Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 11:52 Uhr

400 Meter: Olympiasieger Merritt auch Weltmeister

Berlin (dpa). Hobby-Musiker LaShawn Merritt hat seinem Landsmann Jeremy Wariner erneut den Marsch geblasen und den zweiten Titel-Hattrick eines Amerikaners über 400 Meter verhindert.

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Sieger
LaShawn Merritt jubelt über seinen Sieg.

Der 23 Jahre alte Olympiasieger erkämpfte bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin erstmals WM-Gold auf der «Hausstrecke» der US-Viertelmeiler. Dank Merritt und Wariner haben die Amerikaner nun schon 20 WM-Medaillen auf der längsten Sprintstrecke geholt.

Vor 42 400 Zuschauern wurde Merritt seiner Favoritenrolle gerecht und gewann das Rennen auf nasser Bahn und bei empfindlicher Kühle in der glänzenden Weltjahresbestzeit von 44,06 Sekunden. Wariners Traum vom dritten Gold nach 2005 und 2007 ist dagegen geplatzt. Der 25-Jährige musste sich in 44,60 Sekunden wie schon bei den Olympischen Spielen in Peking mit Platz zwei zufriedengeben.

Eine Demütigung wie im «Vogelnest» der chinesischen Metropole, als Wariner von Merritt regelrecht gerupft wurde und unglaubliche 0,99 Sekunden auf der Stadionrunde verlor, blieb dem entthronten Champion diesmal zumindest erspart. Bereits im Halbfinale hatte Merritt mit der Weltjahresbestzeit (44,37) angedeutet, dass er sich nach Olympia- Gold nun auch seinen ersten WM-Titel holen will. Und er behielt die Nerven: Im Finale konnte sich der Sportmanagement-Student aus Norfolk/Virginia auf den letzten 100 Metern absetzen – Wariner gab sich kurz vor der Ziellinie geschlagen.

Merritt hatte die Duelle mit Wariner im Olympia-Jahr nur knapp mit 4:3 für sich entschieden; in dieser Saison waren sich die beiden besten Runden-Renner der Welt bis dato aus dem Weg gegangen. Merritt kam mit einer Saisonbestzeit von 44,50 Sekunden nach Berlin, Wariner war bis dahin nur 16/100 Sekunden langsamer.

LaShawn Merritt wandelt auf den Spuren seines großen Landsmanns Michael Johnson. Der Weltrekordler war fast 26, als er sich in Stuttgart seinen ersten von vier WM-Titeln über 400 Meter sicherte. Sein Nachfolger ist gerade einmal 23 Jahre und 53 Tage alt. Mit drei Titeln bei der Junioren-WM 2004 in Grosseto deutete er sein großes Talent für die längste Sprintstrecke an.

Auch außerhalb der Rennbahn verblüfft der Schützling von Trainer Dwayne Miller durch seine Talente. Merritt spielt ausgezeichnet Trompete, Klavier und Schlagzeug – nicht nur für den Hausgebrauch. Er könnte auch als Musiklehrer sein Geld verdienen.