Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 11:52 Uhr

Heidler hin und weg: «Schöner als das Gold»

Berlin (dpa). «Das ist der Hammer», brüllte Betty Heidler am Ende des denkwürdigen Abends ins Stadionmikrofon – und war am nächsten Morgen noch ganz erschlagen.

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Silber
Betty Heidler freut sich bei der Medaillenvergabe.

«Keine von uns wird das vergessen. Es war der beste Hammerwurf-Wettkampf, den es je gegeben hat auf der Welt», sagte die Silbermedaillengewinnerin. Dass die Polin Anita Wlodarczyk der gebürtigen Berlinerin den Titel entriss und den Weltrekord auf 77,96 Meter steigerte, störte die Weltmeisterin von 2007 kaum. Die Silbermedaille, ihr deutscher Rekord und vor allem die Begeisterung der Zuschauer – «das ist schöner als das Gold.»

Umarmung
Betty Heidler Arm in Arm mit Maskottchen «Berlino».

Heidler und ihre Trainingskollegin Kathrin Klaas, die Martina Hrasnova aus der Slowakei überraschend Vierte wurde, genossen das Bad in der Menge. Als das Olympiastadion dann fast schon leer war, standen die beiden strahlenden Werferinnen von der LG Eintracht Frankfurt bei den letzten Fans, fielen Freunden und Familienmitgliedern um den Hals und schrieben Autogramme. «Normalerweise sind wir ja fertig, wenn die Veranstaltung noch gar nicht angefangen hat», sagte Klaas nach der halbstündigen Ehrenrunde.

Finale
Betty Heidler zeigt ein starkes Finale.

Zehn Jahre nach ihre WM-Premiere 1999 feierten die Hammerwerferinnen ein fulminantes Fest und das Ende des Mauerblümchen- Daseins: In den letzten beiden Durchgängen hatten Wlodarczyk, Heidler und Co. die 60 000 Zuschauer für sich alleine. «So was habe ich noch nie erlebt», sagte die Lokalmatadorin und suchte nach Superlativen: «Unglaublich! Total toll! Ich hab wirklich viel erwartet, aber das hat alles übertroffen.»

Jubelsprung
Mit der deutschen Fahne in der Hand begibt sich Betty Heidler auf die Ehrenrunde.

Damit meinte sie aber auch ihre starke Serie. Im letzten Versuch schleuderte Heidler das vier Kilo schwere Wurfgerät sogar auf 77,12 Meter hinaus – 57 Zentimeter weiter als bei ihrem deutschen Rekord von 2006. Wlodarczyk hatte aber zuvor den Weltrekord der Russin Tatjana Lysenko, die gut zwei Monate nach Ablauf ihrer Dopingsperre als Sechste enttäuschte, um 16 Zentimeter auf 77,96 gesteigert. Damit kassierte sie insgesamt 160 000 US-Dollar (rund 111 700 Euro) Sieg- und Rekordprämie.

Weltmeisterin
Die Polin Anita Wlodarczyk kann ihren Erfolg kaum fassen.

Heidler bekam für Silber 30 000 Dollar. «Das ist wirklich der glücklichste Tag in meinem Leben», meinte die 24-jährige Wlodarczyk bei der Pressekonferenz, humpelte dann aber mit schmerzverzerrtem Gesicht davon: Die Weltmeisterin hatte das Kunststück vollbracht, sich bei ihrem Freudensprung am Knöchel zu verletzen.

Bestleistung
Kathrin Klaas freut sich über ihre Weite im Finale.

Wie ein Gummiball hüpfte Heidler nach ihrem Rekord-Wurf auf und ab. «Ich hab' zwar Gold verloren, aber Silber gewonnen. Ich bin einfach nur happy und zufrieden», meinte die Jurastudentin und kündigte ihren Konkurrentinnen einen heißen Kampf für die EM 2010 in Barcelona an: «Die Jagd geht weiter.» Für einen Moment schlich sich bei Heidler dann doch noch Wehmut ein. «Ich weiß nicht, ob jemals wieder ein Wettkampf an das gestern rankommt.» Kopfschüttelnd erzählte sie, dass fünf Jungs im Publikum auf ihren Oberkörpern die Buchstaben ihres Vornamens geschrieben hatten. 50 Karten habe sie für Freunde und Verwandte besorgt, am Ende seien etwa 200 dagewesen.