Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 11:52 Uhr

Digel will für Harting kämpfen: «Bewährungsprobe»

Berlin (dpa). Robert Harting drohen nach der Leichtathletik-WM Konsequenzen für seine Verbal-Attacken gegen DDR-Doping-Opfer und Funktionäre, der Diskus-Weltmeister hat aber in Helmut Digel einen prominenten Fürsprecher gefunden.

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Heißes Eisen
Robert Harting spaltet das Leichtathletik-Publikum.

«Ich werde mich im Präsidium dafür einsetzen, dass ein junger Mensch wie er diese Bewährungsprobe erhält», sagte der Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) der Deutschen Presse-Agentur dpa. Harting selbst hat offenbar keine große Lust, sich noch einmal zu entschuldigen. «Was soll ich jetzt tun? Ich kann ja mal bei Angela Merkel anklopfen und das vor einem großen Mikro sagen», meinte der 24-jährige Berliner im ZDF-Sportstudio. Seine Äußerungen seien «zum Teil auch aufgebauscht» worden.

«Wir werden relativ zeitnah darüber beraten», sagte DLV-Präsident Clemens Prokop über den Fall. Prokop und die Mannschaftsleitung um Vizepräsident Eike Emrich sind sich noch uneins, wie mit Harting umgegangen werden soll. «Der Start ist von der Mannschaftsleitung zugelassen worden. Ich bin Chef des WM-Organisationskomitees und war in die Entscheidung nicht involviert», sagte Prokop in einem Interview mit der «Berliner Zeitung» vieldeutig.

Auf die Frage, ob Harting als Titelverteidiger mit seiner Wildcard an der WM 2011 in Daegu/Südkorea auch ohne DLV-Mandat teilnehmen könne, meinte der Jurist: «Ob ein Weltmeister Mitglied in irgendeiner Nationalmannschaft sein muss, kann ich im Moment nicht sagen.» Prokop hatte schon zuvor betont, dass für ihn die Geschichte «nicht erledigt» ist und Harting in der nächsten Zeit auf dem Prüfstand stehe.

«Ich kann mir nicht vorstellen, für einen Spruch bestraft zu werden, für den man sich bereits entschuldigt hat», sagte Harting der «Bild am Sonntag». «Bei der Pressekonferenz habe ich mich gefühlt wie ein Schwerverbrecher.» Der 2,01 Meter große Werfer hatte nach der Qualifikation unvermittelt gesagt: «Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Doping-Opfer hier verteilt haben. Aber ich bin kein Mörder, ich will nur, dass sie wirklich nichts mehr sehen.» Er spielte damit auf die Aktion des Dopingopfer-Hilfe-Vereins (DOHV) an, der während der WM 20 000 Papp-Brillen verteilen ließ, um auf den weiter stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen. Hartings unbedarfte Aussagen sorgten für Riesenwirbel.

Digel findet es bemerkenswert, dass der Olympia-Vierte bereit war, seinen Fehler einzuräumen. «Da hat er einen Lernprozess im Zusammenhang mit seiner sportlichen Leistung gemacht. Robert Harting muss nun zeigen, wie er als Weltmeister mit dieser Leistung umgeht», sagte der Soziologe aus Tübingen.

Unabhängig von möglichen Maßnahmen des Verband muss Harting noch mal die «Schulbank» drücken. «Er wird ein zusätzliches Medientraining auf Anregung des Verteidigungsministers bekommen», sagte Emrich. Harting ist Sportsoldat bei der Bundeswehr, Minister Franz Josef Jung (CDU) sein oberster Dienstherr. «Medientraining ist sicherlich gut und richtig, man lernt ja nie aus, auch ich nicht», meinte der Gescholtene.