Archivierter Artikel vom 13.10.2021, 16:07 Uhr

Ein bisschen exklusiver – Fahrbericht: Alfa Romeo Giulia „GT Junior“ und „6C Villa d’Este“

Auch wenn sich die Mittelklasse-Limousine Alfa Romeo Giulia bereits seit fünf Jahren in Produktion befindet, ist sie dank kontinuierlicher Weiterentwicklung noch lange kein Auslaufmodell. Nach dem jüngeren Facelift soll die Baureihe vor allem durch die beiden Sondermodelle „6C Villa d’Este“ und „GT Junior“ attraktiv gehalten werden.

Alfa Romeo bietet für die Giulia das Sondermodell „6C Villa d’Este“ an
Alfa Romeo bietet für die Giulia das Sondermodell „6C Villa d’Este“ an

Ledersitze und die prägnante Stickerei auf den Kopfstützen mit dem „GT Junior“-Schriftzug dürfen nicht fehle
Ledersitze und die prägnante Stickerei auf den Kopfstützen mit dem „GT Junior“-Schriftzug dürfen nicht fehlen

SP-X/Como. Die berühmte Villa d’Este unmittelbar am Ufer des Comer Sees könnte kein besserer Ort sein, um die Alfa Romeo Giulia-Sondermodelle „6C Villa d’Este“ und „GT Junior“ vorzustellen. Schon der 6C 2500 aus dem Jahr 1949 wurde hier zeitgenössisch präsentiert – er trägt den Namen des Luxushotels, in dessen Park auch heutzutage jährlich ein Schaulaufen hochkarätiger historischer Fahrzeuge stattfindet.

Interessenten des GT Junior-Sondermodells müssen mindestens 63.000 Euro investieren
Interessenten des GT Junior-Sondermodells müssen mindestens 63.000 Euro investieren

Nun, ganz so pompös wie beim zeitgenössischen 6C geht es mit den Giulia-Sondermodellen nicht zu. Sie starten ab 55.000 Euro (6C Villa d’Este) und zeichnen sich durch schicke Details aus wie beispielsweise die Dreischicht-Lackierung „Rosso Etna“, verchromte Fensterrahmen und beige Lederpolster aus. Außerdem fällt die auf den Armaturen angebrachte Stickerei mit dem Badge des Sondermodells aus. Die Villa d’Este-Ausführung ist auch mit den Basismotorisierungen lieferbar – ein Zweiliter Vierzylinder-Benziner mit 147 kW/200 PS und ein 2,2-Liter-Diesel mit ebenfalls vier Zylindern und 140 kW/190 PS. Ein kleiner Patzer, steht das „6C“ doch für sechs Zylinder, die heute ausschließlich dem Quadrifoglio vorbehalten sind. Tiefer in die Tasche greifen müssen die Kunden des GT Junior-Sondermodells. Hier steht das berühmte Coupé aus den Sechzigerjahren mit dem Spitznamen „Bertone“ Pate. Unter 63.000 Euro läuft nichts – für Vortrieb sorgen Diesel und Benziner mit 154 kW/210 PS respektive 206 kW/280 PS, deren Leistung an alle vier Räder weitergeleitet wird.

Das Sondermodell Giulia „GT Junior“ sticht vor allem durch den exklusiven Lackton „Ocra Lipra“ h
Das Sondermodell Giulia „GT Junior“ sticht vor allem durch den exklusiven Lackton „Ocra Lipra“ hervor

Die Giulia „GT Junior“ sticht vor allem durch den für das Sondermodell exklusiv gehaltenen Lackton „Ocra Lipra“ hervor und steht auf optisch ansprechenden 19-Zoll-Leichtmetallrädern. Ledersitze und die prägnante Stickerei auf den Kopfstützen mit dem „GT Junior“-Schriftzug sind Gimmicks, die hier nicht fehlen dürfen.

Das „6C Villa d’Este“-Sondermodell zeichnet sich etwa durch die Dreischicht-Lackierung „Rosso Et
Das „6C Villa d’Este“-Sondermodell zeichnet sich etwa durch die Dreischicht-Lackierung „Rosso Etna“, verchromte Fensterrahmen und beige Lederpolster aus

Wer keine überkandidelten Antriebe mag, sollte mit dem Basisbenziner gut auskommen. Das Grundmodell mit 200 Pferdchen ist leichter als der allradangetriebene Q4 an. Und so ist der von zurückhaltend bis kernig klingende Benziner eine quirlige Variante, die nicht durch mangelnde Souveränität auffällt – 6,6 Sekunden benötigt der Alfa für den Sprint auf 100 km/h. Und Fans des Hinterradantriebs zaubert er ein Lächeln auf das Gesicht.

Das „6C Villa d’Este“-Sondermodell kostet ab 55.000 Euro
Das „6C Villa d’Este“-Sondermodell kostet ab 55.000 Euro

Sparfüchsen mit Langstrecken-Fahrprofil sei der ebenfalls keineswegs langsam anmutende 190 PS-Diesel ans Herz gelegt. Er läuft leise und hinreichend kultiviert, braucht in der Praxis außerdem unter sechs Liter Diesel je 100 Kilometer.

Und tatsächlich lässt sich der sportliche Italiener dank fein austariertem Fahrwerk behände über windungsreiches Straßengewühl treiben, ohne die Fähigkeit zu unterschlagen, Unebenheiten konsequent glattzustreichen.

Um das Thema Infotainment hatte sich Alfa im Zuge des letzten Facelifts bereits gekümmert und die Bedienerfreundlichkeit der Steuereinheit in der Mittelkonsole erheblich verbessert. Statt die Destination wie früher mühsam per Dreh- und Drücksteller einzugeben, geht es jetzt rasch über den schnell reagierenden Touchscreen. Zahlreiche weitere Funktionen inklusive der heute beliebten Smartphone-Integration à la Apple CarPlay oder Android Auto halten die Mittelklasse weitgehend up to date.

Das gilt auch für den Antrieb – Features wie Spurhalteassistent und vor allem der aktive Tempomat samt aktiver Lenkung für zeitlich begrenzte Querführung zeigen, dass Alfa Technik kann. Der Geschwindigkeitsregler lässt den Viertürer geschmeidig bis zum Stillstand herunterbremsen im Takt des Vordermanns – die Abstimmung ist hier gelungen.

Schön übrigens, dass die Tachoeinheit noch mit physischen Tachonadeln operiert – womöglich den knappen Budgets bei Alfa geschuldet. An der Verarbeitungsqualität gibt es dennoch nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil, die Giulia ist mittlerweile eine solide Angelegenheit mit ansprechender Haptik und durchaus feinen Materialien.

Wer Mittelklasse bei Alfa Romeo lieber als SUV genießt, wird von den Sondermodellen ebenfalls nicht ausgeschlossen: Auch der Stelvio ist als „GT Junior“ sowie als „6C Villa d’Este“ zu Preisen ab 57.000 Euro lieferbar. Die Motoren entsprechen dem Programm der Limousine Giulia.

Alfa Romeo Giulia – Technische Daten:

Mittelklasse-Limousine, Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,86 Meter (mit Außenspiegeln 2,04 Meter), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 480 Liter

2.0 Turbo 16V Q2: 2,0-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 148 kW/200 PS, maximales Drehmoment: 330 Nm bei 1.700 U/min, Achtgang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 6,6 s, Vmax: 235 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,0 bis 7,5 l, CO2-Ausstoß: 163 bis 170 g/km (WLTP), Effizienzklasse: D, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 42.500 Euro

2.0 Turbo 16V Q4: 2,0-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 206 kW/280 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 2.250 U/min, Achtgang-Automatikgetriebe, Allradantrieb, 0-100 km/h: 5,2 s, Vmax: 240 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,0 bis 7,7 l, CO2-Ausstoß: 159 bis 174 g/km (WLTP), Effizienzklasse: D, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 53.000 Euro

2.2 Diesel 16V: 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 450 Nm bei 1.750 U/min, Achtgang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 7,1 s, Vmax: 230 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,8 bis 5,4 l, CO2-Ausstoß: 126 bis 142 g/km (WLTP), Effizienzklasse: B, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 44.500 Euro

2.2 Diesel 16V Q4: 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 154 kW/210 PS, maximales Drehmoment: 470 Nm bei 1.750 U/min, Achtgang-Automatikgetriebe, Allradantrieb, 0-100 km/h: 6,8 s, Vmax: 235 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,3 bis 5,7 l, CO2-Ausstoß: 139 bis 150 g/km (WLTP), Effizienzklasse: B, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 55.000 Euro

Alfa Romeo Giulia – Kurzcharakteristik:

Warum: Individualistischer geht Mittelklasse kaum

Warum nicht: Bei Infotainment und Co. bleibt noch Luft nach oben

Was sonst: Mercedes C-Klasse, BMW 3er-Reihe, Audi A4 oder Jaguar XE

Wann: Sofort

Patrick Broich/SP-X