Archivierter Artikel vom 18.03.2012, 11:12 Uhr

Der Sucht vorbeugen

Koblenz/Mainz. Wenn von einem möglichen Gewinn von 90 Millionen Euro die Rede ist, dann kann die Frage nach der Suchtgefahr nicht weit entfernt sein. Es ist Lotto-Chef Hans-Peter Schössler ein entsprechend großes Anliegen, bei der Präsentation des neuen Glücksspiels auch auf die Problematik der Spielsucht zu sprechen zu kommen.

Koblenz/Mainz – Wenn von einem möglichen Gewinn von 90 Millionen Euro die Rede ist, dann kann die Frage nach der Suchtgefahr nicht weit entfernt sein. Es ist Lotto-Chef Hans-Peter Schössler ein entsprechend großes Anliegen, bei der Präsentation des neuen Glücksspiels auch auf die Problematik der Spielsucht zu sprechen zu kommen.

Er glaubt zwar, dass „Süchtige nicht auf ein Produkt setzen, das nur einmal pro Woche gespielt wird“. Aber immerhin hat der Suchtbeirat des Landes gegen Eurojackpot votiert.

Dass das Glücksspiel dennoch auf den Markt kommt, hat das Land entschieden – Fachleute rechnen mit keinem zu hohen Suchtrisiko. Es gibt in Frankreich Erfahrungen des wissenschaftlichen Fachbeirats Cojer mit dem ähnlich gelagerten EuroMillions-Glücksspiel. Die Erkenntnisse aus einem Zeitraum von mehreren Jahren zeigen dabei, dass die Suchtgefahr aufgrund des Supergewinnspiels nicht gestiegen ist. Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht an der Uniklinik in Mainz kann dies bestätigen. „Grundsätzlich zeigen viele Studien, dass Lotto-Angebote ein geringes Risiko bergen im Vergleich zu Internet-Glücksspielen oder Automatenspielen“, sagt Müller. Die Experten sprechen von der „geringeren Ereignisfrequenz“, also davon, dass das Spiel seltener gespielt werden kann: Ein Glücksspiel wie Eurojackpot kann nur einmal pro Woche gespielt werden, ein Glücksspiel im Internet permanent.

Die hohe Gewinnsumme bei Eurojackpot hat sicher einen psychologischen Effekt, der von den Betreibern ja auch durchaus gewollt ist – schließlich wollen die Lotto-Unternehmen neue Kunden gewinnen. „Die hohen Summen könnten für Menschen, die sonst nicht spielen würden, ein Anreiz sein, eher mitzumachen“, sagt Müller. Dies bedeutet aber nicht, dass sofort Suchtgefahr entsteht.

In Deutschland leidet etwa 1 Prozent der Bevölkerung am „Störungsbild pathologisches Glücksspiel“, also an einer Spielsucht. Dies sind 500 000 Menschen – und Lotto Rheinland-Pfalz sowie dem Land als Mehrheitsgesellschafter ist es ein großes Anliegen, mit Eurojackpot keine Suchtanreize zu schaffen. „Die Mitarbeiter zu schulen und dafür zu sensibilisieren, dass sie sich ihre Kunden genau anschauen, das sind wichtige Maßnahmen“, sagt Spielsuchtexperte Kai Müller. Lotto Rheinland-Pfalz setzt darüber hinaus auf den engen Austausch mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, dem französischen Fachbeirat Cojer sowie dem Land Rheinland-Pfalz.

Volker Boch