Archivierter Artikel vom 04.04.2020, 09:17 Uhr
München

Nach Vertragsverlängerung

Flick wird zum Gestalter der Bayern-Zukunft

Erst Assistent, dann Zwischenlösung – nun „dauerhaft“ Cheftrainer. Hansi Flick ist auf jeden Fall einer der Gewinner dieser Saison – Corona hin oder her. Die Vertragslaufzeit sagt besonders viel aus.

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Hansi Flick
Hansi Flicks Vertrag beim FC Bayern wurde bis zum 30. Juni 2023 verlängert.
Foto: Torsten Silz/dpa

München (dpa). Hansi Flick zählt beim Branchenführer FC Bayern ab sofort zu den ganz starken Männern. Mitten in der Coronavirus-Krise hat der deutsche Fußball-Serienmeister den raketenhaften Aufstieg des 55-Jährigen vom Assistenten zur Dauerlösung auf der Position des Cheftrainers fixiert.

Flicks erfolgreiche Triple-Schritte in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League bis zum vorläufigen Saisonstopp durch die Coronavirus-Pandemie haben die Münchner Bosse mit einer Vertragsverlängerung belohnt – und zwar einer langfristigen.

Die Laufzeit bis zum 30. Juni 2023 ist ein Zeichen nach innen und außen. Sie soll „unser Vertrauen dokumentieren“, wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge der „Bild“ sagte. Sie dokumentiert zugleich, dass die Entscheider sich einig waren, denn Rummenigge übergibt den Vorstandsvorsitz bekanntlich Ende 2021 an Oliver Kahn.

Auch der künftige Ober-Boss sieht in Flick einen Trainer, der wie Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes eine Ära in München prägen könnte. Der 50-jährige Kahn stellte in bester Uli-Hoeneß-Manier die Bedeutung des Bayern-Gens heraus, das auch Flick in sich trage.

„Hansi war Spieler beim FC Bayern, er war Co-Trainer. Jetzt wird er dauerhaft Cheftrainer. Das ist ein guter Weg. Hansi kennt die Mentalität des Vereins, er weiß, dass der FC Bayern am maximalen Erfolg gemessen wird“, sagte der frühere Torwart und Bayern-Kapitän.

Der empathische Menschenfänger Flick hat sich mit einem engen Draht zur Mannschaft, geschickten und richtigen taktischen und personellen Maßnahmen und natürlich vor allem mit 18 Siegen in 21 Pflichtspielen in eine starke Position katapultiert. „Wir hatten einen guten Lauf, wir haben erfolgreichen Fußball gespielt“, sagte er zuletzt.

Persönliche Belange schob Flick öffentlich in den Hintergrund. „Es gibt gerade wichtigere Dinge als meine Zukunft“, sagte er noch vor einer Woche der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt belegt jedoch ein Satz, dass Flick seine Vorstellungen vom FC Bayern der Zukunft in den Verhandlungen über den Cheftrainer-Kontrakt sehr wohl fixiert haben wollte. „Wir haben zusammen die Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt“, ließ sich Flick in der Vereinsmitteilung zitieren.

Der Trainer hat klare Ideen, wie das Bayern-Team der nächsten Jahre aussehen soll. Die Flick-Verlängerung führt auch zu Gewinnern in der Mannschaft wie Kapitän Manuel Neuer, Thomas Müller oder David Alaba, die ebenfalls in Vertragsgesprächen mit dem Verein stecken.

Flick wird auch seine Vorschläge einbringen, wenn es beim FC Bayern nach der Virus-Krise auch wieder um Transfers gehen wird. Ihm wird nachgesagt, in der Offensive eher zum Leipziger Timo Werner als zu Leroy Sané von Manchester City zu tendieren. Flick soll auch dem Leverkusener Jungstar Kai Havertz Bayern-Format bescheinigen.

Flick wird also neben Sportdirektor Hasan Salihamidzic sowie den Vorständen Rummenigge und Kahn ein gewichtiges Wort mitreden bei der Kaderplanung. „Hansi hat ein Mitspracherecht, das ist doch klar. Die Meinung des Trainers spielt bei unseren Personalentscheidungen eine Rolle. Er muss ja mit den Spielern arbeiten“, sagte Rummenigge und erläuterte ergänzend: „Darum wollten wir jetzt auch Klarheit auf der Trainerposition, bevor wir in den nächsten Wochen und Monaten den Spielerkader für die nächste Saison zusammenstellen.“

Den Bossen gefällt, was Flick in wenigen Monaten bewirkt und korrigiert hat, nachdem er Niko Kovac im November 2019 als Chef ablöste. „Hansi hat den Stil, mit dem wir unter anderem 2013 das Triple gewonnen haben, wieder eingeführt“, sagte Rummenigge der „Bild“. Mit Wohlwollen registriert die Führung auch, dass Talente wie der Kanadier Alphonso Davies (19) oder der Niederländer Joshua Zirkzee (18) sich unter Flick prächtig entwickeln.

Der 55-Jährige könnte nun einen ähnlichen Weg nehmen wie Joachim Löw, als dessen Assistent er 2014 in Brasilien mit der Nationalelf den WM-Titel gewann. Der 60-jährige Löw stieg einst auch vom Co-Trainer zum Chefcoach auf und prägte eine Ära. Große Ziele warten auf Flick, etwa das Champions-League-Finale 2022 in der Münchner Arena – zehn Jahre nach dem verlorenen „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea.

Diesen FC Chelsea haben die Bayern erst vor wenigen Wochen unter Flicks Anleitung in der Königsklasse in London mit 3:0 besiegt. Der 55-Jährige hofft, dass er möglichst schon in diesem Sommer erste Früchte seiner Arbeit ernten kann. Sogar das Triple – das bislang in Deutschland nur die Trainer-Legende Jupp Heynckes gewann – hielt er bis zum Saisonstopp für „machbar“. Darum hofft Flick inständig, dass diese Saison nicht abgebrochen werden muss. „Ich glaube schon, dass weitergespielt wird. Ich denke da positiv“, sagte Flick.

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Bild-Interview mit Rummenigge (Bezahlschranke)