Archivierter Artikel vom 20.11.2019, 20:48 Uhr

Fritz von Weizsäcker – Mediziner mit geschichtsträchtigem Namen

Nur wenige Familiennamen wecken in Deutschland so viele Assoziationen wie von Weizsäcker. Dunkelste NS-Vergangenheit, Bekenntnis zur deutschen Verantwortung, wegweisende Wissenschaft und Politik. All diese Elemente ranken sich um den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920–2015) und seine Familie.

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Richard von Weizsäcker mit  seinem Sohn Fritz im Jahr 1989
Richard von Weizsäcker mit seinem Sohn Fritz im Jahr 1989
Foto: dpa
Fritz von Weizsäcker wurde 1960 in Essen nach drei Geschwistern in diese so bekannte Familie geboren. Sein Vater war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor für die CDU Regierender Bürgermeister von Westberlin. Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Zu diesem Zeitpunkt hatte Richard von Weizsäcker bereits ein sehr dunkles Kapitel der Familiengeschichte hinter sich: Bei den NS-Prozessen in Nürnberg verteidigte der Jurist seinen Vater Ernst von Weizsäcker, der dort wegen Mitwirkung an Deportationen französischer Juden nach Auschwitz als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. Als Bundespräsident bezeichnete Richard von Weizsäcker 1985 in einer international beachteten Rede das Kriegsende nicht als eine Niederlage Deutschlands, sondern als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

Fritz von Weizsäcker gehörte zu einer Generation, die sich auch kritisch mit der NS-Nähe mancher Familienmitglieder auseinandersetzte. Es müsse „alles glasklar geklärt“ werden, zitiert ihn der Chronist Hans-Joachim Noack in seinem Buch „Die Weizsäckers“. Bis dahin sei er mit seinen Ahnen „komplett im Reinen“ und wolle sich nicht zum „Chefankläger oder Strafverteidiger“ machen. Kritik an der Familie, die untereinander nicht immer zimperlich ist, wehrt Fritz von Weizsäcker ab: „Wir sind zunächst einmal wir.“

Ein familiärer Schicksalsschlag war prägend für sein berufliches Leben. Laut Noack hoffte er, seinen bereits Ende der 70er-Jahre an Krebs erkrankten Bruder Andreas vielleicht retten zu können. Fritz von Weizsäcker studierte Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Die Karriere des Arztes verlief steil: Nach dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie wurde er 2003 Professor für innere Medizin an der Universität Freiburg. Zu seinen weiteren Stationen zählten neben Freiburg die Harvard Medical School in Boston und das Universitätsspital Zürich. Seit 2005 war von Weizsäcker Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.

Fritz von Weizsäcker galt als Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen. Die Humanmedizin bezeichnete er einmal in der „Welt“ als „ideale Verbindung zwischen Wissenschaft und Menschennähe“. Nach Angaben des Portals Gesundheitsstadt Berlin, bei dem er im Vorstand saß, forschte von Weizsäcker lange Zeit auf dem Gebiet der Hepatologie, also der Physiologie und Pathologie von Leber und Gallenwegen, und der molekularen Virologie. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten zählten demnach infektiöse Leberentzündungen wie Hepatitis B und C, Fettleber-Hepatitis sowie Fettleber. Um dieses Thema drehte sich auch sein Vortrag, bei dem er getötet wurde.