Archivierter Artikel vom 08.02.2012, 18:10 Uhr
Mainz

Gegen Fluglärm: Mainzer Kinder an die Macht

Kinder leiden besonders unter Fluglärm. Darum wollen Mainzer Eltern gemeinsam mit Schulkindern am Montag, 13. Februar, in Frankfurt demonstrieren.

Mit Kindern wird die Initiative der Mainzer Oberstadt erneut an der Demonstration im Frankfurter Terminal teilnehmen. 
Foto: Rebecca Schäfer
Mit Kindern wird die Initiative der Mainzer Oberstadt erneut an der Demonstration im Frankfurter Terminal teilnehmen.
Foto: Rebecca Schäfer – fds

Mainz – „Fluglärm behindert die Lern- und damit die Zukunftschancen der Kinder.“ Darum hat der Schulelternbeirat der Grundschule an den Römersteinen für kommenden Montag, 13. Februar, von 18 bis 19 Uhr zur Teilnahme an der Demonstration im Frankfurter Flughafen aufgerufen. Und in kurzer Zeit viel Zuspruch von anderen Eltern bekommen, berichtet Betty Willingstorfer vom Schulelternbeirat der Grundschule an den Römersteinen.

Eltern von sechs anderen Schulen, vorwiegend Grundschulen, haben auf ihr Rundschreiben geantwortet. Willingstorfer hofft, dass es 300 bis 400 Eltern und Kinder werden, die mit den Logos ihrer Schulen auf die Folgen des Fluglärms für ihre Gesundheit und auch für den Unterricht hinweisen. Der Auftritt der Kinder müsse aber nicht fastnachtlich sein, stellte Willingstorfer klar. Dies hatte der Verein „Lebenswertes Mainz und Rheinhessen – Gegen Fluglärm und Ausbau des Frankfurter Flughafens“ angeregt (die MRZ berichtete).

Zwei Aspekte hebt Willingstorfer besonders hervor: „Zum einen wird die Kommunikation im Unterricht gestört, weil viele Schulen in Mainz direkt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens liegen.“ Der Lärm werde noch schlimmer, wenn es draußen wärmer wird und die Fenster in den Klassenräumen geöffnet werden. Darum heißt das Motto des Demo-Aufrufs: „Ich lerne, du lernst, es lärmt!“

Außerdem werden die Kinder in ihrer Nachtruhe gestört. Denn sie brauchen mehr Schlaf als erwachsene Menschen. Und der Fluglärm unterbreche die Nachtruhe permanent. Studien hätten ergeben, dass die Schulleistungen von Kindern, die in Einflugschneisen wohnen, deutlich sinken würden.

Die Schulen selbst halten sich heraus, was die Teilnahme an der Demonstration betrifft, erläuterte Willingstorfer. Sie betonte, dass es sich bei der Demonstration selbstverständlich nicht um eine schulische Veranstaltung handelt. Eltern der Grundschule an den Römersteinen seien auf die Idee zur Teilnahme gekommen. Anfangs habe sie gedacht, dass vielleicht zehn Eltern mitmachen.

In Sabine Velte hat sie eine Mitstreiterin, die auch in der Bürgerinitiative gegen Fluglärm Mainz-Oberstadt aktiv ist. Diese hält Kritikern, die von einer Instrumentalisierung der Kinder sprechen, wenn man sie zu einer Demonstration mitnimmt, entgegen: „Ich lebe meinem sechsjährigen Sohn ein Stück Demokratie vor und setze mich dafür ein, ihm eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.“

Ein wenig närrisch soll es laut der Oberstadt-Initiative am kommenden Montag aber auch zugehen, berichtet BI-Sprecher Jochen Schraut. Zwei erwachsene Demonstranten wollen als „Schwellköpp“ teilnehmen. Außerdem werden Mediziner zu Wort kommen, die sich zu den Auswirkungen des Lärms auf das Lernverhalten und die Gesundheit äußern werden.

Anfahrt ab Hauptbahnhof um 17.02 Uhr auf Gleis 4 A oder Römisches Theater um 17.36 Uhr auf Gleis 4 am Montag, 13. Februar, gemeinsam mit Mitgliedern der Bürgerinitiative.

Von unserem Redakteur

Armin Thomas