Archivierter Artikel vom 07.12.2011, 12:20 Uhr
Rheinland-Pfalz

Heftiger Knall irritiert Zehntausende in der Region

Zwei belgische F-16-Kampfflugzeuge haben den Doppelknall am Mittwochmittag verursacht. Laut Bundeswehr war der Kontakt zu einer Passagiermaschine aus bislang ungeklärter Ursache abgebrochen, woraufhin Regeln des Nato-Protokolls griffen.

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Rheinland-Pfalz – Nach Informationen der Rhein-Zeitung haben zwei belgische F-16-Kampfflugzeuge den Doppelknall am Mittwochmittag verursacht.

Das bestätigte uns am frühen Nachmittag die Bundeswehr. Demnach war der Kontakt zu einer Passagiermaschine aus bislang ungeklärter Ursache abgebrochen. Daraufhin griffen Regeln des Nato-Protokolls: Die Kampfjets stiegen von Belgien aus auf und folgten der Passagiermaschine. Kurz darauf gab es jedoch wieder Entwarnung: Der Kontakt zur Maschine wurde wiederhergestellt.

Der heftige Knall kurz nach 11.30 Uhr hatte im nördlichen Rheinland-Pfalz Zehntausende verschreckt und verunsichert – und zahlreiche Spekulationen ausgelöst. Er war von der Eifel bis in den Westerwald und nach Mainz zu spüren. Zeugen hatten berichtet, zum Zeitpunkt des Knalls zwei Kampfflieger am Himmel gesehen zu haben.

Die Mitteilung der Bundeswehr im Wortlaut:

„Nach Auswertung der hier zur Verfügung stehenden Radar- und Flugbetriebsdaten unserer Fachabteilung konnte festgestellt werden, dass am 7. Dezember 2011 gegen 11.30 Uhr Ortszeit zwei belgische F-16-Kampfflugzeuge einen Schutzflug zur Wahrnehmung luftpolizeilicher Aufgaben unter Kontrolle der Luftverteidigung durchgeführt haben.

Im Rahmen dieser Flugbewegung wurde über dem geschilderten Bereich die Schallgeschwindigkeit überschritten. Die festgestellte Flughöhe lag bei 34.000 Fuß (entspricht etwa 10,35 Km über Normal Null).“

[Update:] Im Gespräch mit der Rhein-Zeitung erklärte ein Presseoffizier der Bundeswehr am Nachmittag, dass der Kontakt zur Maschine über Belgien abgebrochen gewesen sei. Bei dem Flugzeug habe es sich um eine Boeing gehandelt.

Es komme nach seinen Worten durchaus „häufiger“ vor, dass der Funkkontakt zu Flugzeugen abbricht. Er sprach dabei von „mehrmals im Monat“. Die große Aufmerksamkeit in der Region habe freilich mit dem Überschallknall zu tun, den die Flugzeuge nach sich zogen.

Was der Grund für den abgerissenen Funkkontakt war, konnte der Presseoffizier nicht sagen. Häufig seien Bedienfehler der Piloten die Ursache, manchmal auch eine störende Wettersituation.

Das Geschehen im Rückblick

Mittwoch, kurz nach 11.30 Uhr: Ein heftiger Knall, gefolgt von einem zweiten, etwas leichteren. Scheiben scheppern, über Twitter hagelt es sofort Vermutungen. „Ein Explosion“, fragen Menschen in Montabaur genauso wie in Koblenz und Neuwied. Aus Mainz berichtete ein Twitterer, dass sich eine Scheibe gelockert habe. Ein anderer schreibt, dass er einen Riss in der Wand im Hausflur bemerkt habe, der vorher nicht dagewesen sei. Bei der Polizei sind dagegen keine Schadensmeldungen eingegangen, wie das Präsidium Mainz mitteilte. Früh kam die Vermutung auf, „dass die Schallmauer durchbrochen wurde“.

Die Deutsche Flugsicherung in Langen bestätigte das schließlich nach eigenen Recherchen: „Es gab ein militärisches Flugereignis“, so eine Sprecherin. Für weitere Auskunfte verwies sie an das Bürgertelefon. Dort liefen die Drähte besorgter Bürger heiß. In Höhe von mehr als elf Kilometern sind Überschallflüge erlaubt. Zeugen berichteten, zum Zeitpunk des Knalls zwei Kampfflieger am Himmel gesehen zu haben.

Schall in Kegelform

Zum Knall kommt es, wenn eine Maschine schneller als rund 1220 km/h fliegt – die genaue Zahl hängt von verschiedenen Bedingungen ab – unter anderem von der Höhe. Den Knall gibt es nicht beim Durchbrechen der Schallmauer, sonden sie erzeugen den Knall, so lange sie schneller fliegen. Der Schall wird dann in Kegelform hinter der Maschine hergezogen. Die Lautstärke des Knalls ist auch abhängig von der Geschwindigkeit – beim Zwischenfall am Mittwoch dürfte das Tempo also deutlich über der Schallgeschwindigkeit gelegen haben.

mr/nra/afu/msc