Archivierter Artikel vom 25.02.2012, 16:41 Uhr
Mainz

Derby Mainz 05 FCK

Fiesta am Rhein: Der FSV Mainz 05 hat nach einem leidenschaftlichen Spiel drei Punkte gegen den FCK geholt. Derweil machen die Fans aus Kaiserslautern ihrem Frust mit Bengalos Luft.

Die Mainzer Mohamed Zidan (r) und Adam Szalai (M) jubeln zusammen während Kaiserslauterns Mathias Abel (l) den Kopf hängen lässt.

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Der Kaiserslauterns Fans zünden vor dem Anpfiff Feuerwerk.

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Der Mainzer Mohamed Zidan freut sich über seinen Treffer zum 1:0.

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Der Mainzer Mohamed Zidan jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 vor Kaiserslauterns Fans.

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Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel vor dem Anpfiff.

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Schiedsrichter Knut Kircher (r) spricht mit dem Mainzer Mohamed Zidan nach dessen Jubel zum 1:0.

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Der Kaiserslauterns Torwart Kevin Trapp (r) verpasst den Ball zum 1:0 durch Zidan (nicht im Bild).

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Der Mainzer Elkin Soto (u) und Kaiserslauterns Dorge Kouemaha (o) versuchen an den Ball zu kommen.

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Der Mainzer Mohamed Zidan freut sich über seinen Treffer zum 1:0.

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Der Mainzer Mohamed Zidan jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 vor Kaiserslauterns Fans.

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Der Kaiserslauterns Trainer Marco Kurz vor dem Anpfiff.

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Der Mainzer Jan Kirchhoff (M) und Kaiserslauterns Jan Simunek (l) und Mathias Abel (r) versuchen an den Ball zu kommen.

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Kaiserslauterns Fans verbrennen nach dem Treffer zum 2:0 eine Mainzer Fahne.

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Kaiserslauterns Christian Tiffert schlägt nach einer verpassten Torchance die Hände über den Kopf.

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Der Mainzer Torwart Christian Wetklo jubelt, nachdem er einen Freistoß gehalten hat.

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Der Mainzer Torwart Christian Wetklo (r) jubelt, nachdem er einen Freistoß gehalten hat.

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Der Mainzer Mohamed Zidan (r) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 mit Sami Allagui.

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Die Mainzer Eugen Polanski (r) und Elkin Soto (M) freuen sich mit Adam Szalai über dessen Tor zum 2:0.

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Kaiserslauterns Sandro Wagner liegt nach einem Zusammenstoß am Boden.

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Der Mainzer Elkin Soto (r) freut sich mit Adam Szalai über dessen Tor zum 2:0.

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Der Mainzer Nicolai Müller (2.v.r.) schießt das 3:0, FCK-Torhüter Kevin Trapp (l) ist machtlos.

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Der Mainzer Elkin Soto (r) freut sich mit Nicolai Müller über dessen Tor zum 3:0.

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Mainz – Ein Derby, wie man es sich wünscht, durften die Mainzer am Samstagnachmittag in der Coface Arena sehen.

Da präsentierte sich eine bärenstarke Mainzer Mannschaft, die den phasenweise erschreckend hilflosen Lokalrivalen 1. FC Kaiserslautern von der ersten Minute an mit schnellem, attraktivem Offensivfußball auseinandernahm. Der Sieg hätte angesichts der Überlegenheit und der tatsächlich vorhandenen Torchancen sogar noch deutlich höher ausfallen können als 4:0 (3:0). Jeder Offensivspieler in der Startaufstellung schoss ein Tor. Das alles in intensiver, aber überraschend friedlicher Atmosphäre – im Stadion, außerhalb ist es nicht ganz so ruhig geblieben.

Schnelligkeitsdefizite hatten die Mainzer in der Vorbereitung aufs Spiel bei ihrem Gegner ausgemacht. Die nutzten die Spieler gnadenlos. Vom Anstoß weg hatten die 05er bereits ihre ersten beiden (harmlosen) Abschlüsse, dann aber zeigten sie ihr Muster fürs Spiel: Relativ weit zurückgezogen lockten sie den FCK immer wieder aus der Abwehr nach vorne, um überfallartig in die so entstehenden Räume einzudringen. Die Folge: In der ersten Hälfte Chancen im Dutzend.

Der kleine Ägypter macht den Anfang

Mohamed Zidan nutzte wie immer seine erste. Ádám Szalai spielte diagonal auf den rechten Flügel, Nicolai Müller legte den Ball zurück in den Strafraum, Zidan traf zum 1:0 (2.), sein viertes Tor im vierten Spiel seit seiner Wiederverpflichtung. Dann fälschte der Ex-05er Mathias Abel eine Flanke ab, die Szalai sonst wahrscheinlich locker eingeköpft hätte (8.), dann sah der Linienrichter Szalai nach einem Soto-Steilpass im Abseits (10.), dann rettete wieder Abel nach Szalai-Querpass vor Zidan (immer noch 10.), dann gingen binnen Sekunden Szalais Kopfball und Eugen Polanskis Nachschuss aus sehr spitzem Winkel nur beinahe aufs Tor (12.), dann fiel das 2:0 (16.).

„Ein hervorragendes Tor“, gab sogar der gegnerische Trainer Marco Kurz zu. Elkin Soto und Polanski tricksten mit einem schnellen Doppelpass – erst kurz zurück, dann in hohem Bogen über die Verteidiger – die rechte Abwehrseite des FCK aus, Sotos Querpass im Fünfmeterraum drückte Szalai ins leere Tor. Es war der erste Treffer des Ungarn nach seiner langen Pause gegen den Gegner, bei dem er sich im Januar des vergangenen Jahres so schwer verletzt hatte, und eine erste Beruhigung für die Stimmen im Umfeld der 05er, die befürchtet hatten, dass wie bei dessen letzter Zeit in Mainz nur noch Zidan für die Tore zuständig sein könnte.

Jetzt erst fand auch der FCK den Weg nach vorne. Christian Wetklo boxte einen Tiffert-Freistoß aus dem Winkel (20.) und erreichte eine hohe Flanke vor FCK-Stürmer Sandro Wagner (26.). Dazwischen hatte Tiffert durch einen Stolperer Radoslav Zabavník, der angeschlagen ins Spiel ging und durchhielt, an FCK-Torwart Kevin Trapp vorbeiflanken lassen, aber Müller hatte vor dem leeren Tor den Ball nicht erreicht (21.).

Strittige Szene: Handspiel oder nicht?

Manch einer hätte in der 27. Minute gern einen Handelfmeter für die Mainzer gesehen (und es war wohl ein Handspiel, aber nicht im Strafraum), aber viel Zeit war nicht, um sich zu ärgern. Denn der nächste Angriff lief, vorgetragen von links (Maxim Choupo-Moting) über das Zentrum (Zidan) auf die rechte Seite, wo Nicolai Müller Tiffert überrannte und aus spitzem Winkel das 3:0 schoss (30.).

Dass kurz danach wie im Januar 2011 ein Schüler des FCK-Torwarttrainers Gerry Ehrmann eher grundlos mit gestrecktem Bein auf Szalai zuflog, blieb diesmal ohne Folgen. Trapp hätte sich den zu lang gespielten Ball auch auf zurückhaltendere Weise locker holen können, aber Szalai war weit genug weg.

Kurz vor der Halbzeit folgte die einzige gute Chance des FCK. Nach kurzer Konfusion in der Mainzer Abwehr traf Tiffert die Latte. Die Mainzer klärten, es gab Eckball, Abels Kopfball wehrte Wetklo mühelos ab. Halbzeit. 3:0. Drei Kontertore, es hätten sogar noch mehr sein können.

Ganz kurz schien es in der zweiten Halbzeit so, als würde der FCK doch noch einmal mitspielen können. Ein Trugschluss, eher waren es die Mainzer, die sich kurz zurückzogen, um zu sehen, was der Gegner noch vorhaben könnte. Chancen für die Gäste entstanden so nicht, statt dessen musste Ariel Borysiuk einen Kopfball des 05-Innenverteidigers Jan Kirchhoff auf der Torlinie abwehren (50.). Zwei Pässe von Szalai auf Zidan überstanden die Lauterer (57., 58.), dann entschied der gute Schiedsrichter Knut Kircher nach Abels Grätsche gegen drei Mainzer auf einmal erneut zurecht nicht auf Elfmeter; der Innenverteidiger hatte tatsächlich das Kunststück fertiggebracht, den Ball zu spielen (59.).

Die Mainzer hatten das Spiel aber längst wieder vollends unter Kontrolle, mussten erste härtere Frustfouls einstecken. Als schließlich Maxim Choupo-Moting nach einem Querschläger in der Abwehr und Vorlage von Niko Bungert mit seinem siebten Saisontreffer auf 4:0 erhöhte und die Führung in der internen Torjägerliste ausbaute (74.), lief schließlich erstmals die Welle durch die neue Arena. „Wir sind in jeglicher Hinsicht sehr zufrieden“, sagte Thomas Tuchel, als die Mannschaft nach dem Spiel das „Derbysieger“-Transparent der Fans über den Rasen trug. „Wir konnten die Heimserie fortsetzen. Und ein Derby so hoch zu gewinnen ist außergewöhnlich.“ Christian Karn