Archivierter Artikel vom 05.11.2011, 11:35 Uhr

Bradl kampflos am Ziel: Moto2-Weltmeister

Valencia (dpa). Langanhaltender Beifall, tränenreiche Umarmungen, ein großes Banner mit der Aufschrift «Weltmeister 2011» und ein weißer Helm mit Goldschrift «World Champion»: Stefan Bradl hat den Motorrad-Titel endgültig sicher.

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Champion
Moto2-Weltmeister bereitet sich in Valencia auf das Qualifying vor.
Foto: Juan Carlos Cardenas – DPA

Als erster Deutscher nach Dirk Raudies 1993 hat der Zahlinger in der Moto2-Kategorie wieder einen WM-Triumph geholt. Dass er am Ende wegen der Verletzung von Marc Marquez kampflos zustande kam und Bradl lediglich von Platz vier am Sonntag startet, interessierte am Samstagnachmittag bei einsetzendem Regen im Qualifikationstraining keinen mehr.

Bradl beendete das Hin und Her um den Startverzicht von Marquez auf seine Weise. Er ging während der Regenpause in die benachbarte Box seines verletzten Konkurrenten und reichte ihm die Hand. «Ich dachte, es ist eine faire Geste von mir. Er ist verletzt, kann nicht fahren. Das tut mir leid. Wir haben uns während einer tollen Saison einen tollen Kampf geliefert. Warum sollten wir uns nicht die Hände schütteln?», sagte Bradl, bevor der Jubel-Tumult in seiner Box ausbrach.

Zeit, um den Titelgewinn zu realisieren, blieb kaum. «Das passiert wohl erst heute Abend. Ich will zeitig ins Bett gehen, allein sein und alles an mich ranlassen. Na ja, ein Gläschen trinken werde ich auch, aber morgen ist noch ein Rennen und das möchte ich wenn möglich noch einmal gewinnen», sagte der 21-Jährige.

Während um ihn herum gefeiert wurde, blieb der Zahlinger gelassen. «Es ist jetzt nicht ganz an der Zeit. Wir haben vor zwei Wochen einen Kollegen aus unserer MotoGP-Familie verloren. Ihm zuliebe sollten wir nicht überschwänglich sein und das respektieren», meinte Bradl mit ernster Miene in Erinnerung an den in Malaysia tödlich verunglückten Marco Simoncelli.

In der Stunde seines größten Erfolges vergaß er aber nicht diejenigen, die Anteile an seiner Entwicklung haben. Besonders seine Familie um Vater Helmut. «Ohne Papa wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich auf das Motorrad zu setzen und diesen Sport zu probieren. Meine Eltern haben auch in schwierigen Zeiten immer zu mir gehalten. Papa hat es vor 20 Jahren knapp verpasst, Weltmeister zu werden. Aber er hat mich geformt. Also ist er jetzt auch Weltmeister», lobte der Junior den Vater.

Im Rückblick auf die Saison glaubt Bradl, ein würdiger Weltmeister zu sein. «Wir hatten nur einen Ausfall. Der schlechteste Platz war ein achter Rang, ansonsten immer Top-Fünf. Am Ende zählen die Punkte und wer die meisten hat, ist der Champion. Ich bin schon stolz darauf, dass dahinter der Name Stefan Bradl steht», betonte der bayerische Schwabe.

Auch als der Titel angesichts der Erfolgsserie von Marquez in Gefahr geriet, blieb Bradl ruhig. «Ich habe das Selbstvertrauen, an mich zu glauben. Klar war ich auch unruhig, als die Spitzenposition plötzlich weg war. Aber ich habe mich auf mich konzentriert, bin die Rennen gefahren und hatte Spaß daran. Das hat mir meine alte Stärke vom Saisonbeginn zurückgegeben», erläuterte der Titelgewinner.

Sein Teamchef Stefan Kiefer fand kaum Worte vor Freude und Stolz. «Es kommt jetzt zwar nicht überraschend, aber wenn es feststeht, ist es doch ein eigenartiges Gefühl. Wir alle sind für die Arbeit über Jahre belohnt worden. Als wir 1999 in die Internationale Deutsche Meisterschaft eingestiegen sind, konnten wir uns nicht vorstellen, jemals ein Rennen zu gewinnen. Und nun sind wir sogar Weltmeister», sagte Kiefer.