem Donauhochwasser.
Nur noch die Dächer einer Siedlung ragen bei Deggendorf aus dem Donauhochwasser.
Foto: DPA

In Bayern überschwemmte die Donau mehrere Ortschaften – von manchen Häusern schauten nur noch die Dächer aus der braunen Flut. Der Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers sollte heute Dresden erreichen. Weiter stromabwärts rechnen die Elbanrainer für die kommenden Tage mit Rekordständen.

Donau: Die Hochwasserwelle erreichte in Deggendorf am Mittwochnachmittag ihren Scheitelpunkt. Mehrere Ortschaften in Niederbayern wurden überschwemmt. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, manche wurden mit Hubschraubern gerettet. Einige wollten bleiben, obwohl das Wasser bereits das Erdgeschoss geflutet hatte. „Die Hochwasserlage an der Donau ist weiterhin sehr ernst“, mahnte ein Landkreis-Sprecher. Allein in Passau normalisierte sich die Lage.

Halle: In Halle stieg die Saale am Pegel Trotha auf ein Rekordhoch von 8,09 Metern, normal sind dort knapp 2 Meter. Zunächst sollten 1000 Hallenser ihre Häuser verlassen, im schlimmsten Fall könnten nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt 30 000 Menschen betroffen sein. 3322 hatten landesweit schon ihre Häuser verlassen.

Elbe: Mühlberg in Brandenburg begann damit, 2500 seiner 4000 Bürger aus der Gefahrenzone zu holen. „Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Der Wasserstand erreichte nach Behördenangaben 9,02 Meter und könnte bis Freitag auf 10,20 Meter steigen – höher als bei der Rekordflut im August 2002. Die niedersächsischen Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg riefen wie zuvor schon Magdeburg Katastrophenalarm aus. Dort werden mehr als zwei Millionen Sandsäcke befüllt. Der Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, Jürgen Meyer, hat indes keine Sorge vor einem Ausmaß des Hochwassers wie vor elf Jahren: „Wir haben eine andere Situation. 2002 hatte Hitzacker keinen Hochwasserschutz.“ Das an Hochwasser gewöhnte Lauenburg in Schleswig-Holstein evakuiert erstmals die von der Elbeflut bedrohte Unterstadt. Betroffen sind bis zu 150 Häuser. Auf der Elbe wurden zudem zwei treibende Gastanks aus Tschechien gesichert. Ein dritter Tank war zuvor im tschechischen Hrensko gestoppt worden. Die tonnenschweren Behälter enthielten etwas Stickstoff. Die Flut hatte sie im Hafen von Decin fortgeschwemmt.

Dresden: Mehrere Hundert Dresdner wurden vor der Elbeflut in Sicherheit gebracht. Dort stieg das Wasser am Abend auf einen Pegelstand von 8,58 Meter. „Die Pegelstände werden über einen langen Zeitraum in der höchsten Warnstufe bleiben“, sagte eine Sprecherin des Landeshochwasserzentrums.

Thüringen: Immer mehr Menschen in Thüringens Hochwassergebieten können allmählich aufatmen. Die Lage an den Flüssen entspannte sich, wie ein Polizeisprecher sagte. Das Aufräumen begann. Das Ausmaß der Zerstörung könne erst abgeschätzt werden, wenn das Wasser komplett abgelaufen sei, sagte ein Sprecher der Stadt Gera.

Rhein: Das Hochwasser am Mittelrhein sinkt nur sehr langsam. „Es dauert außergewöhnlich lange“, sagte Siegfried Schmidt vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt. Mit einem deutlichen Rückgang sei erst heute zu rechnen. Probleme gab es vor allem rund um die Loreley. In St. Goarshausen sank das Wasser noch nicht merklich. Am Oberrhein, den der Hochwasserscheitel bereits am Montag passiert hatte, gingen die Pegelstände dagegen schon deutlich zurück.