Aus Zwei mach Eins – Fahrbericht: Mercedes CLE Cabrio

Von Peter Maahn, SP-X
Der neue offene Mercedes CLE tritt nicht nur die Nachfolge des bisherigen Mercedes C-Klasse-Cabrios an, sondern ersetzt
Der neue offene Mercedes CLE tritt nicht nur die Nachfolge des bisherigen Mercedes C-Klasse-Cabrios an, sondern ersetzt auch das größere Cabrio der E-Klasse Foto: Mercedes

Mercedes bleibt dem viersitzigen Cabrio treu, legt dazu aber zwei erfolgreiche Modelle der letzten Jahre zusammen. Gab es bislang je eine offene Variante von C- und E-Klasse, startet jetzt das gemeinsame Modell beider Baureihen unter dem Kürzel CLE. Derselben Logik folgt auch das rundum geschlossene Coupé.

Lesezeit: 5 Minuten
Anzeige

SP-X/Teneriffa. Die elegant-sportliche Art der offenen Autos mit vier Sitzen ist vom Aussterben bedroht. Vor allem bezahlbare, kleinere Modelle sind weitgehend verschwunden. Kein Golf Cabrio mehr, kein Opel Cascada oder Ford Focus, auch bei Renault und Peugeot gilt längst das Motto durchgehend geschlossen. Wohl dem, der einen gutgefüllten Geldbeutel hat, vier vollwertige Sitze möchte, auf ausgefeilte Technik setzt und viel Wert auf einen geschmackvollen Innenraum legt. Der könnte bei Rolls Royce oder Bentley vorbeischauen, wenn er denn gut 300.000 Euro oder mehr locker machen will.

Der neue offene Mercedes CLE tritt nicht nur die Nachfolge des bisherigen Mercedes C-Klasse-Cabrios an, sondern ersetzt
Der neue offene Mercedes CLE tritt nicht nur die Nachfolge des bisherigen Mercedes C-Klasse-Cabrios an, sondern ersetzt auch das größere Cabrio der E-Klasse
Foto: Mercedes

Jetzt kommt Mercedes ins Spiel. Der neue offene CLE bleibt immer unter der Schallgrenze von 100.000 Euro und tritt nicht nur die Nachfolge des bisherigen Mercedes C-Klasse-Cabrios an, sondern ersetzt auch das größere Cabrio der E-Klasse. Aus Zwei mach Eins entschied das Management und bietet jetzt eine Einheitsgröße der zuvor recht ähnlichen Luftikusse. Mit 4,85 Metern ist er knapp zwei Zentimeter länger als die bisherige offene E-Klasse, überragt das alte C-Klasse Cabrio aber um gut 16 Zentimeter. Ein großer Schritt fürs Raumgefühl und Kofferraum, aber auch ein Preissprung von fast 10.000 Euro auf jetzt 66.402 Euro. Da der Neuling ähnliche Dimensionen wie das frühere E-Klasse Cabrio aufweist, fallen die Preissteigerungen in diesem Vergleich moderater aus.

Damit das Cabrio über Schwellen und Schlaglöcher gleiten kann, kann gegen Aufpreis das aus anderen Modellen bekannte Sys
Damit das Cabrio über Schwellen und Schlaglöcher gleiten kann, kann gegen Aufpreis das aus anderen Modellen bekannte System „Dynamik Body Control“ bestellt werden
Foto: Mercedes

Ungetrübt blauer Himmel, fast 30 Grad auf Teneriffa. Das ideale Ambiente für die ersten Testrunden. Auf den ersten Blick kommen heimatliche Gefühle auf. Der Innenraum gleicht dank MBUX-Instrumentierung dem der Normalmodelle von C- und E-Klasse. Auch das Angebot im Motorraum ist nahezu identisch. Das gilt auch für die Boost-Funktion, bei der das 48-Volt-Bordsystem und ein kleiner E-Motor zwischen Getriebe und Motor eine Rolle spielt. Beim Durchtreten des Gaspedals liefert er beim Test-Cabrio CLE 300 kurzzeitig zusätzliche 17 kW/23 PS zu den 190 kW/258 PS des Zweiliter-Vierzylinders. Noch spürbarer ein Kraftschub bei der Durchzugskraft: 205 Nm Extra zu den ohnehin vorhandenen 400 Newtonmetern. Bei schwierigen Überholmanövern auf den engen Serpentinen hinauf zum höchsten Berg Spanien, dem 3.700 Meter über der Insel thronenden Vulkan Teide, ein echter Segen und ein Plus an Sicherheit. Nichts Neues, da schon aus den Limousinen und den bisherigen Cabrios her bekannt, aber ein Opel-Air-Lustgewinn der besonderen Art.

Beim Durchtreten des Gaspedals liefert er beim Test-Cabrio CLE 300 kurzzeitig zusätzliche 17 kW/23 PS zu den 190 kW/258
Beim Durchtreten des Gaspedals liefert er beim Test-Cabrio CLE 300 kurzzeitig zusätzliche 17 kW/23 PS zu den 190 kW/258 PS des Zweiliter-Vierzylinders
Foto: Mercedes

Für Auge weitgehend unsichtbar, aber mit spürbarer Wirkung bewährt sich die Feinarbeit an der Aerodynamik, bei einem offenen Auto immer eine Herausforderung für Designer und Techniker. Wie schützt man die Insassen auch auf den Rücksitzen vor der Zugluft oder deren Geräuschen. Die kleine herausfahrbare Lippe an der Oberkante der Windschutzscheibe ist jetzt serienmäßig, lenkt den Fahrwind über die Fondpassagiere hinweg, ist aber gleichzeitig eine Quelle für Störgeräusche. Die neue Gestaltung dieses Aircaps (Luftkappe) im Windkanal brachte die Profis auf die Spur des Problems. Neben den verwendeten Lamellen wurde auch der Netzstoff des kleinen Spoilers und dessen Zusammenarbeit mit dem Windschott hinter den Rücksitzen optimiert.

Mit 4,85 Metern ist der Mercedes CLE knapp zwei Zentimeter länger als die bisherige offene E-Klasse, überragt das alte C
Mit 4,85 Metern ist der Mercedes CLE knapp zwei Zentimeter länger als die bisherige offene E-Klasse, überragt das alte C-Klasse Cabrio aber um gut 16 Zentimeter
Foto: Mercedes

Auch beim neuen CLE sorgt das Öffnen und Schließen des Stoffdachs für Aufmerksamkeit von Passanten oder Schaulustigen beim Ampelhalt. Die ersten Strip-Shows im Straßenverkehr lieferten frühere Roadster-Modelle wie die SL oder SLK. Das Zusammenspiel zwischen Gestänge und Dachfaltung ist beim CLE bis Tempo 60 möglich, muss also auch bei Gegenwind funktionieren, darf sich nicht verdrehen oder verwinden, um die Endposition perfekt zu erreichen. Die Arbeit des Fahrers beschränkt sich dabei auf die Bedienung eines Schalters zwischen den Vordersitzen.

Die austarierte Lenkung mag enge Kurven unterhalb der Drift-Grenze ebenso wie langgezogene Biegungen
Die austarierte Lenkung mag enge Kurven unterhalb der Drift-Grenze ebenso wie langgezogene Biegungen
Foto: Mercedes

Damit das Cabrio über Schwellen und Schlaglöcher gleiten kann, kann gegen Aufpreis das aus anderen Modellen bekannte System „Dynamik Body Control“ bestellt werden. Es regelt die automatisch verstellbaren Dämpfer dank lauernder Sensoren, die für jedes Rad extra Straßenzustand, Geschwindigkeit und Fahrsituation registrieren und in Bruchteilen von Sekunden reagieren. Bei der Wahl des passenden Fahrmodus wie Komfort, Sport oder Eco hat Mercedes beim Cabrio auf die Aktivierung eines aggressiven Motorsounds verzichtet. Passt auch nicht für ein komfortbetontes Auto wie dieses elegante Cabrio.

Das CLE-Cabrio sieht auch geschlossen gut aus
Das CLE-Cabrio sieht auch geschlossen gut aus
Foto: Mercedes

Trotz der beachtlichen Länge von 4,85 Metern und des bei Cabrios höheren Gewichts verteidigt der CLE seinen Anspruch auf Sportlichkeit bei überragendem Komfort. Die austarierte Lenkung mag enge Kurven unterhalb der Drift-Grenze ebenso wie langgezogene Biegungen. Dank erwähnten Boost-Effekts ist genügend Power in den meisten Lebenslagen vorhanden. Wegen der in den Basismodellen kleineren Triebwerke (Zweiliter-Vierzylinder) und der Verwendung der Mildhybrid-Technik hält sich der Verbrauch in für Verbrenner akzeptablen Grenzen, vor allem beim immer noch erhältlichen Diesel (5,4 l/100 km). Die CO2-Werte jedoch bewegen sich Sphären der bedenklichen Art, Cabrios sind nun mal schwerer als Limousinen und Coupés.

Für Auge weitgehend unsichtbar, aber mit spürbarer Wirkung bewährt sich die Feinarbeit an der Aerodynamik, bei einem off
Für Auge weitgehend unsichtbar, aber mit spürbarer Wirkung bewährt sich die Feinarbeit an der Aerodynamik, bei einem offenen Auto immer eine Herausforderung für Designer und Techniker
Foto: Mercedes

Dafür gibt es ein weiteres Highlight an Sicherheit zu vermelden. Die umfassende Standardausstattung bietet zwölf Airbags. Neu sind der Mittenairbag zwischen den beiden Sitzen in der ersten Sitzreihe und erstmals in einem Mercedes-Cabrio das Kopfschutzsystem mit zwei separaten Kopfairbags für die Rücksitzpassagiere.

Der Innenraum gleicht dank MBUX-Instrumentierung dem der Normalmodelle von C- und E-Klasse
Der Innenraum gleicht dank MBUX-Instrumentierung dem der Normalmodelle von C- und E-Klasse
Foto: Mercedes

ercedes CLE Cabrio – technische Daten

Die kleine herausfahrbare Lippe an der Oberkante der Windschutzscheibe ist jetzt serienmäßig, lenkt den Fahrwind über di
Die kleine herausfahrbare Lippe an der Oberkante der Windschutzscheibe ist jetzt serienmäßig, lenkt den Fahrwind über die Fondpassagiere hinweg
Foto: Mercedes

Zweitüriges Cabrio der Mittelklasse mit vier Sitzen; Länge: 4.85 m, Breite: 1,86 m (2,04 m mit Außenspiegeln), Höhe: 1,43 Meter. Radstand: 2,87 m, Kofferraum-Volumen: 385 Liter (295 Liter bei geöffnetem Dach)

Das Kofferraumvolumen beträgt 385 Liter, 295 Liter sind es bei geöffnetem Dach
Das Kofferraumvolumen beträgt 385 Liter, 295 Liter sind es bei geöffnetem Dach
Foto: Mercedes

CLE 200

Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 150 kW/204 PS + 17 kW/23 PS Boost. maximales Drehmoment: 320 Nm + 205 Nm Boost, Mildhybrid-System mit integriertem Startgenerator, 48-Volt-Bordnetz, Heckantrieb, 0 – 100 km/h: 7,9 s., Vmax: 236 km/h, Verbrauch: (WLTP): 6,7 – 7,4 l/100 km, Emission: 152 -168 g/km, CO2-Klasse: E-F

Preis: ab 66.402 Euro (mit Allradantrieb 68.728 Euro)

CLE 300 4matic:

Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 190 kW/258 PS (zusätzlich 17 kW/23 PS Boost), maximales Drehmoment: 400 Nm, zusätzlich 205 Nm Boost, Mildhybrid-System mit integriertem Startgenerator, 48-Volt-Bordnetz, Allradantrieb, 0 – 100 km/h: 6,6 s, Vmax: 250 km/h, Verbrauch (WLTP): 7,3-7,7 l/100 km, Emission: 165 – 179 g/km, CO2-Klasse: F-G

Preis: ab 76.815 Euro

CLE 450 4matic:

Dreiliter-Sechszylinder-Benziner mit 280 kW/381 PS (zusätzlich 17 kW/23 PS Boost), maximales Drehmoment: 500 Nm, (zusätzlich 205 Nm Boost), Mildhybrid-System mit integriertem Startgenerator, 48-Volt-Bordnetz, Allradantrieb, 0 – 100 km/h: 4,7 s, Vmax: 250 km/h, Verbrauch (WLTP): 8 l/100 km, Emission: 180 g/km, CO2-Klasse G

Preis: ab 88.358 Euro

CLE 220 d

Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 145 kW/197 PS (zusätzlich 17 kW/23 PS Boost), maximales Drehmoment: 440 Nm, zusätzlich 205 Nm Boost, Mildhybrid-System mit integriertem Startgenerator, 48-Volt-Bordnetz, Heckantrieb, 0 – 100 km/h: 7,9 s, Vmax: 234 km/h, Verbrauch (WLTP): 5,4-5,9 l/100 km, Emission: 128 – 142 g/km, CO2-Klasse: D-E

Preis ab 68.782 Euro

Kurzcharakteristik

Warum: Weil Mercedes-Cabrios seit jeher schöne und technisch nahezu perfekte Autos sind

Warum nicht: Weil man sein Geld weiterhin eher für einen SUV ausgibt

Was sonst: BMW 4er-Cabrio, Audi S5 Cabrio, Ford Mustang

Was noch: Eine AMG-Variante steht in den Startlöchern

Wann: schon bestellbar

Peter Maahn/SP-X