Archivierter Artikel vom 02.11.2012, 09:27 Uhr

Dem Land gehen Ärzte und Pfleger aus: 2030 droht dramatischer Personalmangel

Rheinland-Pfalz/Berlin – Dem Land Rheinland-Pfalz droht in den nächsten Jahren ein drastischer Mangel bei Ärzten und Pflegekräften. Das geht aus der Studie „112 – und niemand hilft“ des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers hervor. Die Lage ist dramatischer als im Bundesschnitt, weil die Zahl der Menschen über 65 Jahre bis 2030 um 64 Prozent zunimmt, während es bundesweit „nur“ 32 Prozent sind.

Dadurch gibt es nicht nur weniger Nachwuchs beim Personal, sondern auch deutlich mehr Menschen, die in Arztpraxen, Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen versorgt werden müssen.

Sollte sich in den nächsten Jahren nichts an den Arbeitsbedingungen ändern, dann kann im Jahr 2020 mehr als jede vierte Arztstelle (Bund: 18 Prozent) nicht neu besetzt werden, 2040 ist es sogar jede zweite (Bund: 33 Prozent), heißt es in der Studie.

Auch bei den Pflegern sieht es dramatisch aus

Ähnlich dramatisch sieht die Entwicklung bei den Kranken- und Altenpflegern aus: In den Kliniken im Land gibt es in acht Jahren für 18,5 Prozent (Bund: 22,8 Prozent) der Pfleger keine Nachfolger mehr, 2030 sind es 41,8 Prozent (Bund: 36,5 Prozent); in den Altenheimen ist 2020 mehr als jede dritte Stelle (Bund: 25,6 Prozent) betroffen, 2030 sind es fast 52 Prozent (Bund:41,3 Prozent).

Bundesweit fehlen bis 2030 mindestens 404 000 Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegewesen. In den medizinischen Berufen wären 2020 insgesamt 33 000 Vollzeitstellen unbesetzt, 2030 sogar 76 000. Bei den Pflegekräften ist die Lage noch deutlich dramatischer: Hier fehlen in acht Jahren 212 000 Vollzeitkräfte, 2030 sind es knapp 328 000.

Potenzial an Fachkräften stärker ausschöpfen

Was muss sich ändern, um dies zu verhindern? „Unser Problem ist, dass wir das vorhandene Potenzial an Fachkräften nicht genug ausschöpfen. Viele Menschen in unserem Land wollen gern und aus Überzeugung in diesem Bereich arbeiten“, sagt Studienautor Michael Burkhart. Hintergrund ist demnach, dass 18 bis 27 Prozent der Ärzte und Pfleger ihren ursprünglichen Beruf wegen privater Verpflichtungen, vor allem aber wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Bezahlung sowie der oft nicht vorhandenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht mehr ausüben. Bei den Pflegern kommt hinzu, dass sie wegen der starken körperlichen Belastung oft sehr früh aus dem Job aussteigen.

Frust: Mediziner steigen früh aus dem praktischen Beruf aus

Auch fast jeder vierte Mediziner hängt seinen Beruf früher oder später an den Nagel. Dabei hat Burkhart zwei Abwanderungswellen diagnostiziert: Viele Medizinabsolventen verzichteten von vornherein auf eine Karriere als Arzt und gingen stattdessen in die Wirtschaft oder Verwaltung. Eine zweite Welle setze nach acht bis zwölf Jahren ein, wenn die Ärzte, frustriert von fehlenden Karrieremöglichkeiten und zu viel Bürokratie, in einen anderen Bereich wechseln.

Mehr Geld hier, mehr Freizeit dort

Burkhart ist überzeugt, dass sich dies durch einige Stellschrauben im System verändern lässt: Pflegekräfte brauchen deutlich mehr Geld, der steigenden Zahl von Ärztinnen müsse es einfacher gemacht werden, Beruf und Familie zu vereinbaren, damit sie nicht nur Teil-, sondern Vollzeit arbeiten können.

Von unserem Redakteur Christian Kunst