Archivierter Artikel vom 15.03.2013, 07:11 Uhr
Rheinland-Pfalz

Erwartungen: Ackermann vom Papst begeistert

„Voll begeistert“ von Papst Franziskus ist Schwester Lea Ackermann. Die Gründerin der Hilfsorganisation Solwodi für Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und Gewalt setzt große Erwartungen in den „Kardinal der Armen“ und hofft, dass er an das Wirken von Papst Johannes XXIII. anknüpft.

Lea Ackermann imponieren erste Gesten des neuen Papstes.
Lea Ackermann imponieren erste Gesten des neuen Papstes.
Foto: DPA

Irgendwie spürt sie schon frische Luft in der Kurie und hofft, dass der neue Papst auch die Auseinandersetzung wagt – auch bei den Rechten der Frau und einer Diskussion, welche Ämter ihnen künftig offen stehen. Die in Boppard/Rhein lebende Ordensfrau der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika (Weiße Schwestern) wünscht sich vor allem, dass der Papst als erfahrener Erzbischof einer großen Diözese in Argentinien an Ansätze der Basiskirchen in Lateinamerika anknüpft, die Kirche vom Papst- Zentrismus befreit und Bischöfen mehr Freiheit und Selbstständigkeit gibt.

Denn die Priester auf den Kontinenten hätten von den Menschen mehr Ahnung als „die in Rom“. Die Liturgie müsse in Afrika nicht die gleiche sein wie in China, eine uralte Norm auch nicht für alle Ewigkeit gelten. Lea Ackermann traut es dem neuen Papst zu, dass er wie Johannes XXIII. „die Fenster und Türen weit aufmacht“, um die Lebenswirklichkeit der Menschen zu sehen: „Wer als Kardinal mit der Straßenbahn fährt und mit den Menschen redet, weiß, wo sie stehen.“

Bestätigt fühlt sie sich von der ersten Rede. Er habe sich allen Menschen ohne große Gesten und Pomp zugewandt und von einem Weg gesprochen, auf den sich Bischof und Volk gemeinsam machen. Damit wird für sie deutlich, dass er im Amt nicht neben oder über dem Volk stehen will. „Sehr sympathisch“ ist ihr auch, dass der Papst nach seiner Wahl mit seinen Brüdern in den Bus und nicht in die Papstlimousine stieg.

Dass das neue Kirchenoberhaupt als wenig progressiv und sehr konservativ gilt, stimmt Schwester Ackermann im Gespräch mit unserer Zeitung nicht sofort skeptisch. Wenn er als Franziskus in der Nachfolge Jesu „zu den Wurzeln zurück will, ist das konservativ, aber nicht unbedingt schlecht“. In jedem Fall ist sie froh, dass „wir jetzt einen Praktiker haben.

Der Lehren sind genug verkündet“. Aber für die mitten im Leben stehende Ordensfrau ist neben dem Abschied vom Papst-Zentrismus auch entscheidend, dass der neue Mann an der Spitze „das Unrecht einsieht“, dass Frauen in der Kirche ausgegrenzt werden.

Der liebe Gott habe schließlich Mann wie Frau nach seinem Bilde geschaffen, sagt sie streitbar. „Die Frauen wollen sich einsetzen, aber man lässt sie nicht.“

Von unserer Redakteurin Ursula Samary